Die Verbraucherpreisinflation in der Türkei ist im Januar leicht zurückgegangen. Nach Angaben des türkischen Statistikamts (TUIK) lag die Teuerungsrate bei 30,65 Prozent im Jahresvergleich, nach 30,89 Prozent zum Jahresende 2025. Die Daten wurden am 3. Februar veröffentlicht.

Zum Ende des Jahres 2024 hatte die offizielle Inflation noch bei 44 Prozent gelegen. Zwischen Juli und Oktober 2025 verharrte sie bei rund 33 Prozent. Trotz des jüngsten Rückgangs bleiben Zweifel an der Aussagekraft der offiziellen Zahlen weit verbreitet. Ökonomen und Unternehmen raten weiterhin davon ab, Preisentscheidungen oder langfristige Planungen ausschließlich auf Basis der TUIK-Daten vorzunehmen. Mit einer Inflationsrate von rund 31 Prozent belegt die Türkei aktuell den fünften Platz im weltweiten Inflationsranking.

Januar-Effekt treibt monatliche Teuerung

Für Januar meldete TUIK eine monatliche Inflationsrate von 4,84 Prozent. Im Dezember hatte sie noch bei 0,89 Prozent gelegen, im November bei 0,87 Prozent. Zuvor waren im Oktober 2,55 Prozent und im September 3,23 Prozent verzeichnet worden; in den Sommermonaten lag die monatliche Teuerung jeweils knapp über zwei Prozent.

Der Jahresauftakt führt traditionell zu deutlichen Preisanhebungen, da regulierte Preise angepasst und jährliche Erhöhungen wirksam werden. Im Januar 2025 hatte die monatliche Inflationsrate 5,03 Prozent betragen.

Mit den Januar-Daten 2026 hat TUIK das Basisjahr des Verbraucherpreisindex von 2003 auf 2025 umgestellt und zugleich umfassende methodische Änderungen vorgenommen, unter anderem bei der Zusammensetzung des Warenkorbs.

Die Revision folgt den Leitlinien von Eurostat und gilt als Versuch, die hartnäckige Verharrung der Inflationsrate oberhalb von 30 Prozent zu überwinden. Beobachter erwarten, dass die neue Berechnung bereits mit den Februar-Daten rechnerisch einen Rückgang unter diese Marke ermöglichen könnte.

Inflation dürfte 2026 über 20 Prozent bleiben

Am 12. Februar veröffentlicht die türkische Zentralbank ihren ersten vierteljährlichen Inflationsbericht des Jahres 2026, inklusive aktualisierter Prognosen. Derzeit liegt die offizielle Prognosespanne für Ende 2026 weiterhin bei 13 bis 19 Prozent, das Zwischenziel bei 16 Prozent.

Eine Anhebung dieser Prognosen im Februar gilt als unwahrscheinlich. Marktteilnehmer rechnen jedoch damit, dass die Erwartungen im Jahresverlauf schrittweise nach oben korrigiert werden. Nach heutigem Stand dürfte die Inflation Ende 2026 oberhalb der Marke von 20 Prozent liegen.

Weitere Zinssenkungen wahrscheinlich

Am 22. Januar senkte der geldpolitische Ausschuss der Zentralbank den Leitzins (Ein-Wochen-Repo) um 100 Basispunkte auf 37 Prozent. Es war die erste Zinsentscheidung des Jahres 2026.

Die nächste Sitzung ist für den 12. März angesetzt. Eine weitere Zinssenkung gilt als nahezu sicher, unklar ist jedoch deren Umfang. An den Märkten werden Kürzungen um 100 bis 150 Basispunkte erwartet.

Bei insgesamt acht Zinssitzungen im Jahr 2026 würde ein durchschnittlicher Zinsschritt von 100 bis 150 Basispunkten je Sitzung den Leitzins bis Jahresende auf rund 28 Prozent drücken – ein Szenario, das derzeit als Basistrend gilt.

Finanzmärkte zeigen Stabilität

Wichtige Marktindikatoren signalisieren weiterhin relative Stabilität. Der Wechselkurs USD/TRY bleibt unter Kontrolle, türkische Eurobond-Emissionen stoßen auf hohe Nachfrage, und die Prämien für fünfjährige Kreditausfallversicherungen (CDS) testen die Marke von 200 Basispunkten.

Auch im Bankensektor zeigt sich Entspannung: Syndizierte Kredite werden mit hohen Verlängerungsquoten und sinkenden Kosten refinanziert. Zusätzlich ließ der politische Druck auf die Finanzmärkte nach, nachdem ein Gericht im Oktober ein Verfahren gegen die Zentrale der größten Oppositionspartei CHP eingestellt hatte.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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