Im vergangenen Jahr haben sich Russland und der Iran auch wirtschaftlich weiter angenähert. Im Mai 2025 ist das Ende 2023 unterzeichnete Freihandelsabkommen zwischen dem Iran und der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), zu der auch Russland gehört, in Kraft getreten. Dadurch sind die Zölle für fast 90% der zwischen beiden Seiten gehandelten Waren entfallen. Wie erwartet gab das dem russisch-iranischen Handel einen Schub, der jedoch nur von kurzer Dauer war, wie die wenigen offiziellen Angaben zur Handelsentwicklung nahelegen. Der russische Vizepremier Alexej Owertschuk teilte zunächst mit, dass das Handelsvolumen von Mitte Mai bis Ende Juli 2025 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahrs vermutlich um 35% stieg. Später bezifferte er das Wachstum zwischen Mitte Mai und Ende September auf nur noch 18%.

Angaben zur Entwicklung des Handels seit Anfang 2025 machte Präsident Wladimir Putin bei zwei Treffen mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian. Für das 1. Halbjahr 2025 nannte Putin ein Plus von 11,4% und später für die ersten drei Quartale nur noch 8%. Der kurze Schub ab Mai deutet auf einen Nachholeffekt hin, weil die Unternehmen Lieferungen auf die Zeit nach der Zollbefreiung verschoben haben dürften.

Über das gesamte Jahr 2025 hat sich die Dynamik im Vergleich zum Vorjahr verlangsamt. 2024 legte das bilaterale Handelsvolumen laut Putin um 13% zu. Die russische Regierung hatte zuvor von einem Wachstum 2024 um 16-17% auf rund 4,8 Mrd. Dollar gesprochen. Das entsprach einem Anteil von nur 0,7% am gesamten russischen Außenhandel. Im Gesamtjahr 2025 dürfte das Handelsvolumen nur knapp über dem Niveau von 2022 liegen, als es mit 4,9 Mrd. Dollar den bisher höchsten Stand erreicht hatte.

Iran: Wirtschaft und Handel schrumpfen

Ein Grund für das enttäuschende Wachstum trotz des Freihandelsabkommens dürfte die schwache Wirtschaftslage in beiden Ländern gewesen sein. In Russland verlangsamte sich das Wachstum von 4,1% im Jahr 2024 auf vermutlich maximal 1% im vergangenen Jahr. Die iranische Wirtschaft war laut der Weltbank 2024 noch um 3,2% gewachsen, für 2025 erwarten die Analysten einen Rückgang um 1,7%, der sich 2026 auf minus 2,8% vertieft. Die iranische Zentralbank meldet für den Zeitraum März bis September 2025 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,6%. Der gesamte Außenhandel des Iran fiel von März 2025 bis Januar 2026 sogar um 11,4% im Jahresvergleich, auf 94 Mrd. Dollar. Diese Angaben des iranischen Zolls berücksichtigen keine Ölexporte. Die Importe brachen um 15,6% auf 49 Mrd. Dollar ein. Von einer wirtschaftlichen Krise zeugt auch die hohe Inflation, die laut dem iranischen Statistikamt Ende Januar bei 60% im Jahresvergleich lag.

Bezahlkarten und Tourismusflaute

Neben dem Freihandel soll auch die Integration der beiden nationalen Zahlungssysteme Mir und Shetab zu intensiveren wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern führen. Dem Zeitplan zufolge sollte Ende 2025 die Bezahlung mit iranischen Shetab-Karten in russischen Geschäften eingeführt werden. Bereits seit Mai 2025 kann im Iran mit russischen Mir-Karten bezahlt werden. Bisher befand sich der Tourismus zwischen beiden Ländern auf einem niedrigen Niveau. 2024 besuchten laut dem russischen Grenzschutz 38.057 Russen den Iran. Im 1. Quartal 2025 sank die Zahl der Besucher um 46% auf 6336 Personen. Jüngere Daten lagen Anfang 2026 nicht vor. Umgekehrt haben im vergangenen Jahr rund 26.000 iranische Touristen Russland besucht, schätzt der russische Reiseveranstalterverband ATOR. Das wäre ein Rückgang gegenüber 2024 um 50%. Bei aller strategischen Partnerschaft besteht bislang zwischen beiden Ländern noch eine Visumspflicht. Davon befreit sind seit 2021 lediglich Gruppen von Reisenden.

Mehr iranische Studenten

Während die Instabilität im Iran die Entwicklung des Tourismus hemmt, entscheiden sich immer mehr junge Iraner für ein Studium in Russland. Die Zahl der iranischen Studenten an russischen Universitäten ist von 6500 im Jahr 2023 auf 9210 Personen im vergangenen Jahr gestiegen, teilte im vergangenen Mai das russische Bildungsministerium mit. Nach Angaben der Nahostexpertin Elena Dunajewa von der Russischen Akademie der Wissenschaften ist etwa jeder zweite iranische Student in Russland an einer medizinischen Fakultät eingeschrieben. Der Grund dafür sei das Ärzte-Defizit im Iran und der Umstand, dass westliche Länder kaum Studenten aus dem Iran aufnehmen, erklärt die Wissenschaftlerin. Wie viele Russen im Iran studieren, ist nicht bekannt, schrieb die iranische Nachrichtenagentur WANA im vergangenen Juni.

Weitere Kernenergie-Projekte geplant

Den Schwerpunkt der russisch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen bildet die Energie. Der russische Staatskonzern Rosatom erweitert zurzeit das von ihm selbst fertiggestellte Kernkraftwerk Buschehr um zwei Blöcke, womit die Leistung des einzigen iranischen AKW von einem auf drei Gigawatt steigen soll. Die iranische Atombehörde AEOI hat vergangenes Jahr regelmäßig Fortschritte bei den Arbeiten am zweiten Block gemeldet. Mit einer Inbetriebnahme rechnet der Iran derzeit für 2029. Darüber hinaus haben beide Länder im vergangenen September vereinbart, kleine Atomreaktoren aus russischer Entwicklung im Iran zu bauen. Insgesamt will der Iran seine Atomstrom-Leistung bis 2041 auf 20 Gigawatt steigern.

Noch keine russischen Gaslieferungen

Wenig Bewegung hat es in den vergangenen zwölf Monaten in der Frage der russischen Gaslieferungen in den Iran gegeben. Zwar haben sich beide Länder im April 2025 auf den Beginn der Lieferungen geeinigt, die ursprünglich bis Ende 2025 starten sollten. Wie von Präsident Putin zuvor angekündigt, wird Russland zunächst 1,8 Mrd. Kubikmeter pro Jahr an den Iran liefern, in dem seit Jahren eine Energieknappheit herrscht. Über den Preis für das russische Gas konnten sich beide Seiten jedoch bislang nicht einigen, wie der iranische Botschafter in Moskau, Kazem Jalali, im Herbst einräumte. Mitte Januar 2026 sagte Jalali, dass sich die Verhandlungen in der „Endphase“ befänden und sich ihrem Abschluss näherten. Fast genau ein Jahr zuvor hatte Russlands Energieminister Sergej Ziviljow ebenfalls von einem „finalen Stadium“ der Verhandlungen gesprochen.

Fortschritte bei Transportkorridor

Eine weitere offene Baustelle ist die Fertigstellung des Nord-Süd-Transportkorridors, der Russland über den Iran mit dem Riesenmarkt Indien verbinden soll. Die 7200 Kilometer lange Strecke ist bisher nicht durchgängig per Eisenbahn befahrbar, weil sie auf 162 Kilometern zwischen den Städten Rescht und Astara an der Küste des Kaspischen Meeres unterbrochen ist. Der Erwerb des teuren Baulands mache Fortschritte, sagte Botschafter Jalali diesen Januar. Es seien bereits 100 Kilometer als Bauland ausgewiesen worden, der Rest solle bis Ende März folgen, versprach er. Von der Fertigstellung der Bahnstrecke Rescht–Astara erwartet sich Russland eine Halbierung der Transportzeit in den Iran und eine Reduzierung der Logistikkosten um bis zu 30%, wie der kommissarische Handelsvertreter Russlands im Iran, Alexej Jefimow, Anfang Januar erklärte.

Sollten die USA in den kommenden Tagen und Wochen den Iran angreifen, steht Russland gegenüber seinem großen Partner im Nahen Osten in der Pflicht. Vor einem Jahr hatten die beiden am meisten sanktionierten Länder der Welt eine „strategische Partnerschaft“ geschlossen, die am 2. Oktober 2025 in Kraft trat. Sie enthält neben Absichtserklärungen zur diplomatischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit auch konkrete Verpflichtungen für den Fall einer Aggression gegen den jeweiligen Partner, sei sie militärisch oder wirtschaftlich, etwa durch Sanktionen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Beistandspflicht, sondern um eine Unterlassungspflicht, die einzuhalten Moskau nicht schwerfallen dürfte. Dem Abkommen zufolge dürfte es sich Angriffen auf den Iran nicht anschließen und auch keine Sanktionen gegen seinen Partner mittragen.


Dieser Beitrag erschien zuerst im exklusiven Newsletter der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer

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