Autor: Thomas Baier

Taschkent steht vor einem Upgrade seines Hotelmarktes. Zwischen 2025 und 2028 sollen nach aktuellen Projektlisten und Medienberichten mehr als zwanzig neue Hotels internationaler Ketten eröffnen. Die Bandbreite reicht von Economy-Marken bis zum Hochluxus. Für die usbekische Hauptstadt ist das mehr als nur ein touristisches Upgrade: Es ist ein Indikator für wirtschaftliche Ambitionen und den Anspruch, sich dauerhaft als regionales Drehkreuz in Zentralasien zu etablieren.
Internationale Marken: Von Ibis bis Ritz-Carlton
Auffällig ist vor allem die Dichte globaler Hotelketten, die in den kommenden Jahren in Taschkent an den Markt gehen wollen. Unter anderem Swissôtel, JW Marriott, Le Méridien, Ramada Plaza, DoubleTree by Hilton, Hilton Garden Inn, ibis, Mercure, Mövenpick, voco, Holiday Inn Express, Radisson Red, Novotel Living, Aloft und Moxy planen zu eröffnen. Hinzu kommen für die zweite Hälfte des Jahrzehnts höher positionierte Marken wie Radisson Collection und The Ritz-Carlton.
Mehrere dieser Projekte sind dem neuen Stadtentwicklungsareal Tashkent City zugeordnet, das als urbanes Zentrum mit Einkaufs-, Büro- und Freizeitflächen konzipiert ist. Andere Hotels bündeln sich in neuen Clustern wie Alfraganus, wo parallel Marken aus unterschiedlichen Segmenten entstehen – von Hyatt Place über Fairfield by Marriott und Wyndham Garden bis hin zu Holiday Inn Express und ibis.
Dass die Expansionspläne konkret sind, belegen bestätigte Markteintritte: Marriott International etwa hat mehrfach angekündigt, mehrere Hotels und Residences in Taschkent zu eröffnen. Auch Radisson Hotel Group meldete offiziell den Baubeginn eines Radisson Collection Hotels in der usbekischen Hauptstadt. Accor, der französische Gastronomiegigant, wiederum verweist auf konkrete Eröffnungszeiträume für Marken wie Mövenpick und ibis.
Neue Stadtquartiere, neue Nachfrage
Der Hotelboom fällt nicht zufällig in eine Phase umfassender Stadtentwicklung. Taschkent investiert seit Jahren massiv in Infrastruktur, neue Geschäftsviertel und repräsentative Bauprojekte. Internationale Konferenzen, staatliche Foren und Messen nehmen zu, gleichzeitig wächst der innerasiatische Reiseverkehr.
Wie das usbekische Nachrichtenportal Kursiv berichtete, ist die Zahl der Hotelzimmer in Usbekistan in den vergangenen Jahren deutlich schneller gewachsen als das Bruttoinlandsprodukt des Landes. Besonders Taschkent profitiert davon, da hier der Großteil ausländischer Geschäfts- und Delegationsreisen konzentriert ist. Die Regierung setzt dabei gezielt auf internationale Marken, um Qualitätsstandards zu importieren und das Angebot für ausländische Gäste kalkulierbarer zu machen.
Parallel dazu verändert sich die Nachfrage: Neben klassischen Geschäftsreisenden treten zunehmend Kurzzeit-Touristen aus der Region, Airline-Crews, Expats sowie Teilnehmer internationaler Events. Entsprechend stark ist der Fokus auf Midscale- und Upper-Midscale-Konzepte, die standardisierte Qualität bei moderaten Preisen versprechen.
Ob alle angekündigten Projekte tatsächlich im geplanten Zeitraum realisiert werden, bleibt offen. Erfahrungsgemäß verschieben sich Eröffnungen, Zimmerzahlen ändern sich, einzelne Vorhaben verschwinden wieder aus den Pipeline-Listen. Klar ist jedoch: Die Präsenz von Marken wie Ritz-Carlton, JW Marriott oder Radisson Collection markiert einen qualitativen Sprung. Taschkent positioniert sich damit als ernstzunehmender Hospitality-Standort im postsowjetischen Raum.

