Die Inflation in Ungarn ist im Januar deutlich zurückgegangen. Die Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich um 2,1 Prozent, nach 3,3 Prozent im Dezember. Damit erreichte die Teuerung den niedrigsten Stand seit März 2018 und lag zugleich unter den Erwartungen der Analysten. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Preise um 0,3 Prozent, wie das Zentrale Statistikamt (KSH) mitteilte.

Auch die Kerninflation sank spürbar – von 3,5 auf 2,7 Prozent. Damit fiel sie unter das Inflationsziel der ungarischen Zentralbank (MNB) von drei Prozent und markierte den niedrigsten Stand seit Januar 2019.

Volkswirte hatten mit einer Jahresrate von 2,3 Prozent und einem monatlichen Anstieg von 0,6 Prozent gerechnet. Entsprechend überraschend fiel die Abkühlung aus. Besonders relevant sind die Januar-Daten, weil viele Unternehmen zu Jahresbeginn ihre Preise anpassen und damit die Richtung für die kommenden Monate vorgeben.

Staatliche Eingriffe dämpfen Preise

Die Disinflation profitierte von Basiseffekten sowie staatlichen Maßnahmen. Dazu zählen Gewinnmargenbegrenzungen im Einzelhandel und freiwillige Preisbeschränkungen von Telekommunikationsunternehmen und Banken, die auf einer Vereinbarung mit der Regierung aus dem Jahr 2025 beruhen. Auch die Verschiebung inflationsgebundener Verbrauchsteuererhöhungen sowie ein starker Forint halfen, importierten Preisdruck zu mindern.

Das Wirtschaftsministerium kündigte nach Veröffentlichung der Daten an, die Gewinnmargenbegrenzungen bis Ende Mai – und damit über die anstehenden Wahlen hinaus – zu verlängern. Die Regelung begrenzt die Einzelhandelspreise für Hunderte Grundnahrungsmittel auf maximal zehn Prozent über den Beschaffungskosten.

Lebensmittelpreise sinken, Dienstleistungen bleiben erhöht

Die Lebensmittelpreise stiegen im Jahresvergleich nur noch um 1,3 Prozent – der niedrigste Wert seit Januar 2017. Ohne Gastronomiedienstleistungen verzeichnete der Index sogar einen Rückgang von 2,0 Prozent. Preise für Milchprodukte, Mehl und Margarine gaben deutlich nach.

Im Dienstleistungssektor verlangsamte sich die Inflation von 6,8 auf 5,0 Prozent. Langlebige Konsumgüter verteuerten sich um 2,9 Prozent, während Kraftstoffpreise um 12,3 Prozent sanken. Die Energiekosten für private Haushalte lagen dagegen 6,2 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Spielraum für Zinssenkungen

Die Zahlen nähren Erwartungen, dass die ungarische Zentralbank ihre seit 18 Monaten pausierende Lockerungspolitik wieder aufnehmen könnte. Während Analysten vor der Veröffentlichung noch über eine mögliche Zinssenkung im März stritten, sehen viele nun bereits im Februar Spielraum für einen ersten Schritt.

Die Märkte rechnen für das laufende Jahr mit Zinssenkungen von insgesamt rund 100 Basispunkten.

Der ING-Analyst Péter Virovácz verwies darauf, dass sich die Preisdynamik in nahezu allen Hauptkategorien abgeschwächt habe. Die Inflation könnte im Februar auf 1,5 Prozent sinken und in den kommenden Monaten gedämpft bleiben. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte sich die durchschnittliche Jahresinflation bei etwa drei Prozent einpendeln.

Andere Ökonomen warnen jedoch vor Aufwärtsrisiken. Janos Nagy von der Erste Bank verweist auf stark steigende Reallöhne, eine zweistellige Erhöhung des Mindestlohns sowie weitere fiskalische Maßnahmen vor den Wahlen. Eine mögliche Abschaffung der Gewinnmargenbegrenzungen könnte den Preisdruck wieder erhöhen.

Nach Veröffentlichung der Daten wertete der Forint zunächst ab. Der Wechselkurs zum Euro stieg von 379,5 auf über 381 Forint, da Investoren mit sinkenden Realzinsen rechnen. Dennoch legte die ungarische Währung auf Jahressicht rund sechs Prozent gegenüber dem Euro zu.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

Related Post