Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev treibt die Idee eines türkischen Handelskorridors voran, der die Rohstoffregionen Zentralasiens enger mit den westlichen Märkten verbinden soll. Nach seinen Worten gehe es dabei nicht nur um Handel und Konnektivität, sondern mittelfristig auch um sicherheitspolitische Kooperation unter den turksprachigen Staaten.
Aliyev stellte seine Vision am 5. Januar auf einer ausführlichen Pressekonferenz vor. Als institutionelle Grundlage nannte er die Organisation der Turkstaaten (OTS). Ein erster politischer Schritt sei bereits im Dezember erfolgt, als die fünf zentralasiatischen Staaten Aserbaidschan formell in ihren jährlichen Konsultationsrat aufnahmen und damit den bisherigen C5-Mechanismus zu einem C6-Format erweiterten.
Aliyev sprach von einem „großen politischen und diplomatischen Erfolg“. Die entstehende „zentralasiatisch-aserbaidschanische Union“ verändere die geopolitische Lage der Region grundlegend, sagte er.
Aserbaidschan als logistisches Drehkreuz
Baku sieht sich selbst als Schlüsselstaat des geplanten Korridors. Aserbaidschan sei „das einzige verlässliche Land“, das Zentralasien geografisch direkt mit dem Westen verbinden könne, betonte Aliyev. Zudem könne sein Land den Nord-Süd-Handel erleichtern. Alternative Routen über Afghanistan in Richtung Iran oder Pakistan hält er dagegen auf absehbare Zeit für wirtschaftlich nicht tragfähig.
Zur Untermauerung verwies Aliyev auf laufende Infrastrukturprojekte im transkaspischen Raum, darunter eine geplante Stromleitung, die erneuerbare Energie aus Zentralasien in die Europäische Union transportieren soll. Gleichzeitig arbeiteten die Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres daran, ihre Infrastruktur an das wachsende Handelsvolumen mit der EU anzupassen. „Wir dachten, die geschaffene Infrastruktur würde lange ausreichen. Heute sehen wir, dass dem nicht so ist“, sagte Aliyev.
TRIPP-Route und sicherheitspolitische Ambitionen
Ein zentraler Baustein des Korridors liegt außerhalb des OTS-Gebiets: eine 42 Kilometer lange Verbindung durch Armenien, bekannt als „Trump Route for International Peace and Prosperity“ (TRIPP). Die Strecke ist Teil eines vorläufigen Friedensabkommens zwischen Armenien und Aserbaidschan vom vergangenen August. Der Bau hat bislang kaum begonnen, Aliyev zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr starten. Der Korridor sei im Grunde „eine gelöste Frage“, sagte er.
Über den wirtschaftlichen Rahmen hinaus kündigte Aliyev an, die OTS ab 2026 um eine Verteidigungs- und Sicherheitskomponente erweitern zu wollen. Gemeinsame Militärübungen schloss er dabei ausdrücklich ein. Die internationale Ordnung habe sich verändert, argumentierte der Präsident. „Völkerrecht existiert in der heutigen Welt nicht mehr. Es gibt Stärke, Bündnisse und gegenseitige Unterstützung.“
Andere OTS-Staaten äußerten sich bislang zurückhaltend. Beim letzten Gipfel signalisierten jedoch mehrere Teilnehmer, darunter Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew, grundsätzliches Interesse an einer stärkeren Zusammenarbeit. Angesichts der komplexen geopolitischen Lage sei es notwendig, im gemeinsamen Interesse enger zu kooperieren, sagte Tokajew.
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