Die Türkei und Aserbaidschan haben in Baku das Protokoll der 12. Sitzung ihrer Gemeinsamen Wirtschaftskommission (JEC) unterzeichnet. Zudem verabschiedeten beide Seiten einen neuen Aktionsplan mit 110 Punkten. Das berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu.
Der Plan soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Er umfasst Maßnahmen in Bereichen wie Handel, Energie, Industrie und Logistik.
Freihandel, Industrie und Drittstaaten
Vorgesehen ist unter anderem die Prüfung eines möglichen Freihandelsabkommens. Außerdem wollen beide Länder gemeinsame Investitionen in Drittstaaten fördern. Auch der Dienstleistungshandel soll ausgebaut werden.
Geplant ist zudem die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe. Sie soll Aserbaidschans Integration in das neue computergestützte Transitsystem begleiten. Darüber hinaus sollen gemeinsame Ausbildungszentren für die Industrie entstehen.
Weitere Kooperationsfelder sind Landwirtschaft, Öl- und Gasprojekte sowie das Gesundheits- und Bankwesen. Auch im Tourismus und im öffentlichen Beschaffungswesen ist ein Erfahrungsaustausch vorgesehen.
Treffen auf Regierungsebene in Baku
Vor Beginn der Sitzung trafen sich der türkische Vizepräsident Cevdet Yılmaz und der aserbaidschanische Premierminister Ali Asadov zu bilateralen Gesprächen. Die Treffen fanden im Gebäude des Ministerkabinetts in Baku statt. Auch Delegationen beider Länder nahmen daran teil.
Yılmaz erklärte, türkische Investitionen in Aserbaidschan hätten ein Volumen von rund 18 Milliarden US-Dollar erreicht. Darin seien auch Projekte in Drittstaaten enthalten. Aserbaidschanische Investitionen in der Türkei bezifferte er auf etwa 21 Milliarden US-Dollar.
Handelsvolumen soll weiter steigen
Das bilaterale Handelsvolumen lag im vergangenen Jahr bei acht Milliarden US-Dollar. Damit erreichte es einen Rekordwert. Mittelfristig streben beide Länder ein Volumen von 15 Milliarden US-Dollar an. Yılmaz verwies zudem auf Fortschritte bei der Umsetzung früherer Vereinbarungen. Von den 120 Maßnahmen der 11. JEC-Sitzung seien 93 bereits abgeschlossen. Das entspreche einer Quote von 78 Prozent.
Der Vizepräsident betonte die wachsende Bedeutung des sogenannten Mittleren Korridors. Dieser gilt als moderne Seidenstraße zwischen Asien und Europa. Ziel sei der Aufbau einer nachhaltigen Logistikarchitektur.
Auch die Energiekooperation spiele eine zentrale Rolle. Pipelines wie Baku–Tiflis–Ceyhan, Baku–Tiflis–Erzurum und die Transanatolische Pipeline TANAP seien inzwischen wichtige Pfeiler der europäischen Energiesicherheit.
Bildung und Klimakooperation
Yılmaz kündigte zudem an, dass die staatliche Turkey Maarif Foundation ihre Präsenz in Aserbaidschan ausbauen wolle. Geplant sind neue Standorte in Gandscha und Nachitschewan. Er verwies dabei auf die Schuscha-Erklärung von 2021, mit der beide Länder ihre Beziehungen auf Bündnisebene hoben.
Auch klimapolitische Fragen wurden thematisiert. Die Türkei wolle von Aserbaidschans Erfahrungen bei der Ausrichtung der Klimakonferenz COP29 profitieren. Im kommenden Jahr soll die COP31 in Antalya stattfinden.
Handelsminister Ömer Bolat erklärte, der neue Aktionsplan definiere einen klaren wirtschaftlichen Fahrplan. Er unterstreiche das gemeinsame Ziel beider Regierungen, das Handelsvolumen auf 15 Milliarden US-Dollar zu steigern.
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