Autor: Ben Aris, Chefredakteur bne Intellinews

Russland ist auch 2025 einer der größten Erdgaslieferanten der Europäischen Union geblieben. Nach Daten des Brüsseler Thinktanks Bruegel exportierte das Land im vergangenen Jahr knapp 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die EU – trotz der anhaltenden Bemühungen des Staatenbundes, seine Energieabhängigkeit von Moskau nach dem Angriff auf die Ukraine zu verringern.
Mit Lieferungen von rund 37,99 Milliarden Kubikmetern lag Russland damit auf Platz vier der wichtigsten Gaslieferanten. Nur Norwegen (97,1 Milliarden Kubikmeter), die USA (82,9 Milliarden Kubikmeter) und Algerien (38,6 Milliarden Kubikmeter) exportierten mehr Gas in die EU. Vor dem Krieg deckte Russland noch mehr als 40 Prozent des europäischen Gasbedarfs.
Insgesamt importierte die EU 2025 rund 313,6 Milliarden Kubikmeter Gas – ein Anstieg von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ausschlaggebend war vor allem die höhere Nachfrage während eines ungewöhnlich kalten Winters in Nord- und Mitteleuropa. Laut Bruegel glichen höhere Importe und stabile LNG-Lieferungen die geringere heimische Produktion sowie einen temporären Rückgang erneuerbarer Energien aus.
Anfang Januar meldete der russische Staatskonzern Gazprom Rekordentnahmen aus europäischen Gasspeichern. Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) zeigen, dass am 5. und 6. Januar die höchsten jemals für diesen Zeitraum verzeichneten Entnahmen gemessen wurden. Auch während der Feiertage Ende Dezember wurden außergewöhnlich hohe Werte registriert.
Nach Angaben von GIE waren die EU-Gasspeicher bis zum 6. Januar zeitweise auf unter 60 Prozent gefallen. Dennoch lagen die Füllstände für diesen Zeitpunkt der Heizperiode ungewöhnlich hoch. Aggregierte Daten zeigten am 7. Januar einen Speicherstand von 85,1 Prozent. Hohe Importe sowie eine infolge der Deindustrialisierung gesunkene Industrienachfrage wirkten stabilisierend.
Trotz Sanktionen und Importbeschränkungen gelangt weiterhin russisches Gas nach Europa. Pipelinegas fließt über Transitrouten durch die Türkei und die Ukraine, hinzu kommen LNG-Lieferungen aus russischen Häfen, darunter das Terminal Jamal in der Arktis.
LNG aus Russland bleibt bedeutend
Eine Analyse der Umweltorganisation Urgewald, gestützt auf Daten des Rohstoffanalyseunternehmens Kpler, zeigt, dass 2025 rund 15 Millionen Tonnen LNG vom Jamal-Terminal in EU-Häfen ankamen. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr und rund drei Vierteln der gesamten Jamal-Exporte. Der Handelswert wird auf etwa 7,2 Milliarden Euro geschätzt.
Die anhaltenden Lieferungen spiegeln nach Einschätzung von Analysten sowohl langfristige Vertragsbindungen als auch die preisliche Wettbewerbsfähigkeit russischen Gases wider – insbesondere in Südosteuropa.
Die Europäische Kommission plant im Rahmen der REPowerEU-Strategie, die Einfuhr von russischem Gas bis spätestens 1. Januar 2027 vollständig zu beenden. Bruegel warnt jedoch, dass Nachfrage-spitzen in den Wintermonaten weiterhin die Verwundbarkeit der EU gegenüber Angebotsengpässen offenlegen.
„Europa hat bei der Diversifizierung seiner Gasversorgung deutliche Fortschritte gemacht“, erklärte der Thinktank. „Doch die Daten zeigen, dass der Übergang noch nicht abgeschlossen ist und russische Gasmengen weiterhin eine Rolle spielen.“
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

