Während weltweit jedes Jahr Hunderte Gletscher infolge des menschengemachten Klimawandels verschwinden, gibt ein Fund im Pamirgebirge Forschern Rätsel auf: In Tadschikistan breitet sich ein Gletscher aus – entgegen dem globalen Trend.

Eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie untersucht die ungewöhnliche Entwicklung der hochgelegenen Kon-Chukurbashi-Eiskappe. Sie liegt auf rund 5.810 Metern Höhe in einer Region, die auch als „Dach der Welt“ bezeichnet wird. Ein internationales Forscherteam reiste in das schwer zugängliche Hochgebirge, um die überraschende Stabilität des Eises zu analysieren.

Bereits zuvor hatten die Wissenschaftler Aufmerksamkeit erregt, als sie zwei Eiskerne aus dem Gletscher bohrten. Eine Probe wurde in das unterirdische Archiv der Ice Memory Foundation in der Antarktis gebracht, wo sie über Jahrhunderte als Klimazeugnis konserviert werden soll. Der zweite Eiskern ging an das Institut für Tieftemperaturwissenschaften der Universität Hokkaido im japanischen Sapporo.

Dort untersucht der Glaziologe Yoshinori Iizuka die Probe, um die Ursachen für das wachsende Eisvolumen zu verstehen. Sollten sich die Mechanismen erklären lassen, könnten daraus neue Erkenntnisse für die Gletscherforschung weltweit entstehen, sagte Iizuka der Nachrichtenagentur AFP. Zwar sei das Ziel ehrgeizig, doch hoffe man, damit langfristig einen Beitrag zum Verständnis des Klimawandels zu leisten.

Der Befund steht in starkem Kontrast zur allgemeinen Entwicklung in Tadschikistan. Nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sind dort bereits mehr als tausend Gletscher vollständig verschwunden, viele weitere gelten als akut gefährdet. Steigende Temperaturen setzen die Wasserressourcen Zentralasiens zunehmend unter Druck.

Zugleich zeigen Studien, dass selbst vergleichsweise widerstandsfähige Gletscher im Pamir durch anhaltenden Schneemangel destabilisiert werden. Erst im Oktober brach ein großes Eisstück von einem Gletscher ab, woraufhin Wissenschaftler die Bevölkerung umliegender Bergdörfer warnten. Der wachsende Gletscher bleibt damit eine seltene, aber fragile Ausnahme in einer Region im klimatischen Wandel.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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