Nach zwei Jahren kräftiger Erholung ist der russische Automarkt 2025 wieder deutlich geschrumpft. Insgesamt wurden rund 1,33 Mio. Neuwagen verkauft, ein Rückgang von 15,6% gegenüber dem Vorjahr. Damit endete die Phase des Nachholeffekts, die den Markt nach dem Rekordnegativjahr 2022, in dem nur etwas mehr als 600 000 Autos verkauft wurden, 2023 und 2024 kräftig wachsen ließ.

Der zentrale Faktor für den Rückgang sind die hohen Finanzierungskosten für Autokredite. Hinzu kamen staatliche Maßnahmen, die Autos spürbar verteuerten. Höhere Recyclinggebühren, steigende Importabgaben und zusätzliche Steuern erhöhten die Endpreise vieler Modelle deutlich. Zum Jahresende erholte sich der Markt jedoch und wuchs im Vergleich zu den Vorjahresmonaten. Zu Jahresbeginn 2025 lag das Minus im Vergleich zu den Vorjahresmonaten noch bei bis zu 25% gelegen.

Importeinbruch: China mit erstem Minus

Chinesische Hersteller blieben auch 2025 die prägende Kraft auf dem russischen Automarkt, verloren jedoch erstmals seit dem Rückzug westlicher Marken 2022 Marktanteile. Der China-Marktanteil sank von rund 60% im Jahr 2024 auf 52%. Entscheidend war dabei der drastische Einbruch der Importe: Von Januar bis September 2025 wurden nur noch rund 357.000 chinesische Fahrzeuge nach Russland eingeführt, nach etwa 1,2 Mio. im Vorjahreszeitraum. Damit verlor Russland seine Rolle als wichtigster Exportmarkt chinesischer Autobauer und belegt nur noch Platz 3 hinter Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Allein im ersten Quartal 2025 schlossen über 200 chinesische Markenhändler, vor allem kleinere und weniger etablierte Marken verschwanden.

Durch die gestiegenen Importkosten verlagern chinesische Anbieter einen Teil der Wertschöpfung in Richtung lokaler Montage. In ehemaligen Werken westlicher Hersteller werden zunehmend chinesische Modelle unter russischen Marken oder Joint-Venture-Labels produziert. Beispielsweise werden Autos der Marke Chery in Russland als lokal hergestellte „Tenet“ angeboten. Diese Fahrzeuge tauchen statistisch nicht mehr als „chinesisch“ auf, prägen das Angebot aber weiterhin.

Die seit 2019 in Tula produzierende Marke Haval baute ihre Position als stärkste ausländische Marke aus, Chery und Geely verloren jeweils mehr als ein Drittel ihres Volumens.

Lada bleibt Nummer eins – trotz deutlicher Verluste

Der russische Autobauer Avtovaz blieb mit seiner Marke Lada 2025 klar Marktführer, musste aber spürbar Federn lassen: Nach Angaben von AvtoVAZ sank der Absatz auf dem Heimatmarkt auf 338.492 Fahrzeuge, ein Minus von 26,2%. Der Lada-Marktanteil sank um 3% auf etwa 25%. Das Billig-Auto Lada Granta war 2025 erneut der meistverkaufte Pkw mit 144.350 Einheiten, gefolgt von der etwas hochklassigeren Version Lada Vesta mit 75.099 Einheiten. Niva Travel kam auf 35.608, Niva Legend auf 33.968 Verkäufe.

Für 2026 setzt AvtoVAZ auf eine Produktoffensive: Als wichtigste Neuheit gilt der kompakte SUV Lada Azimut, dessen Serienproduktion für 2026 vorgesehen ist und auf dem große Hoffnungen ruhen. Der Konzern will die Jahresproduktion auf rund 400.000 Fahrzeuge erhöhen.

Ausblick 2026 und Vergleich mit Deutschland

Für 2026 sind die Erwartungen an den russischen Automarkt verhalten. Die meisten Prognosen gehen von einer Stagnation auf dem Niveau von rund 1,3 Mio. Neuzulassungen aus. Optimistischere Szenarien wie die Prognose der Association of European Businesses (AEB) sehen ein leichtes Wachstum um 2,5% auf bis zu 1,4 Mio. Fahrzeuge voraus, vorausgesetzt, staatliche Stützungsmaßnahmen werden fortgeführt und die Zinsen sinken spürbar. Zusätzlichen Preisdruck erwarten Analysten durch eine schwächere Währung, steigende Abgaben und höhere Mehrwertsteuern. Die Preise für Pkw könnten 2026 um bis zu 10% zulegen.

Der deutsche Automarkt erholte sich 2025 moderat. Die Neuzulassungen stiegen leicht um 1,4% auf 2,86 Mio. Pkw. Im Vorkrisenjahr 2019 wurden noch mehr 3,6 Mio. Neuwagen in der Bundesrepublik verkauft – fast ein Viertel mehr als in der Prognose für 2026.


Dieser Beitrag erschien zuerst im exklusiven Newsletter der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer

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