Kasachstan treibt den Aufbau einer energieintensiven Digitalwirtschaft voran und plant in der nordöstlichen Region Pawlodar die Entwicklung eines sogenannten Rechenzentrumstals. Die geplanten Hochleistungsrechenzentren sollen ihren Strom vor allem aus Kohlekraftwerken beziehen, die im kohlereichen Becken von Ekibastuz angesiedelt sind.
Präsident Kassym-Schomart Tokajew kündigte das Vorhaben im Rahmen einer Grundsatzrede zur wirtschaftlichen Entwicklung an. Demnach soll die Region Pawlodar gemeinsam mit der lokalen Verwaltung gezielt als Standort für datenintensive Infrastruktur ausgewiesen werden.
Digitale Ambitionen treffen auf Energiefrage
Kasachstan hat sich das Ziel gesetzt, bis 2029 eine leistungsfähige digitale Ökonomie aufzubauen. Das laufende Jahr wurde offiziell zum Jahr der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz erklärt. Zudem wurde ein neues Ministerium für Künstliche Intelligenz und digitale Entwicklung geschaffen, das den technologischen Umbau koordinieren soll.
„Der Einsatz digitaler Lösungen und von KI wird die Qualität der öffentlichen Verwaltung ebenso verbessern wie die Effizienz der Industrie“, erklärte Tokajew. Voraussetzung dafür sei jedoch eine stabile und verlässliche Energieversorgung. Rechenzentren benötigten nicht nur große Strommengen, sondern auch leistungsfähige Kühlsysteme, Sicherheitsinfrastruktur und langfristige Planungssicherheit.
Nach Angaben des Präsidenten reicht die derzeitige Stromproduktion des Landes von rund 123 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr nicht aus, um gleichzeitig das industrielle Wachstum und den geplanten Ausbau der digitalen Infrastruktur zu tragen.
Kohle als Brückentechnologie für die KI-Strategie
Tokajew machte deutlich, dass Kasachstan kurzfristig nicht allein auf neue Kernkraftwerke setzen könne. Das erste geplante Atomkraftwerk des Landes, das gemeinsam mit dem russischen Konzern Rosatom entstehen soll, werde voraussichtlich frühestens 2035 ans Netz gehen. Für die kommenden Jahre bleibe daher die Kohle ein zentraler Bestandteil der Energieversorgung.
Der Präsident verglich den Strombedarf moderner Rechenzentren mit jenem großer Hüttenwerke und betonte, dass Energieautarkie zunehmend zu einer strategischen Frage der Wirtschaftspolitik werde. Kasachstan verfüge mit geschätzten Kohlevorräten von rund 33 Milliarden Tonnen über ausreichende Ressourcen für mehrere Jahrhunderte bei heutigem Verbrauch.
Die Regierung wurde angewiesen, bis zum 20. März konkrete Vorschläge zur Einstufung der Kohleverstromung als nationales Infrastrukturprojekt vorzulegen. Geplant sind unter anderem neue Wärmekraftwerke in Kokschetau, Semei und Öskemen, die Inbetriebnahme einer Anlage in Kurtschatow sowie der Ausbau des Kraftwerks GRES-2 und der Bau von GRES-3 in Ekibastuz.
Mit dem Rechenzentrumstal setzt Kasachstan damit bewusst auf einen energiepolitisch umstrittenen, aber kurzfristig verfügbaren Pfad, um seine digitalen Ambitionen abzusichern – und positioniert sich zugleich als möglicher regionaler Standort für datenintensive Industrien in Zentralasien.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

