Kasachstan dürfte seine Position auf dem globalen Markt für kritische Rohstoffe deutlich ausbauen. Nach Angaben der Eurasian Resources Group (ERG) wird das Land voraussichtlich zum zweitgrößten Produzenten von Gallium weltweit aufsteigen. Möglich wird dies durch einen langfristigen Liefervertrag mit dem japanischen Konzern Mitsubishi.

ERG teilte mit, die Vereinbarung mit der Mitsubishi Corporation RtM Japan sei während eines Staatsbesuchs des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew in Japan kurz vor Weihnachten unterzeichnet worden. Der Vertrag sieht die Lieferung von Gallium über einen längeren Zeitraum vor.

Strategischer Rohstoff für Hightech und Rüstung

Gallium ist ein silberfarbenes Metall, das vor allem in der Halbleiterindustrie und in modernen Elektroniktechnologien eingesetzt wird. Darüber hinaus spielt der Rohstoff eine wichtige Rolle in der Rüstungsindustrie, etwa bei der Herstellung fortschrittlicher Systeme der elektronischen Kampfführung.

Der Thinktank Atlantic Council wies zuletzt darauf hin, dass die USA derzeit kein Gallium im Inland produzieren und auch über keine strategischen Reserven verfügen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Diversifizierung der Lieferketten an Bedeutung.

Produktionsstart für 2026 geplant

Im Rahmen des Projekts will ERG mehr als 20 Millionen US-Dollar in den Bau einer neuen Produktionsanlage investieren. Die Anlage soll eine jährliche Kapazität von 15 Tonnen Gallium erreichen. Der Produktionsstart ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen.

ERG-Chef Shukhrat Ibragimov erklärte, Präsident Tokajew habe während seines Japan-Besuchs die strategische Bedeutung kritischer Mineralien und seltener Metalle hervorgehoben. Ziel sei eine stärkere Einbindung Kasachstans in globale Produktions- und Lieferketten.

Das Gallium soll aus Prozesslösungen des Aluminiumwerks in Pawlodar gewonnen werden, das zur Aluminium of Kazakhstan JSC gehört. Die Produktion erfolgt mithilfe einer von ERG Research and Development entwickelten Technologie.

Diese soll nicht nur die Qualität des Kernprodukts Aluminiumoxid verbessern, sondern auch Materialverluste reduzieren und die Gewinnung von Gallium aus sehr geringhaltigen Erzen ermöglichen.

ERG zwischen Expansion und Eigentümerstreit

ERG ist in mehreren Ländern aktiv, darunter Kasachstan, Brasilien, die Demokratische Republik Kongo und Sambia. Der Konzern hat seinen Sitz in Luxemburg, rund 40 Prozent der Anteile hält der kasachische Staat.

Zuletzt geriet das Unternehmen auch aus unternehmerischen Gründen in die Schlagzeilen. Die Financial Times berichtete, der kasachische Unternehmer Shakhmurat Mutalip habe ein Angebot zum Erwerb von 40 Prozent der Anteile abgegeben. Dies habe zu Spannungen mit Konzernchef Ibragimov geführt.

ERG wurde in den 1990er Jahren als Eurasian Natural Resources Corporation (ENRC) gegründet und ging aus ehemals staatlichen Bergbauanlagen hervor, die nach dem Zerfall der Sowjetunion privatisiert wurden.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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