Das kanadische Uranexplorationsunternehmen Laramide Resources zieht sich aus einem Projekt in Kasachstan zurück und wirft dem Land vor, ausländische Investoren mit einer Politik abzuschrecken, die einer faktischen Verstaatlichung gleichkomme. Die jüngsten Gesetzesänderungen im Uransektor bezeichnet das Unternehmen als ein mögliches „spektakuläres Eigentor“.
Am 20. Januar erklärte Laramide, es sehe „keinen wirtschaftlichen Grund mehr für ausländische Direktinvestitionen in die Uranexploration“ in Kasachstan – trotz der Rolle des Landes als weltweit größter Uranproduzent.
Auslöser ist eine Reform des kasachischen Bodenschatzrechts, die Ende Dezember von Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterzeichnet wurde. Sie sieht unter anderem eine deutlich erhöhte Mindestbeteiligung des staatlichen Uranproduzenten Kazatomprom an allen neu entdeckten Uranvorkommen vor.
Laramide-CEO Marc Henderson erklärte, Kasachstan habe damit offenbar präventiv gehandelt, um sich Eigentum und Kontrolle über künftige Uranfunde zu sichern – noch bevor diese überhaupt entdeckt würden. Das erhöhe politische und regulatorische Risiken erheblich und untergrabe die Investitionslogik für neue Marktteilnehmer.
Schrumpfende Ressourcenbasis als Hintergrund
Henderson verwies auf die eigene Investorendokumentation von Kazatomprom aus dem November 2025. Demnach schrumpfe die Ressourcenbasis des Konzerns seit Jahren deutlich und könnte bis 2057 vollständig erschöpft sein. Vor diesem Hintergrund erscheine die neue Strategie umso problematischer.
Wäre Kazatomprom ein kleiner Akteur, ließe sich dieser Kurs als kommunikativer Fehltritt abtun, so Henderson. Als weltweit größter Uranproduzent sei er jedoch ein systemrelevanter Player – und damit ein „Weckruf für die gesamte Kernenergiebranche“.
Konkret kündigte Laramide seinen Optionsvertrag für ein Uranprojekt im Chu-Sarysu-Becken mit sofortiger Wirkung. Die im September 2024 mit Aral Resources geschlossene Vereinbarung umfasste Optionen auf 22 Untergrundnutzungslizenzen in einem der aussichtsreichsten Greenfield-Gebiete für Uranexploration weltweit.
Das Becken gilt zudem als potenziell reich an sedimentären Kupferlagerstätten und weiteren kritischen Rohstoffen.
Regierung setzt auf strategische Kontrolle
Die kasachische Regierung verteidigt die Reformen als Schutz nationaler Interessen. Angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Uran – auch Kasachstan plant den Bau eigener Kernkraftwerke – sei eine stärkere staatliche Kontrolle strategisch notwendig.
Kazatomprom-CEO Meirzhan Yussupov räumte im Dezember ein, dass einige internationale Partner Bedenken geäußert hätten. Das Land habe jedoch alle bestehenden Verpflichtungen erfüllt und erwarte, dass Investoren die neuen Rahmenbedingungen akzeptieren. Vertragsverlängerungen würden künftig eine Überprüfung der wirtschaftlichen Konditionen erfordern.
Für Laramide ist der Rückzug Teil einer größeren Diagnose: Die Uranexploration sei weltweit unterfinanziert und zu stark auf wenige Regionen konzentriert. Um das wachsende Angebotsdefizit zu schließen, könnten deutlich höhere Uranpreise nötig werden.
Das Unternehmen kündigte an, seine Explorationsaktivitäten künftig auf andere Standorte zu verlagern – und dort zur Sicherung der künftigen Uranversorgung beitragen zu wollen.
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