Autor: Dietrich Schartner

Tiflis – In einer Zeit, in der Georgiens Wirtschaft in vielen Sektoren kräftig wächst, markiert ein Infrastrukturprojekt einen strategischen Wendepunkt: Der Ausbau des Tbilisi International Airport. Am 15. Januar 2026 unterzeichneten die georgische Regierung und TAV Airports, eine Tochter des französischen Flughafenbetreibers Groupe ADP, einen neuen Vertrag über den Ausbau und die erweiterte Betriebsführung des wichtigsten Luftverkehrsdrehkreuzes des Landes. Dieser Schritt ist mehr als bloße
Flughafenmodernisierung – er spiegelt Georgiens wirtschaftliche Ambitionen, seine Position als regionale Drehscheibe zu stärken und seine globale Anbindung zu vertiefen.
Ein Flughafen als Wirtschafts-Motor
Unter dem neuen Vertrag wird TAV Airports rund 150 Millionen USD in den Ausbau des Tbilisi International Airport investieren. Im Gegenzug wurde die Konzession zur Flughafenbetreibung bis Ende 2031 verlängert – fünf Jahre länger als zuvor geplant. Ziel ist es, die jährliche Passagierkapazität von derzeit rund 5 Millionen auf über 10 Millionen zu verdoppeln.
Diese Entscheidung fällt in eine Phase bemerkenswerten Wachstums der georgischen Luftverkehrslandschaft: Im Jahr 2025 bedienten die drei internationalen Flughäfen Georgiens gemeinsam rund 8,5 Millionen Passagiere, ein Rekordwert und ein Anzeichen für die steigende Nachfrage nach Reisen und Verbindungen.
Was genau wird gebaut?
Die geplanten Erweiterungen umfassen mehrere große Maßnahmen:
- Vergrößerung der Terminalfläche um etwa 19.500 m², was Platz für mehr Passagiere und Services schafft.
- Verdopplung der Passagierbrücken von derzeit weniger auf etwa zehn.
- Zusätzliche Parkstände für Flugzeuge (von 58 auf 65).
- Erweiterte Check-in-Bereiche, mehr Passkontrollmöglichkeiten, zusätzliche Gepäckbänder und eine größere Anzahl von Parkplätzen für Reisende.
- Neue kommerzielle Bereiche im Terminal zur Stärkung des Angebots – etwa Shops und Gastronomie mit einem Fokus auf georgische Produkte.
- Ausbau von Business- und Premium-Bereichen für Geschäftsreisende, die stark vergrößert werden sollen.
Der erwartete Abschluss dieser Arbeiten ist bereits für 2028 geplant – ein ehrgeiziges Zeitfenster, das Georgiens Position im internationalen Luftverkehr weiter stärken soll.
Einbindung globaler Partner
Die Vereinbarung hat auch geopolitische und wirtschaftliche Bedeutung: Frankreichs Botschaft in Georgien würdigte den Vertrag als Symbol der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern und als Beitrag zur europäischen Integration und internationalen Vernetzung Georgiens.
TAV Airports selbst ist kein unbeschriebenes Blatt in der südkaukasischen Luftfahrt: Seit 2005 betreibt das Unternehmen bereits den Flughafen in Tiflis (und auch jenen von Batumi) und hat in dieser Zeit den Verkehr fast verzehnfacht. Heute verbinden 63 Fluggesellschaften den Flughafen mit mehr als 70 Zielen weltweit – ein kraftvolles Signal für die gestiegene Attraktivität Georgiens als Reiseziel und Verkehrsknotenpunkt.
Wirtschaftliche Dimensionen: Chancen und Herausforderungen
Die Erweiterung des Flughafens wirkt sich nicht nur auf Passagiere aus: Sie soll auch die Einnahmen des staatlichen Betreibers United Airports of Georgia deutlich steigern – laut Ministerium bis zu dreifach im Vergleich zu den bisherigen Konditionen des Konzessionsvertrags. Außerdem wurde eine Vorauszahlung von 25 Millionen USD vereinbart, die sofort in operative Infrastruktur fließen soll.
Solche Investitionen sind in mehrfacher Hinsicht wirtschaftlich relevant:
- Tourismuswachstum: Georgien hat in den letzten Jahren touristisch stark expandiert, wodurch ein moderner Flughafen notwendiger wird, um Kapazität und Servicequalität zu sichern.
- Globale Geschäftsanbindung: Mehr Flugverbindungen bedeuten intensivere Geschäftsbeziehungen, erleichterte Logistik und stärkere Auslandsinvestitionen.
- Arbeitsmarkt: Ausbauprojekte schaffen kurzfristig Arbeitsplätze im Bau- und Dienstleistungssektor und langfristig in der Luftfahrt und bei verbundenen Wirtschaftsakteuren.
Doch die Diskussion ist nicht unumstritten: Einige Experten betonen, dass die Lage des bestehenden Flughafens und die Beschränkungen für einen weiteren Ausbau langfristig ein neues, größeres Flughafenprojekt erfordern, das bereits in Vaziani östlich von Tiflis geplant ist und bis 2031 das Verkehrsvolumen von bis zu 20 Millionen Passagieren bewältigen soll.
Zwischen regionalem Verkehrsknoten und globaler Bühne
Tbilisi International Airport wird somit nicht nur in seiner Größe wachsen. Vielmehr steht sein Ausbau für Georgiens strategische wirtschaftliche Neuorientierung: weg von einem Transitland mit begrenzter Infrastruktur, hin zu einem aufstrebenden Luftfahrt- und Wirtschaftsstandort am Schnittpunkt zwischen Europa und Asien. Die Kombination aus staatlicher Vision und internationaler Expertise könnte dabei zu einem bedeutenden Wachstumsmotor für Wirtschaft, Tourismus und globale Vernetzung des Landes werden.

