← Startseite
Home/ Armenien/ Armeniens „Crossroads of Peace“: Infrastruktur als Fundament für Frieden?
Armeniens „Crossroads of Peace“: Infrastruktur als Fundament für Frieden?
Armenien · 07.04.2026

Armeniens „Crossroads of Peace“: Infrastruktur als Fundament für Frieden?

Exlusivinterview mit Viktor Yengibaryan, dem armenischen Botschafter in Deutschland. Das Interview führt OW-Autor Jonas Prien.

Ein Exklusivinterview mit Viktor Yengibaryan, dem armenischen Botschafter in Deutschland. Das Interview führt OW-Autor Jonas Prien.

Im Herbst 2023 stellte die armenische Regierung ihr ambitioniertes Projekt „Crossroads of Peace“ vor. Ziel ist es, durch Infrastruktur, wirtschaftliche Verflechtung und offene Grenzen nachhaltigen Frieden im Südkaukasus zu schaffen. Doch wie realistisch ist dieses Vorhaben und welche Rolle spielt Europa dabei?



Prien: Welche Ziele verfolgt die armenische Regierung mit dem Projekt „Crossroads of Peace“?

Das wichtigste Ziel unserer Regierung ist Frieden in unserer Region. Und wir können bereits sagen: Wir haben dieses Ziel grundsätzlich erreicht. Natürlich braucht es Zeit, um Frieden zu institutionalisieren. Mit der Türkei führen wir einen konstruktiven Dialog und hoffen auf baldige diplomatische Beziehungen. Auch mit Aserbaidschan gibt es Fortschritte, denn wir haben bereits einen Friedensvertrag paraphiert, unterstützt unter anderem durch den US-Präsidenten Donald Trump. Ein zentraler Schritt ist nun die Öffnung der Grenzen. Genau hier setzt das Konzept „Crossroads of Peace“ an: Es soll regionale Verbindungen schaffen, wirtschaftliche Abhängigkeiten fördern und den Frieden stabilisieren.

Die „Crossroads of Peace“ sollen den Handel in der ganzen Region verbessern und so Sicherheit und Vertrauen stärken. (Quelle: Armenische Regierung)

Prien: Geht es dabei vor allem um Infrastruktur?

Ganz genau. Grundlage sind klare Prinzipien: Souveränität, territoriale Integrität, Einhaltung der nationalen Jurisdiktion der jeweiligen Staaten und gegenseitige Gleichberechtigung. Konkret geht es um die Wiederbelebung von Verkehrswegen, insbesondere Eisenbahnverbindungen aus dem 19. Jahrhundert, die seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr funktionieren.

Geplant sind unter anderem:

Prien: Wann könnten diese Projekte Realität werden?

Wir gehen davon aus, dass die wichtigsten Eisenbahnverbindungen innerhalb von drei Jahren fertiggestellt werden können. Gemeinsam mit amerikanischen Partnern wurde bereits eine Firma gegründet, derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie. Es geht vor allem um Sanierung und punktuelle Neubauten.

Prien: Welche Rolle spielt die Energieinfrastruktur?

Eine sehr große. Wir wollen unser Stromnetz mit den europäischen Frequenzen verbinden. Mit Unterstützung Deutschlands und der KfW entsteht bereits ein entsprechendes Übertragungsnetz.

Zudem planen wir eine stärkere Vernetzung mit Georgien, der Türkei und Aserbaidschan, den Ausbau der Solarenergie (bereits über 20% des Energiemixes) und die Produktion von grünem Wasserstoff. Armenien kann damit nicht nur Transitland von Zentralasien nach Europa sein, sondern auch selbst Energieproduzent.

Prien: Wie fördern Infrastrukturprojekte konkret Vertrauen?

Wir setzen auf wirtschaftliche Interdependenz. Erste Schritte sind bereits sichtbar. Armenien hat erstmals Öl und Benzin aus Aserbaidschan importiert. Zudem gelangte Getreide über aserbaidschanisches Gebiet ins Land. Der Handel wird damit diversifizierter und günstiger. Zudem haben wir angeboten, dass die Türkei und Aserbaidschan unser Territorium für Transporte nutzen. Auch gesellschaftlich gibt es Fortschritte: Delegationen der Zivilgesellschaft besuchen sich gegenseitig. Das stärkt Vertrauen nachhaltig.

Prien: Wo liegen die größten Herausforderungen?

Wir müssen Frieden erst lernen. Das mag hier in Europa seltsam klingen, aber seit unserer Unabhängigkeit litt mittlerweile schon eine ganze Generation unter dem Konflikt. Deshalb ist es wichtig, Frieden nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich zu verankern

Prien: Welche wirtschaftlichen Perspektiven entstehen für Armenien?

Unsere geschlossenen Grenzen haben lange zu einer isolierten Wirtschaftsstruktur geführt, etwa mit starkem Fokus auf IT. Jetzt entstehen neue Chancen in Produktion und Handel. Erste Investitionen zeigen das Potenzial. NVIDIA plant Investitionen von über vier Milliarden US-Dollar. Im Energiesektor könnten weitere fünf Milliarden folgen. Armenien ist aktuell ein attraktiver Investitionsstandort. Auch der Tourismus ist natürlich ein sehr wichtiger Teil. Die meisten europäischen Touristen kommen aus Deutschland.

Prien: Was bedeutet die Öffnung der Verkehrswege für den Südkaukasus?

Es ist kein Nullsummenspiel. Mit der Öffnung profitieren alle Länder, auch Georgien, Aserbaidschan, und die Türkei. Sinkende politische Risiken fördern Investitionen. Wir hatten dank der Reformen im Bereich Rechtsstaatlichkeit und Demokratie 7,5% Wachstum im letzten Jahr. Das zeigt, wie stark Friedenssignale wirken.

Prien: Welche Rolle spielen Deutschland und die EU?

Armenien strebt langfristig eine Integration in die Europäische Union an. Deutschland ist dabei ein zentraler Akteur als wichtigster Wirtschaftspartner Armeniens in der EU. Besonders im Bereich Wasserstoff, Energie und Infrastruktur sehen wir großes Potenzial für gemeinsame Projekte.


Prien: Welche Rolle kann Armenien künftig geopolitisch spielen?

Als Teil des sogenannten „Mittleren Korridors“ können wir den Handel zwischen Europa und Asien effizienter gestalten. Auch aktuelle Flugrouten zeigen bereits: Der Südkaukasus wird zunehmend zur zentralen Achse zwischen beiden Regionen.

Flugreisen am 27. März 2026: Der Südkaukasus ist zur zentralen Achse des Luftverkehrs geworden (Quelle: Flightradar)

Prien: Ist das eine Momentaufnahme oder ein langfristiger Trend?

Es zeigt vor allem, wie wichtig unsere Region als alternative Route ist. Wir würden uns natürlich wünschen, dass unsere Nachbarn auch in Frieden leben. Mit weiterem Ausbau der Infrastruktur wird sich diese Rolle noch verstärken. Frieden ist dafür die entscheidende Grundlage.

Mittlerer Korridor
LinkedIn X Mail Drucken
Mehr aus ArmenienKuratierte Auswahl
Armenien · 13.04.2026 Armenien setzt auf Halbleiterstrategie

Fatal error: Uncaught Error: Call to a member function have_posts() on int in /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/wp-content/themes/ostwirtschaft-2026/single.php:143 Stack trace: #0 /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/wp-includes/template-loader.php(106): include() #1 /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/wp-blog-header.php(19): require_once('/var/www/vhosts...') #2 /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/index.php(17): require('/var/www/vhosts...') #3 {main} thrown in /var/www/vhosts/rirpbzzj.host285.checkdomain.de/ostwirtschaft.de/wp-content/themes/ostwirtschaft-2026/single.php on line 143