← Startseite
Home/ Mitteleuropa/ China überholt Deutschland: 15,9% Anteil am polnischen Import
China überholt Deutschland: 15,9% Anteil am polnischen Import
Mitteleuropa · 16.09.2026

China überholt Deutschland: 15,9% Anteil am polnischen Import

143,5 Mrd. Złoty betrug Polens Warenimport im Juli, 14,3% mehr als ein Jahr zuvor. In diesem Monat lieferte China erstmals mehr Güter nach Polen als Deutschland. Die polnische Nationalbank NBP veröffentlichte die Zahlen am Montag in ihrer Zahlungsbilanz.

„Im Juli 2026 war China erstmals der größte Warenlieferant Polens und überholte damit Deutschland“, schreibt die NBP. Die Bank nennt den Grund gleich mit: „Ein deutlicher Anstieg der Einfuhren von Computertechnik, Personenkraftwagen und langlebigen Konsumgütern hat die geografische Struktur des Imports verändert.“

Seit dem Ende des Kommunismus führte Deutschland diese Liste an. Davor dominierte die Sowjetunion Polens Außenhandel.

Autos und Computer treiben den Wechsel

Die Analysten von PKO Research rechnen vor, wie schnell sich die Gewichte verschieben. Polens Einfuhren aus China stiegen im Juli um 28,8% gegenüber dem Vorjahr. Die Lieferungen aus Deutschland sanken im selben Monat um 1,8%. Bei Kraftfahrzeugen fällt der Abstand noch deutlicher aus: Einfuhren aus Deutschland gingen um 9,3% zurück, jene aus China legten um 54,4% zu. Computer, Elektronik und optische Geräte aus China wuchsen um 31,5%, so stark wie zuletzt 2022.

PKO Research ordnet den Monatswert ein: Einmaleffekte hätten den Sprung mitverursacht, über zwölf Monate gerechnet bleibe Deutschland der größte Lieferant. Der Vorsprung schrumpft jedoch seit Jahren.

Deutschlands Anteil sinkt auf 18,6%

Die Jahreszahlen bestätigen den Trend. Das polnische Statistikamt GUS veröffentlichte am Dienstag die Handelsdaten für Januar bis Juli. Polen bezog in diesem Zeitraum Waren im Wert von 43,1 Mrd. Euro aus Deutschland. Das entspricht 18,6% des Gesamtimports, nach 19,4% im Vorjahreszeitraum. Chinas Lieferungen erreichten 36,7 Mrd. Euro und damit 15,9%, nach 14,9%. Die Vereinigten Staaten folgen mit 12,7 Mrd. Euro und 5,5%, nach 4,9%.

Gemessen in Złoty wuchsen die Einfuhren aus Deutschland um 2,0%, jene aus China um 13,2% und jene aus den USA um 20,1%. Der Anteil der EU am polnischen Import fiel auf 52,5%, nach 53,5% ein Jahr zuvor.

Im Export bleibt Deutschland unangefochten. Polen lieferte von Januar bis Juli Waren für 59,7 Mrd. Euro nach Deutschland, ein Anteil von 26,3%. Vor einem Jahr waren es 27,2%. Der polnische Gesamtexport stieg um 6,0% auf 961,0 Mrd. Złoty, der Import um 6,4% auf 979,6 Mrd. Złoty. Das Handelsdefizit lag bei 18,6 Mrd. Złoty oder 4,4 Mrd. Euro, nach 3,2 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.

Was das für deutsche Exporteure bedeutet: Der polnische Markt wächst, aber er wächst an deutschen Anbietern vorbei. Polens Import legte insgesamt um 6,4% zu, deutsche Lieferungen nur um 2,0%. Wer Maschinen, Fahrzeuge oder Elektronik nach Polen verkauft, verliert Anteile an chinesische Wettbewerber. Im Automobilbereich geht der Wechsel am schnellsten. Deutsche Anbieter sollten Preise und Lieferzeiten gegen die chinesische Konkurrenz prüfen, solange der Abstand noch hält.

Quellen: Narodowy Bank Polski, Zahlungsbilanz Juli 2026 (PL) · Główny Urząd Statystyczny, Außenhandel Januar–Juli 2026 (PL) · PKO Research (PL)

SK, Frankfurt

LinkedIn X
Mehr aus MitteleuropaKuratierte Auswahl
Mitteleuropa · 16.09.2026 Fahrzeugbau plus 18,0%: Ungarns Industrie wächst im Juli um 4,7%
Mitteleuropa · 16.09.2026 Butter 38,8% billiger: Tschechiens Inflation steigt trotzdem auf 1,9%
Mitteleuropa · 15.09.2026 Slowakische Lebensmittel kosten 2,5% weniger: Inflation fällt auf 3,1%