Polnische Kohlebergwerke stoßen laut einer neuen Analyse des Energie-Think-Tanks Ember so viel Methan aus wie kein anderes Land in der Europäischen Union. Der Bericht identifiziert Polen als größten „Superemittenten“ von Methan im EU-Energiesektor – trotz eines seit Anfang 2025 geltenden EU-Verbots des routinemäßigen Ablassens des Treibhausgases.
Ember stützt sich auf Satellitendaten, die Methanfahnen über mehreren polnischen Bergwerken dokumentieren. Demnach entfielen 2025 rund 96 Prozent der beobachteten Methanemissionen aus europäischer Onshore-Energieinfrastruktur auf Standorte in Polen. Besonders betroffen seien Untertage-Kokskohlebergwerke.
Methan wirkt über einen Zeitraum von 20 Jahren mehr als 80-mal so stark auf die Erderwärmung wie Kohlendioxid. Entsprechend gilt seine Reduktion als eine der wirksamsten kurzfristigen Maßnahmen im Klimaschutz.
Seit Januar 2025 ist das routinemäßige Ablassen von Methan aus Entwässerungssystemen in der EU verboten. Dennoch beobachtete Ember bei mehreren polnischen Bergwerken weiterhin Emissionen. Nach Angaben des Think-Tanks wurden Emissionen an fünf von 22 untersuchten Entwässerungssystemen festgestellt.
Lücke zwischen Regulierung und Umsetzung
Die EU-Methanverordnung gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Allerdings müssen die Länder eigene Sanktionsrahmen festlegen. Die Frist dafür lief im August 2025 ab. Während mehrere Staaten entsprechende Regelwerke vorgelegt haben, steht eine solche Umsetzung in Polen bislang noch aus.

Ember spricht von einer „Diskrepanz zwischen Politik und Praxis“. Ohne unabhängige Kontrollen und abschreckende Sanktionen drohten die vorgesehenen Emissionsminderungen zu verpuffen.
Besonders auffällig: Kokskohlebergwerke seien für den Großteil der beobachteten Emissionen verantwortlich, obwohl sie nur einen vergleichsweise geringen Anteil an der Gesamtproduktion ausmachen.
Ungenutztes Energiepotenzial
Der Bericht weist zudem auf ein erhebliches Energiepotenzial hin. Das aus Entwässerungssystemen freigesetzte Methan könnte – würde es aufgefangen – Millionen Haushalte zumindest kurzfristig mit Energie versorgen. Stattdessen entweichen große Mengen ungenutzt in die Atmosphäre.
Im Jahr 2024 nutzten polnische Bergwerke nach Angaben des Berichts rund 70 Prozent des aufgefangenen Methans. Der Rest wurde freigesetzt.
Polen verteidigt die zentrale Rolle der Kohle im Energiemix mit Verweis auf Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit – insbesondere nach den Verwerfungen infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine.
Die nun veröffentlichten Daten dürften jedoch die Debatte über die Klimastrategie des Landes verschärfen. Die EU hat sich verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 deutlich zu senken. Methan aus Kohlebergwerken gilt dabei als einer der schnellsten Hebel, um kurzfristige Erwärmung zu begrenzen.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

