Polens Wirtschaft dürfte auch 2026 zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Europäischen Union gehören. Laut der Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,5% wachsen. Damit würde Polen EU-weit den zweiten Platz hinter Malta belegen.
Wie die Kommission in ihrer am 21. Mai veröffentlichten Prognose feststellt, wird sich das Wirtschaftswachstum gegenüber den erwarteten 3,6% im Jahr 2025 leicht abschwächen. Haupttreiber bleibt zunächst der private Konsum.
Für 2026 wird erwartet, dass die starke Wachstumsdynamik aus dem Vorjahr die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten weitgehend ausgleicht. Gleichzeitig dürfte sich das Wachstum des öffentlichen und privaten Konsums verlangsamen, da höhere Energiepreise und ein geringeres Lohnwachstum die Entwicklung der real verfügbaren Einkommen der Haushalte belasten.
Deutlich stärker zum Wachstum beitragen dürften hingegen die Investitionen. Ausschlaggebend sind eine intensivere Nutzung von EU-Fördermitteln – insbesondere im letzten Jahr der Aufbau- und Resilienzfazilität – sowie ein wachsender Anteil in Polen produzierter Komponenten bei den steigenden Verteidigungsausgaben. Die Nettoexporte werden das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung der Kommission jedoch weiterhin belasten.
Für 2027 wird eine Abschwächung des BIP-Wachstums auf 2,8% erwartet. Der private Konsum bleibt zwar ein wichtiger Wachstumsmotor, dürfte aber weniger stark zum Wachstum beitragen als in den Vorjahren. Auch Investitionen und öffentliche Ausgaben werden voraussichtlich nachlassen, da die Zuflüsse von EU-Mitteln zurückgehen. Gleichzeitig dürfte sich der negative Einfluss der Nettoexporte durch steigende Ausfuhren verringern.
Arbeitsmarkt bleibt robust
Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte stabil bleiben. Die Arbeitslosenquote wird voraussichtlich bei rund 3% verharren. Der demografisch bedingte Rückgang des Arbeitskräfteangebots soll teilweise durch zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland kompensiert werden.
Das nominale Lohnwachstum je Beschäftigten wird sich laut Prognose von 8% im Jahr 2025 auf etwa 6% im Jahr 2027 verlangsamen.
Inflation und Staatsfinanzen
Die Inflation, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), dürfte von 3,3% im Jahr 2025 auf 3,6% im Jahr 2026 steigen. Hauptgrund sind höhere Energiepreise. Für 2027 erwartet die Kommission einen Rückgang auf 2,9%.
Das polnische Staatsdefizit stieg 2025 auf 7,3% des BIP. Ursachen sind vor allem höhere Ausgaben für Verteidigung, Gehälter im öffentlichen Dienst und Sozialleistungen. Bis 2026 soll das Defizit auf 6,5% und bis 2027 auf 6,3% des BIP sinken.
Gleichzeitig dürfte die Staatsverschuldung von 59,7% des BIP im Jahr 2025 auf 68,3% im Jahr 2027 ansteigen.
Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass eine mögliche Verlängerung staatlicher Maßnahmen zur Senkung der Kraftstoffpreise sowie politische Unsicherheiten bei geplanten Steuer- und Einnahmereformen Risiken für die Haushaltsprognosen darstellen.
Auf der anderen Seite könnten die geplante Einführung einer Sondersteuer für Energieerzeuger im Jahr 2026 sowie mögliche Steuererhöhungen ab 2027 die Staatseinnahmen stärker erhöhen als bislang erwartet.


