Polen hebt die Körperschaftsteuer auf 22%: Wer die Entlastung der Mittelschicht bezahlt
Polens Regierung will die Körperschaftsteuer für große Unternehmen von 19% auf 22% anheben. Betroffen sind Firmen und steuerliche Unternehmensgruppen mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz. Ministerpräsident Donald Tusk und Finanzminister Andrzej Domański stellten das Paket am 19. August in Warschau vor. Es soll 2027 greifen.
Die Anhebung finanziert eine Entlastung bei der Einkommensteuer. Rund 3,5 Mio. Beschäftigte mit Durchschnittsverdienst oder knapp darüber sollen weniger zahlen.
Neue Steuerstufe bei 24%
Bisher kennt Polen zwei Sätze: 12% bis 120.000 Złoty (ca. 27.800 Euro) Jahreseinkommen, 32% darüber. Künftig soll der Satz von 12% bis 130.000 Złoty (ca. 30.100 Euro) gelten. Zwischen 130.000 und 150.000 Złoty (ca. 34.700 Euro) kommt eine neue Stufe von 24%. Erst oberhalb von 150.000 Złoty greifen 32%.
Die Solidaritätsabgabe auf Einkommen über 1 Mio. Złoty (ca. 231.000 Euro) steigt von 4% auf 5%. Die maximale Entlastung liegt bei 3.600 Złoty (ca. 830 Euro) im Jahr.
Hintergrund ist die Lohnentwicklung. Im Juni 2026 verdienten Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als neun Mitarbeitern im Schnitt 9.401,58 Złoty brutto im Monat, meldet Główny Urząd Statystyczny (GUS), das polnische Statistikamt. Das entspricht fast 113.000 Złoty im Jahr, nahe der bisherigen Grenze zum Spitzensatz.
„Wir sprechen hier nicht über Millionäre, wir sprechen über eine wachsende Mittelschicht“, sagte Domański. Er bezeichnete das Paket als weitgehend haushaltsneutral.
Das Veto des Präsidenten steht im Weg
Polens Finanzlage engt den Spielraum ein. Das Staatsdefizit stieg 2025 auf 7,3% des BIP nach 6,4% im Jahr 2024, der zweithöchste Wert in der EU. Im Juni 2026 überschritt die Staatsverschuldung erstmals die EU-Grenze von 60% des BIP. Fitch und Moody’s senkten den Ausblick auf negativ.
Das Gesetz braucht Parlament und Präsident. Karol Nawrocki, dem rechten Lager zugerechnet, stoppte bereits mehrere Steuergesetze: im Dezember 2025 die höhere Abgabe auf Alkohol und Süßgetränke, im Juli 2026 die Übergewinnsteuer für Kraftstoffkonzerne. Die höhere Körperschaftsteuer für Banken ließ er im November 2025 passieren.
Für deutsche Unternehmen zählt vor allem die Umsatzschwelle. Polen war im ersten Halbjahr 2025 mit 49,4 Mrd. Euro der viertgrößte Abnehmer deutscher Waren, ein Plus von 5,6% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, meldet der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft auf Basis von Destatis-Zahlen. Deutsche Töchter mit mehr als 50 Mio. Euro Umsatz in Polen müssten ab 2027 drei Prozentpunkte mehr Körperschaftsteuer einplanen. Wer jetzt Budgets für 2027 aufstellt, rechnet besser beide Varianten: mit Veto und ohne.
Quellen: Notes from Poland (EN), Kancelaria Prezesa Rady Ministrów (PL), Główny Urząd Statystyczny (PL), Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (DE)
SK, Frankfurt