Polens Verbraucherpreise lagen im September um 4,0% über dem Vorjahresmonat. Im August betrug die Rate 3,4%. Das meldet das Statistikamt GUS in seiner vorläufigen Schätzung. Zum Vormonat stiegen die Preise um 0,7%. Analysten hatten im Schnitt 4,1% erwartet.
Kraftstoff treibt die Teuerung
Kraftstoffe für Privatfahrzeuge kosteten 36,1% mehr als vor einem Jahr. Im Monatsvergleich sind es 9,2%. Nach Berechnung des Portals Notes from Poland erklärt der Sprit rund die Hälfte des Anstiegs.
Energieträger wie Strom und Gas verteuerten sich um 4,9%. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke wurden dagegen um 0,5% billiger. Der Druck kommt also aus einer Warengruppe, nicht aus der Breite.
Die Analysten der Erste Bank warnen vor der Ernte. Sie fällt bei Getreide 5% niedriger aus. Das werde den Preisindex „in den kommenden Monaten nach oben treiben“, schreiben sie.
Notenbank wartet, Industrie wächst
Die Notenbank NBP beließ den Referenzzins am 7. Oktober bei 3,75%. Ihr Ziel liegt bei 2,5%, mit einer Toleranz von 1 Prozentpunkt nach oben und unten. Die Inflation liegt damit über der Obergrenze von 3,5%.
NBP-Präsident Adam Glapiński erwartet im November keine Zinserhöhung. Ausschließen wollte er sie nicht, falls neue Daten und die aktualisierte Projektion sie rechtfertigen. Belege dafür, dass die Kraftstoffkosten auf andere Preise durchschlagen, sieht er bisher nicht. Befristete Steuersenkungen auf Kraftstoff können die Oktoberzahl drücken. Ihr Auslaufen könnte 2027 neuen Druck erzeugen.
Vor der Sitzung schrieben die Ökonomen der ING: „Der Zinsrat RPP könnte abwarten und die Zinsen im Oktober unverändert lassen.“ Die Bank rechnet mit der ersten Erhöhung Anfang 2027, nach neun Senkungen zwischen September 2023 und März 2026.
Die Industrie stützt die Konjunktur. GUS meldete für August ein Plus der Produktion von 4,3%, nach 0,7% im August 2025. Elektrotechnik legte um 18,7% zu, Maschinenbau um 12,8%. Die Produktion von Kraftfahrzeugen sank um 1,5%.
Auch im Jahresverlauf wächst die Produktion: Von Januar bis August stieg sie um 3,5%, nach 2,0% im Vorjahreszeitraum. Die Hersteller langlebiger Konsumgüter verloren dagegen 7,0%. Die Analysten der Bank mBank erwarten im vierten Quartal eine bessere Industrie, getragen von Investitionsgütern und Rüstungsaufträgen.
Für deutsche Exporteure bleibt Polen ein Markt mit wachsender Industrie. Das dürfte die Nachfrage nach Vorprodukten und Anlagen stützen. Die Preise steigen aber, und die Zinsen könnten 2027 anziehen. Wer in Polen Kredite aufnimmt oder in Złoty fakturiert, sollte Kosten und Kreditlinien jetzt prüfen.
Quellen: GUS (PL/EN), NBP (PL/EN), Notes from Poland (EN), ING (EN), Erste Group (EN)
SK, Frankfurt


