Polens Inflation liegt im September bei 4,0%, nach 3,4% im August. Das meldet das Statistikamt GUS in seiner Schnellschätzung vom 30. September. Gegenüber August stiegen die Preise um 0,7%. Es ist der höchste Wert seit Juni 2025. Er liegt über dem Zielband der Notenbank NBP von 2,5% plus oder minus 1 Prozentpunkt.
Kraftstoffe treiben den Preisanstieg
Den Ausschlag geben die Kraftstoffe. Laut GUS kosten sie 36,1% mehr als vor einem Jahr, allein gegenüber August stiegen sie um 9,2%. Strom, Gas und andere Brennstoffe verteuerten sich um 4,9%. Lebensmittel sind dagegen 0,5% billiger als vor einem Jahr, im Monatsvergleich legten sie um 0,1% zu.
Die Analysten der Bank Pekao rechnen vor, was das bedeutet. Seit Februar sind Kraftstoffe um mehr als 35% teurer geworden. Das erklärt fast 2 Prozentpunkte der gesamten Inflation. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel liegt laut Pekao bei etwa 3,2%.
Die Regierung versucht gegenzusteuern. Ihr Paket „Ceny Paliwa Niżej“ soll die Benzinpreise ab dem 3. Oktober senken. Die Wirkung zeigt sich frühestens in den Daten für Oktober.
Notenbank hält den Zins bei 3,75%
Der Rat für Geldpolitik RPP ließ den Referenzzins am 7. Oktober unverändert. Es ist die vierte Entscheidung in Folge ohne Änderung. Die letzte Senkung um 0,25 Prozentpunkte datiert vom 5. März. Bei 4,0% Inflation ist der Realzins damit negativ.
Im Kommuniqué legt sich der Rat nicht fest: „Dalsze decyzje Rady będą zależne od napływających informacji dotyczących perspektyw inflacji.“ Weitere Entscheidungen hängen also von neuen Daten zu den Inflationsaussichten ab. NBP-Präsident Adam Glapiński erläutert die Linie am Donnerstag um 15 Uhr auf einer Pressekonferenz.
Die Prognosen gehen auseinander. Pekao erwartet 4,5% zum Jahresende und einen Durchschnitt von 3,3% für 2026. Eine Rückkehr in die Nähe des Ziels sieht die Bank nicht vor dem dritten Quartal 2027. ING schreibt: „Spodziewamy się prewencyjnych podwyżek stóp na początku 2027 roku.“ Die Bank rechnet also mit Zinserhöhungen um 25 bis 50 Basispunkte. PKO Research hält Erhöhungen für unnötig, weil die Schocks vorübergehend seien. Der Konsens der Ökonomen sieht bis Ende 2026 keine Anhebung.
Für deutsche Exporteure und Investoren heißt das: Die Zinsen in Polen bleiben vorerst stabil, die Kosten steigen trotzdem. Exporteure sollten Preisgleitklauseln in Lieferverträgen prüfen, weil polnische Kunden höhere Energie- und Transportkosten tragen. Pekao rechnet zudem mit Strom- und Gastarifen für Haushalte, die ab Anfang 2027 um bis zu 10% steigen. Investoren mit variabel verzinsten Złoty-Krediten sollten Zinserhöhungen ab 2027 einplanen und Finanzierungen früh absichern.
Quellen: GUS (PL), NBP/RPP-Kommuniqué (PL), Pekao Analizy (EN), ING Bank Śląski (PL), Notes from Poland (EN)
SK, Frankfurt


