Die slowakische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 0,8% zum Vorjahr. Das meldet das Statistikamt Štatistický úrad SR am 4. September. Gegenüber dem ersten Quartal legte sie um 0,2% zu. Die Nachrichtenagentur TASR schreibt: „Die Wachstumsrate liegt seit sechs Quartalen in Folge unter 1%.“
Konsum und Staat stützen, Investitionen schwächeln
Die Haushalte gaben 0,6% mehr aus, nach 1,1% im ersten Quartal. Der Staatskonsum stieg um 1,7%, nach minus 0,4% im ersten Quartal. Die Bruttoanlageinvestitionen fielen um 0,3%. Die Exporte wuchsen um 3,0%, die Importe um 3,7%. Der Außenhandel schloss mit einem Überschuss von über 0,5 Mrd. Euro, dem höchsten Wert seit dem ersten Quartal 2024.
Der Handel, Verkehr und die Gastronomie wuchsen um 2,3%. Sie stehen für 21,8% der Bruttowertschöpfung. Die Industrie kam auf 0,3%. Die Wirtschaftsleistung lag in laufenden Preisen bei knapp 36 Mrd. Euro.
Der Arbeitsmarkt kühlt ab. Die Erste Group nennt für das zweite Quartal eine Arbeitslosenquote von 5,6%, 0,3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die Beschäftigung insgesamt sank um 0,5%, in der Industrie um 4,5%. Der Durchschnittslohn stieg um 3,2% auf 1.707 Euro. Die Reallöhne fielen um 0,5%, zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren.
Die Verbraucherpreise stiegen im August um 3,1%, nach 3,3% im Juli. Die Kerninflation sank auf 1,5%, den niedrigsten Wert seit Februar 2021.
Industrie: Autos tragen, Elektronik bricht ein
Die Industrieproduktion wuchs im Juli um 2,4% zum Vorjahr. Zehn von 15 Industriezweigen produzierten mehr. Die Kfz-Produktion legte um 9,2% zu, auch weil Werksferien im Kalender verrutschten. Der Maschinenbau wuchs um 11,9%. Die Produktion von Computern und Elektronik fiel um 41%, die Mineralölverarbeitung um 17,8%. Saisonbereinigt sank die Produktion gegenüber Juni um 0,7%.
Die Autoindustrie bleibt der Kern. Der Herstellerverband ZAP meldete für 2025 rund 1,07 Mio. gebaute Fahrzeuge, 7,7% mehr als 2024. ZAP-Präsident Alexander Matusek stellte im November 2025 eine Bedingung: „Um die Umstellung der Produktion auf Elektromobilität zu halten, muss der Staat Rahmenbedingungen schaffen.“
Die Erste Group erwartet für 2026 ein Wachstum von 1,0% und für 2027 von 1,7%. Sie sieht Abwärtsrisiken.
Für deutsche Exporteure und Investoren heißt das: Die Slowakei wächst langsam, und die Industrie gibt Stellen ab. Zulieferer der Autowerke finden stabile Abnahme, aber keinen Schub. Der Verbrauchermarkt gewinnt kaum Kaufkraft, weil die Reallöhne sinken.
Quellen: Štatistický úrad SR (SK/EN), TASR (EN), Erste Group Research (EN), Herstellerverband ZAP (EN)
SK, Frankfurt


