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Polens Einzelhandel wächst langsamer
Mitteleuropa · 24.06.2026

Polens Einzelhandel wächst langsamer

Kraftstoffe, Möbel und Kosmetik stützen Polens Einzelhandel. Dennoch bleibt die Konsumdynamik hinter den Prognosen der Analysten zurück.

Die polnischen Einzelhandelsumsätze sind im Mai real um 3,0% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Damit beschleunigte sich das Wachstum zwar gegenüber dem April (+1,3%), blieb jedoch hinter den Markterwartungen von 3,7% zurück. Dies geht aus den am 22. Juni veröffentlichten Daten des polnischen Statistikamts GUS hervor.

Analysten führen die Entwicklung auf eine Kombination aus nachlassendem Einkommenswachstum, anhaltend hohen Zinsen und den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts im Nahen Osten zurück.

„Nach einem schwächeren April, in dem sich ein Teil der Osterausgaben aufgrund des frühen Feiertagstermins auf Ende März verlagert hatte, brachte der Mai eine gewisse Erholung“, erklärte ING in einer Analyse.

Gleichzeitig verwies die Bank darauf, dass das Konsumwachstum im Vergleich zu Beginn des Jahres 2026 deutlich an Dynamik verloren habe. Höhere Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen sowie das langsamere Wachstum der Realeinkommen belasteten die Konsumnachfrage.

Konsum bleibt robust, verliert aber an Dynamik

Auch die Bank Pekao sieht die Aussichten für den privaten Konsum zunehmend differenziert.

„Die Verbraucher befinden sich weiterhin in einer relativ guten finanziellen Lage. In einem Umfeld anhaltend hoher Zinssätze wird es jedoch schwierig, die Auswirkungen des nachlassenden Realeinkommenswachstums vollständig auszugleichen“, so die Analysten.

Die gleichzeitig veröffentlichten Lohndaten deuteten darauf hin, dass das Einkommenswachstum im Jahr 2026 deutlich schwächer ausfallen werde als im Vorjahr. Dadurch dürfte der private Konsum einen geringeren Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten, während Investitionen zunehmend die Rolle des wichtigsten Wachstumstreibers übernehmen.

Kraftstoffe, Möbel und Kosmetik stützen die Umsätze

Von den acht Hauptsegmenten des Einzelhandels verzeichneten im Mai sechs ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr.

Besonders stark entwickelte sich der Kraftstoffabsatz, der um 9,9% zulegte. Allerdings fiel das Wachstum deutlich schwächer aus als im April, als die Verkäufe noch um 25,6% gestiegen waren.

Die Umsätze mit Möbeln, Haushaltsgeräten sowie Audio- und Videotechnik erhöhten sich um 4,5%, nachdem sie im April lediglich um 1,0% gewachsen waren.

Auch Arzneimittel und Kosmetika verzeichneten mit einem Plus von 9,3% eine starke Entwicklung. Die Verkäufe von Fahrzeugen und Autoteilen stiegen um 2,1% nach einem Wachstum von 0,8% im April.

Nach einem deutlichen Rückgang im Vormonat erholte sich zudem der Absatz von Textilien, Bekleidung und Schuhen, der um 3,8% zulegte.

Dagegen gingen die Umsätze mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren um 2,8% zurück. Auch das Segment Presse und Bücher blieb mit einem Minus von 0,6% im negativen Bereich.

Das breit gefasste Segment „Sonstige Waren“ legte dagegen kräftig um 10,8% zu.

Rückgang im Monatsvergleich

Im Vergleich zum Vormonat sanken die Einzelhandelsumsätze zu konstanten Preisen um 1,7%, nachdem bereits im April ein Rückgang von 0,8% verzeichnet worden war.

Zu laufenden Preisen stiegen die Umsätze im Jahresvergleich um 4,4%, gegenüber 2,8% im April. Im Monatsvergleich ergab sich jedoch ein Rückgang von 2,0%.

Die saisonbereinigten Daten zeigen ein Wachstum von 3,7% gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Vormonat legten die bereinigten Umsätze um 0,4% zu, nachdem sie im April um 2,8% gesunken waren.

Keine Auswirkungen auf die Zinserwartungen

Die aktuellen Daten ändern nach Einschätzung von Ökonomen wenig an den Erwartungen für die Geldpolitik der polnischen Nationalbank (NBP).

Der Energieschock infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten begrenzt den Spielraum für weitere Zinssenkungen. Die NBP hatte ihren Referenzzins im vergangenen Jahr nach mehreren Lockerungsschritten auf 3,75% gesenkt.

„Die aktuellen Daten verändern weder unsere Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung noch unsere Erwartungen hinsichtlich des Zinsausblicks“, erklärte die Bank Millennium. „Unter den derzeitigen Bedingungen dürften die Zinssätze vorerst stabil bleiben.“

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