Die polnische Zentralbank will ihre Goldreserven auf 700 Tonnen ausbauen. Das bestätigte der Präsident der Nationalbank von Polen (NBP), Adam Glapiński, am 20. Januar. Mit diesem Schritt würde Polen in die Gruppe der zehn Länder mit den weltweit größten Goldbeständen aufrücken.

„Die Nationalbank von Polen hat beschlossen, die Goldreserven weiter auf 700 Tonnen zu erhöhen“, erklärte Glapiński. Damit präzisierte er frühere Aussagen, wonach die Zentralbank plane, ihre Bestände von derzeit rund 550 Tonnen auszuweiten. Eine formelle Zustimmung des Verwaltungsrats soll eingeholt werden.

Der Wert der polnischen Goldreserven wurde Ende 2025 auf etwa 76,5 Milliarden US-Dollar (65,3 Milliarden Euro) geschätzt. Der geplante Ausbau erfolgt vor dem Hintergrund stark gestiegener Goldpreise. Seit Jahresbeginn hat sich der Goldpreis im Vorjahresvergleich um nahezu 77 Prozent erhöht; allein am 21. Januar legte er um 2,3 Prozent zu.

Glapiński hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass der Anteil von Gold an den gesamten Währungsreserven der NBP inzwischen nahe an das langfristige Ziel von rund 30 Prozent herangereicht sei. Diese Entwicklung habe eine Neubewertung des angestrebten absoluten Bestandsvolumens erforderlich gemacht.

Einen konkreten Zeitplan für das Erreichen der 700-Tonnen-Marke nannte die Zentralbank bislang nicht.

Polen begann 2018 mit einer grundlegenden Neuausrichtung seiner Währungsreserven. Erstmals seit Jahrzehnten nahm die Notenbank wieder regelmäßige Goldkäufe auf. Zuvor hatten die Bestände über lange Zeit bei lediglich 102 Tonnen gelegen und rund drei bis fünf Prozent der Reserven ausgemacht.

Mit dieser Strategie folgte Polen einem breiteren Trend unter Schwellen- und aufstrebenden Volkswirtschaften. Seit der globalen Finanzkrise haben zahlreiche Zentralbanken – darunter jene von China, Indien, der Türkei, Russland und Kasachstan – ihre Goldreserven deutlich ausgeweitet.

Innerhalb der Europäischen Union gehörte Polen, gemeinsam mit Ungarn, zu den ersten Ländern, die diesen Kurswechsel vollzogen. Damit endete eine lange Phase, in der westliche Zentralbanken weitgehend auf eine systematische Erhöhung ihrer Goldbestände verzichtet hatten.


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