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Rubelprognosen: Kurzfristige Aufwertung, langfristige Abwertung
Russland · 22.04.2026

Rubelprognosen: Kurzfristige Aufwertung, langfristige Abwertung

Der Rubel schwankt stark: Hohe Ölpreise stützen die russische Währung kurzfristig, doch im zweiten Halbjahr wächst der Abwertungsdruck.

Der russische Devisenmarkt hat im ersten Quartal 2026 eine der volatilsten Phasen seit 2022 durchlebt. Trotz gestiegener Preise für russisches Öl wertete der Rubel im März auf 86,9 Rubel pro US-Dollar und rund 100 Rubel pro Euro ab. Erst seit Anfang April gibt es eine Gegenbewegung und der Rubel wertet auf: 76 Rubel pro US-Dollar und knapp 90 Rubel pro Euro. In den kommenden ein bis zwei Monaten dürfte der Rubelkurs weiter im Wert steigen, da die Haushaltseinnahmen erst mit einer Verzögerung den Ölpreis reflektieren. Michail Wassiljew, Chefanalyst der Sowkombank, beziffert den Durchlauf zwischen Ölpreis und Deviseneinnahme auf rund anderthalb Monate.

Urals auf 13-Jahres-Hoch: Rubel mit Verzögerung

Zwei Faktoren treiben die Aufwertung. Der Preis der russischen Ölsorte Urals stieg im April auf bis zu 116,05 US-Dollar je Barrel – fast das Doppelte des im Haushalt geplanten Preises von 59 US-Dollar und ein 13-Jahres-Hoch. Parallel hat das Finanzministerium seine Devisenoperationen nach der Haushaltsregel bis zum 1. Juli 2026 ausgesetzt, um geplante Anpassungen vorzubereiten. Der Effekt: Überschüssige Öl- und Gaseinnahmen werden nicht mehr im Nationalen Wohlfahrtsfonds gespeichert, sondern verbleiben im russischen Kreislauf.

Vom März-Tief zum April-Hoch

Zentralbankchefin Elvira Nabiullina begründete die März-Schwäche des Rubels auch mit dem Zeitunterschied zwischen Ölpreis und Deviseneinnahme: „Wir sehen im März die Folgen des relativ niedrigen Ölpreises im Januar. Die Volatilität der russischen Währung ist auf eine Kombination aus dem niedrigen Ölpreis im Januar und Februar sowie der Aussetzung der Haushaltsregel zurückzuführen, im Rahmen derer das Finanzministerium Devisen gekauft oder verkauft hat.“

Alexander Golowzow, Leiter der Analyseabteilung bei der russischen Promswjazbank, beziffert das zusätzliche Devisenangebot: „Ohne Interventionen des Finanzministeriums kann eine Angebotserhöhung um 5 bis 10 Mrd. US-Dollar im Monat den Rubelkurs stark stützen. Eine kurzzeitige Aufwertung auf 70 Rubel je Dollar ist nicht ausgeschlossen.“ Natalja Waschtschelijuk, Senior-Analystin bei Perwaja, einer der größten russischen Asset-Management-Gesellschaften, rechnet für den Euro in den kommenden Wochen mit einem Korridor von 82,5 bis 88,5 Rubel pro Euro.

Die russische Zentralbank senkte am 20. März den Leitzins um 50 Basispunkte auf 15%; der Konsens der von der Tageszeitung Izvestia befragten Analysten erwartet für die nächste Sitzung am 24. April eine weitere Senkung auf 14,5%.

Abwertung im zweiten Halbjahr

Das Haushaltsdefizit hat nach dem ersten Quartal mit 4,576 Bio. Rubel (41 Mrd. Euro) den gesetzlich fixierten Jahresplan von 3,786 Bio. Rubel (33 Mrd. Euro) bereits um 21% überschritten. Sofia Donez, Chefvolkswirtin von T-Investments, hält einen Dollarkurs von 94,5 RUB zum Jahresende für wahrscheinlich: „Eine Abwertung des Rubels im Jahr 2026 ist wahrscheinlich und wirtschaftlich gerechtfertigt“, sagt sie.

Natalia Orlowa, Chefvolkswirtin der Alfa-Bank erklärt: „Insgesamt gehe ich davon aus, dass sich der Rubel im Bereich von 80 bis 85 Rubel pro Dollar bis Jahresende stabilisiert.“

Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow warnte auf dem Börsen-Forum Mitte April, der Rubel werde „über mehrere Jahre hinweg stärker bleiben, als es vielen lieb ist“. Oleg Wjugin, ehemaliger Vizechef der Zentralbank, benannte die Spannung zwischen den Ministerien offen: „Es gibt eine – allerdings eher verschwörungstheoretische – Variante, wonach die Regierung im Grunde darauf setzt, den Rubel zu schwächen. Dann würden sich die Haushaltseinnahmen über die Rubel-Abwertung auffüllen lassen.“

Elena Koschuchowa von der Investmentgesellschaft Weles Kapital nennt zwei mögliche Auslöser für eine kommende Rubelschwäche: eine substanzielle Ölpreis-Korrektur oder einen klar lockeren Ton der Zentralbank. Letzteres werde wahrscheinlicher, wenn sich die Lage im Nahen Osten zur Zentralbanksitzung am 19. Juni stabilisiere, so die Expertin im Gespräch mit der Finanzzeitschrift RBC.

Daria Tarasenko, Senior-Analystin im Zentrum für Wirtschaftsprognose der Gazprombank, fasste den zeitlichen Verlauf zusammen: „Der Rückgang der Exportpreise wird sich 2026 auf den Devisenmarkt auswirken. In der ersten Jahreshälfte 2026 kann dieser Effekt durch den hohen Realzins und die Devisenverkäufe der Regulatoren kompensiert werden, während im zweiten Halbjahr deren Beitrag zur Kursdynamik zunehmen wird.“ Michail Selzer, Analyst des Börsenhändlers BKS Mir Inwestizij, erwartet einen Kurs „nahe 100 Rubel je Euro“ zu Jahresende 2026. 

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