Das internationale Marktforschungshaus Mordor Intelligence beziffert das Volumen des russischen Luxusmarkts für 2025 auf 2,2 Mrd. Euro. Artur Gafarow, Analyst am russischen Institut für Unternehmertumsentwicklung, kommt auf 1,8 Mrd. Euro und damit auf weniger als die Hälfte des Niveaus von 2021 (3,5 Mrd. Euro). Der Luxusmarkt umfasst Bekleidung und Accessoires, Leder- und Schuhwaren, Schmuck, Uhren, Brillen sowie Premium-Kosmetik.
Moskauer Luxuskaufhaus trotzt dem Trend
Das Moskauer Zentrale Universalkaufhaus (ZUM) steigerte demgegenüber 2025 erstmals seit vier Jahren wieder seinen Umsatz, auf 3,9 Mrd. Rubel, umgerechnet 45 Mio. Euro. Das entspricht einem Plus von 22,1% gegenüber 2024. Der Nettogewinn wuchs um 68,3% auf 2,1 Mrd. Rubel, 24 Mio. Euro. Michail Burmistrow, Geschäftsführer des Moskauer Retail-Research-Hauses INFOLine-Analitika, nennt mehrere Gründe für den ZUM-Aufschwung: ein breites Sortiment, wirksame Marketingkommunikation und einen aggressiv ausgebauten Onlinehandel, mit dem sich das Haus deutlich von Wettbewerbern abhebe.
Anna Lebsak-Kleimans, Geschäftsführerin der Moskauer Fashion Consulting Group, erklärt, dass das Luxussegment wächst und nun 17% des Modemarktes betrifft gegenüber 12% im Jahr 2022.
Die Beratungsgesellschaft Bain und der italienische Luxusverband Altagamma, die den globalen Referenzbericht zum Luxusmarkt erstellen, führen Russland seit 2022 nicht mehr separat. Zum Vergleich: Der deutsche Luxusmarkt lag laut Statista bei rund 16 Mrd. Euro, also sechs- bis achtmal größer als der russische. Für 2026 erwartet Bain beim globalen Personal-Luxury-Markt ein Plus von 3 bis 5%, getragen vor allem von den USA und einer stabilen europäischen Nachfrage.
Parallelimport mit 30% Aufschlag
Die meisten westlichen Luxusmarken haben Russland offiziell verlassen. So zum Beispiel „Louis Vuitton“, das zuletzt nur noch 235.000 Rubel, 2700 Euro, umsetzte, nach 17,3 Mrd. Rubel, rund 173 Mio. Euro, im Jahr 2021. Chanel schloss die Liquidation seiner russischen Tochter 2024 ab.
Dennoch gelangen viele Luxusprodukte über Parallelimporte nach Russland, allerdings zu höheren Preisen, die in Moskau „im Durchschnitt 30% höher als in Singapur und London“ liegen, wie die Markt-Analytikerin Anna Lebsak-Kleimans erklärt.
Wer die Leerflächen im neben dem ZUM zweiten bekannten Luxuskaufhaus übernahm, im GUM am Roten Platz, zeigt die Transformation nach dem Rückzug der Westmarken: Die chinesische Technologiefirma Huawei zog anstelle von Tiffany ein, die russische Modemarke 12 Storeez übernahm die Hermès-Fläche, das Bekleidungsgeschäft Lime die Louis-Vuitton-Fläche. Das GUM stagniert. Der Handelskomplex setzte 2025 6,1 Mrd. Rubel um, 70 Mio. Euro, 1,1% mehr als 2024, der Nettogewinn fiel auf 387 Mio. Rubel, 4,4 Mio. Euro, und damit auf das niedrigste Niveau der vergangenen Jahre.
36 Markenanträge, null Eröffnungen
Russische Medien kommentieren Neuanmeldungen beim Patentamt Rospatent gerne als Rückkehr. Die Realität ist zumeist anders. Chanel reichte seit 2022 insgesamt 36 Markenanträge ein, allein zwei im Januar 2026, wie die Moskauer Wirtschaftszeitung Wedomosti berichtet. Prada sicherte sich im Februar 2026 die Marke für Kosmetik bis 2035. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte am 13. Februar 2026, westliche Marken würden „auf jeden Fall nach Russland zurückkehren“. Natalja Kermedtschijewa, Vizepräsidentin des russischen Verbandes der Einkaufszentren, erwartet jedoch echte Rückkehrschritte „nicht vor 2029“.
Eine einzige konkrete Luxusbrand-Rückkehr-Ankündigung gibt es. Sie stammt von der französischen Luxusmarke Dior: Die Flagship-Boutiquen in der Stoleschnikow-Straße und im GUM sollen zum 1. Januar 2028 wieder öffnen. Währenddessen globalisieren sich die Eigentümer russischer Luxusmarken.
Dieser Beitrag erschien zuerst im exklusiven Newsletter der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer
