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Russlands Wirtschaft wächst weiter um 1 Prozent – bekräftigt der IWF
Russland · 13.07.2026

Russlands Wirtschaft wächst weiter um 1 Prozent – bekräftigt der IWF

Zur Begründung für das stabile Wachstum verweist der IWF darauf, dass Russland als Rohstoff- und Energieexporteur von den gestiegenen Weltmarktpreisen begünstigt wird.


Autor: Klaus Dormann


Die Schlagzeilen zur russischen Wirtschaft vermittlen selten Zuversicht. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft sieht die russische Wirtschaft in seiner „Sommerprognose“ fast völlig stagnieren (2026: +0,2%). Das Münchner ifo Institut erwartet in diesem Jahr sogar eine Rezession in Russland (- 0,7%). Und auch die russische Regierung selbst hat bereits Mitte Mai ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2026 von 1,3% auf nur noch 0,4% zurückgenommen.

Trotzdem ist der Internationale Währungsfonds jetzt bei seiner Prognose geblieben, dass die russische Wirtschaft wie im Jahr 2025 auch in den Jahren 2026 und 2027 um jeweils rund ein Prozent weiter wachsen dürfte. Er geht offenbar vor allem davon aus, dass der Anstieg der Energiepreise Russland neue Einnahmen verschafft und so das Wachstum der russischen Wirtschaft stützen wird. Die Mehrzahl der Prognosen rückt derzeit aber in den Vordergrund, dass die Zerstörung vieler Raffinerien in Russland durch die Ukraine zu erheblichen Produktionsausfällen und weniger Wachstum führen wird.

IWF: 2026 und 2027 wird jeweils ein BIP-Anstieg von 1,1 Prozent erreicht

Im überhitzten „Rüstungsboom“ der Jahre 2023 und 2024 hatte sich das Wachstum der russischen Wirtschaft noch auf 4,1 und 4,9% beschleunigt, bevor es im Jahr 2025 auf nur noch 1,0% abkühlte. Der IWF geht in der Aktualisierung seines „Weltwirtschaftsausblicks“ jetzt davon aus, dass der Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts Russlands auch in den Jahren 2026 und 2027 ähnlich moderat bleibt. Wie bereits in seiner „Frühjahrsprognose“ im April erwartet der IWF für beide Jahre ein Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion um jeweils 1,1%.

Die weltweit gestiegenen Energiepreise stützen das Wachstum in Russland

Zur Begründung für das stabile Wachstum verweist der IWF darauf, dass Russland als Rohstoff- und Energieexporteur von den gestiegenen Weltmarktpreisen begünstigt wird. Er führt an, dass gestiegene Ausfuhrerlöse, die zum Teil eine Folge von höheren Rohstoffpreisen seien, der russischen Wirtschaft Entlastung verschaffen und das Wachstum bei 1,1% halten („Stronger export revenues, in part because of higher commodity prices, provide partial relief to the economy in Russia, maintaining a growth rate of 1.1 percent.“).

Der Preis von russischem Urals-Öl (Trading Economics Chart) ist seit April allerdings so stark gesunken, dass er im Juni zeitweilig bereits wieder niedriger war als vor dem Beginn des Iran-Krieges Ende Februar (rote Linie in der folgenden Abbildung, rechte Skala). Am 9. Juli war der Urals-Preis mit 56 US-Dollar/Barrel um rund 26% niedriger als der Brent-Preis mit 76 US-Dollar/Barrel (diesen „Preisabschlag“ zeigt die blaue Fläche, linke Skala).

Preise von Urals- und Brent-Öl in US-Dollar/Barrel (rechte Skala)
Differenz zwischen dem Brent-Preis und dem Urals-Preis in Prozent (linke Skala)

VEB-Institut: Weltwirtschafts- und Marktausblick, 10.07.26

Der Urals-Preis war laut der obigen Abbildung der Forschungsinstituts der staatlichen Entwicklungsgesellschaft VEB am 09. Juli knapp ein Viertel niedriger als der Brent-Preis.

IWF: Der Ölpreis steigt 2026 um fast ein Drittel, sinkt 2027 aber um rund 12 Prozent

In seinem Weltwirtschaftsausblick prognostiziert der IWF für die Entwicklung des Ölpreises den Durchschnitt der Preise der drei Sorten Brent, WTI und Dubai (Table 1. Overview of the World Economic Outlook Projections, Page  12).

2026 wird dieser Ölpreis laut dem IWF im Jahresdurchschnitt um 31,8% auf 89,27 US-Dollar pro Barrel steigen. Im April hatte der IWF noch einen weniger starken Anstieg um 21,4% auf 82,22 US-Dollar pro Barrel erwartet.

2027 erwartet der IWF aber einen Preisrückgang auf 78,7 US-Dollar pro Barrel. Er wird laut der aktualisierten Prognose mit 11,8% stärker sein als bisher erwartet (– 7,6%)

Interfax berichtet zu den Ölpreisprognosen außerdem: Der IWF-Bericht, der vor der jüngsten erneuten Eskalation im Iran-Konflikt erstellt wurde, geht bei diesen Prognosen davon aus, dass die Öffnung der Straße von Hormus Mitte Juli beginnt. Der IWF erwartet, dass sich die Lage bis März 2027 wieder auf den Vorkriegszustand normalisiert.

Bei der weltweiten Ölversorgung kann durch eine weitere Verringerung der Lagerbestände laut dem IWF eine gravierende Verknappung vermieden werden. Der IWF nimmt jedoch an, dass es in einigen Schwellen- und Transformationsländern, die nicht über ausreichende Lagerbestände verfügen und im Wettbewerb mit reicheren Ländern um verfügbare Lieferungen stehen, zu Engpässen kommen wird.

Der IWF hob seine Russland-Prognose seit Jahresanfang gegen den Trend an

Seit Januar hat der IWF seine Wachstumsprognose für Russlands diesjähriges Wirtschaftswachstum von 0,8% auf 1,1% angehoben. Gleichzeitig hat hingegen das „Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche“ seine Russland-Prognose von 1,2 auf 0,6% halbiert (siehe folgende Tabelle).

Ähnlich stark wie die wiiw-Prognose sind die durchschnittlichen Wachstumserwartungen bei Analysten-Umfragen gesunken. In einer am 10. Juli veröffentlichten Interfax-Umfrage wurde im Durchschnitt für 2026 nur noch ein Wachstum von 0,7 % erwartet. Im Februar hatte der „Konsens“ zum Wachstum der russischen Wirtschaft bei der Interfax-Umfrage hingegen noch +1,2% erreicht. Teilnehmer der jüngsten Umfrage waren: Die VTB-Bank, die Entwicklungsgesellschaft VEB, die Gazprombank, die ING Bank, das Institut für Wirtschaftspolitik, die Promsvyazbank, Renaissance Capital, SberCIB und Uralsib. Die niedrigste Wachstumsprognose aus dem Kreis der Teilnehmer betrug + 0,3%. Eine Rezession erwartet also bisher keiner von ihnen.

Auch bei einer Reuters-Umfrage wurde Ende Juni im Durchschnitt in diesem Jahr für Russland nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,6% prognostiziert. Im Januar hatten die Teilnehmer noch einen fast doppelt so starken Anstieg erwartet (1,1%).

Der IWF folgte der Senkung der Wachstumsprognosen in den Analysten-Umfragen aber nicht. Geteilt wird die IWF-Wachstumsprognose von rund einem Prozent u.a. vom DIW Berlin, dem IWH Halle, der Eurasischen Entwicklungsbank, dem Wiener OPEC-Sekretariat und der Bank Goldman Sachs. Insgesamt klaffen die Wachstumsprognosen für 2026 derzeit nicht sehr weit auseinander. Fast alle liegen zwischen 0,4 und 1,3%.

BIP-Prognosen für Russland 2024 bis 2027
Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent

Die russische Zentralbank wird zur nächsten Leitzinsentscheidung am 24. Juli ihre Prognosen aktualisieren. Bisher liegt die Wachstumsprognose des IWF von 1,1% im Jahr 2026 fast genau in der Mitte der Prognosespanne der Zentralbank von 0,5 bis 1,5%.

IWF: Russland profitiert als Energieexportland außerhalb des Nahen Ostens

Der IWF gab der Juli-Ausgabe seines „Weltwirtschaftsausblicks“ den Titel „Die Weltwirtschaft im Spannungsfeld von Krieg und Technologie“ ( „Global Economy in Crosscurrents of War and Technology“). Er sieht derzeit zwei Hauptkräfte auf die Weltwirtschaft einwirken. Einerseits gibt es einen „negativen Angebotsschock“ aufgrund des Krieges im Nahen Osten. Andererseits wirkt aber gleichzeitig ein „positiver Technologieschock“.

Die negativen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf die Entwicklung der Weltwirtschaft werden laut dem IWF teilweise durch ein beschleunigtes Nachfragewachstum im Technologiebereich aufgrund der Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz kompensiert werden. Insgesamt werden diese beiden gegenläufigen Trends nach Einschätzung des IWF zu einer Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft von 3,5 Prozent im Jahr 2025 auf 3,0% im Jahr 2026 führen. Dabei könnten Energieexportländer außerhalb der Konfliktzone im Nahen Osten (wie Russland) von günstigeren Handelsbedingungen profitieren (Finmarket.ru).

Der IWF senkte seine Prognose für das weltweite Wachstum im Jahr 2026 gegenüber der April-Prognose nur um 0,1 Prozentpunkte auf 3%. Gleichzeitig erhöhte er seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2027 um 0,2 Prozentpunkte auf 3,4%.

IMF:World Economic Outlook Update, July 2026:
Global Economy in Crosscurrents of War and Technology, 08.07.26

Russland wächst 2026 und 2027 etwas stärker als Deutschland

Die deutsche Wirtschaft wird mit Wachstumsraten von 0,7% im Jahr 2026 und 1,0% im Jahr 2027 laut der obigen IWF-Prognose etwas schwächer wachsen als die russische Wirtschaft mit Wachstumsraten von jeweils 1,1%.

In der Rangliste der größten Volkswirtschaften der Welt hat Russland Deutschland bereits im Jahr 2021 vom vierten Platz verdrängt, wenn man das Bruttoinlandsprodukt entsprechend der jeweiligen Kaufkraft der Währung eines Landes bereinigt (sogenannter „Vergleich zu Kaufkraftparität“ in „Internationalen Dollars“). Das zeigt die folgende IWF-Abbildung  (siehe auch Video der Änderungen auf dieser Rangliste von Vgraphs). 2026 liegt Deutschland in der internationalen BIP-Rangliste nach „Kaufkraftparität“ hinter China, den USA, Indien, Russland und Japan nur noch auf Platz 6 (weitere Informationen zu unterschiedlichen „Ranglisten“ bietet Cleartax).

IMF Data Mapper: Russian Federation and Germany
GDP, current prices;
Purchasing power parity; billions of international dollars

IMF: Data Mapper, 09.07.26

In den ersten fünf Monaten war Russlands BIP aber kaum höher als im Vorjahr

Damit Russland in diesem Jahr im Vorjahresvergleich noch ein Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent erreicht, muss sich aber der jährliche Anstieg der Produktion in den Monaten Juni bis Dezember beschleunigen. In den ersten fünf Monaten war das reale Bruttoinlandsprodukt laut ersten Berechnungen des Wirtschaftsministeriums nur 0,2% höher als im Vorjahr (Interfax).

Das „Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften (IEF-RAS)“ veröffentlichte in der letzten Woche in seiner „Analyse der kurzfristigen BIP-Entwicklung“ folgende Abbildung zur BIP-Entwicklung in den ersten fünf Monaten.

Die schwarze Linie zeigt, dass der Index des realen Bruttoinlandsprodukts im Januar gegenüber dem im Dezember erreichten Rekordstand tief einbrach. Die blauen Säulen zeigen, dass das BIP im Vergleich zum Vorjahresmonat im Januar und Februar 2026 sank. Inzwischen hat der BIP-Index den Einbruch vom Januar weitgehend aufgeholt. Er war im Mai wieder etwa so hoch wie im Oktober 2025. Sein im Mai des Vorjahres erreichtes Niveau übertraf der BIP-Index im Mai 2026 laut dem IEF um 1,3% (rechte blaue Säule).

Gegenüber dem Vormonat April stieg der BIP-Index im Mai 2026 laut Schätzung des Instituts saisonbereinigt aber nur noch um 0,1%. Im März war er im Vormonatsvergleich noch um 1,9% und im April um 0,7% gestiegen. Das Institut meint, dies könnte auf das Ende der Erholungsphase der Wirtschaftstätigkeit nach dem starken Rückgang Anfang 2026 hindeuten.

Schätzung des Indexes des realen Bruttoinlandsprodukts
blaue Säulen: Veränderungen des realen BIP gegenüber dem Vorjahresmonat in % schwarze Linie: Schätzung des Indexes des realen BIP; Januar 2019 = 100

Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften; IEF-RAS:
Analyse der kurzfristigen BIP-Dynamik: Juli 2026, 07.07.26

IEF: Das sind die Risiken für Wachstum und Preisentwicklung im zweiten Halbjahr

Das „Institut für Wirtschaftsprognosen“ weist aber auf erhebliche Risiken für das Wachstum der russischen Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2026 hin. So könnte es angesichts der geopolitischen Unsicherheit und der langsamen Lockerung der Geldpolitik der russischen Zentralbank einen anhaltenden Rückgang der Investitionen geben.

Zudem dürften sich die Produktionsausfälle in den russischen Ölraffinerien über folgende „vier Kanäle“ negativ auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung auswirken.

Erstens wird mit dem Ausfall von Raffineriekapazitäten die Entwicklung der gesamten Industrieproduktion beeinträchtigt, im Juni voraussichtlich noch stärker als bisher.

Zweitens beschleunigt sich damit die Inflation, weil die Kraftstoffpreise steigen und die gestiegenen Transportkosten in den Preisen weitergegeben werden. Laut Rosstat stiegen die Kraftstoffpreise allein im Mai bereits um rund 7 %. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich diese Preiserhöhungen auch in den Endverbraucherpreisen niederschlagen werden. Begünstigt wird dies durch das kräftige Wachstum der Verbrauchernachfrage.

Drittens könnte die Verknappung von Kraftstoffen zu Störungen im Reiseverkehr führen sowie zu einer Einschränkung des Güterverkehrs.

Viertens könnten die durch die Kraftstoff-Krise beschleunigte Inflation und die gestiegenen Inflationserwartungen das Tempo der Lockerung der Geldpolitik der Zentralbank bremsen.

Auf der Basis der jüngsten Konjunkturentwicklungen errechnet das „Institut für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften (IEF-RAS)“ in seiner „Analyse der kurzfristigen BIP-Entwicklung“ zwar, dass Russlands gesamtwirtschaftliche Produktion im Jahr 2026 um 1,1 Prozent wachsen dürfte (wie vom IWF erwartet). Diese „Kurzfristprognose“ basiert aber auf der Annahme, dass sich die aktuellen Entwicklungstrends der wichtigsten Indikatoren fortsetzen werden.

In seiner Anfang Juni veröffentlichten „Vierteljährlichen BIP-Prognose“ hat das Institut seine Wachstumsprognose für das Jahr 2026 auf 0,7 Prozent gesenkt. Im nächsten Jahr erwartet das IEF aber wie der IWF in Russland ein Wachstum von 1,1 Prozent.

Welche Folgen die „Kraftstoff-Krise“ laut der Interfax-Umfrage haben wird

Die Ergebnisse der am 10. Juli veröffentlichten Interfax-Umfrage lassen erkennen, dass auch die Teilnehmer der Umfrage von der Zerstörung russischer Raffinerien durch die Ukraine (Tagesschau.de) erhebliche gesamtwirtschaftliche Auswirkungen erwarten: Das Wachstum der Industrieproduktion wird noch schwächer sein als bisher erwartet wurde, die Inflation wird höher sein und der Leitzins wird langsamer sinken.

Die Industrieproduktion ging insgesamt bereits im Mai unerwartet stark um 0,7 % zurück. Die Umfrage-Teilnehmer haben ihre Prognose für den Anstieg der Industrieproduktion im Gesamtjahr 2026 jetzt mehr als halbiert. Während sie vor einem Monat noch einen Anstieg von 1,2 % erwarteten, rechnen sie jetzt nur noch mit einem Wachstum von 0,5 %. Das entspricht auch fast der Prognose des Wirtschaftsministeriums (+0,6 %).

Der Anstieg der Verbraucherpreise wird – getrieben vom Anstieg der Kraftstoffpreise – nach Einschätzung der Analysten 2026 noch 5,7 % erreichen. Vor einem Monat erwarteten sie noch einen stärkeren Rückgang auf 5,3 %. 2027 erwarten Analysten eine Inflationsrate von 4,6 % (vor einem Monat: 4,5 %).

Der Leitzins am Jahresendende 2026 wird laut der Umfrage ebenfalls langsamer sinken. Die „Konsensprognose“ für den Leitzins beträgt jetzt 13,3 %. Vor einem Monat hatten die Umfrage-Teilnehmer im Durchschnitt noch erwartet, dass er bis Ende 2026 auf 12,4 % gesenkt wird. Im Jahresdurchschnitt 2026 erwarten die Teilnehmer jetzt einen Leitzinis von 14,5 % (Prognose vom Vormonat: 14,1 %).

Russlands Haushaltsdefiit ist 2026 weiterhin viel höher als geplant

Der vorübergehende starke Anstieg der Ölpreise nach dem Beginn des Iran-Krieges und der Sperrung der Straße von Hormus hat bisher nicht zu einem Anstieg der Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich im russischen Föderationshaushalt geführt. Nach Angaben des Finanzministeriums sanken die „Öl- und Gaseinnahmen“ im Gegenteil im ersten Halbjahr 2026 im Jahresvergleich um 22,7 % auf 3,66 Billionen Rubel.

Immerhin fiel der Einbruch dieser Einnahmen im Monat Juni weniger stark aus als zuvor. Nach fünf Monaten hatten die Öl- und Gaseinnahmen noch fast 30 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Die Verbesserung deutet darauf hin, dass höhere Ölpreise zuletzt zumindest teilweise im Haushalt ankamen, meint russland.capital in einer Analyse der Haushaltsentwicklung.

Insgesamt stiegen die Einnahmen im föderalen Haushalt im ersten Halbjahr auf 18,6 Billionen Rubel. Der Zuwachs um 5,8 Prozent reichte jedoch nicht aus, um den starken Anstieg der Ausgaben auszugleichen. Die Ausgaben des föderalen Haushalts wuchsen im ersten Halbjahr fast drei Mal so stark um 16,1 Prozent auf 24,35 Billionen Rubel.

Damit belief sich das Defizit des föderalen Haushalts im ersten Halbjahr 2026 auf 5,73 Billionen Rubel, umgerechnet 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dieser Fehlbetrag ist bereits deutlich höher als das für das gesamte Jahr eingeplante Defizit von 3,8 Billionen Rubel beziehungsweise 1,6 Prozent des BIP.

Dr. Janis Kluge, Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, wies Ende Juni in einem ZDF-Interview darauf hin, dass die Öl- und Gaseinnahmen im russischen Föderationshaushalt im Jahr 2026 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt niedriger waren als in allen anderen Jahren seit dem Jahr 2000.

Bruegel: Der zeitweilige Ölpreisanstieg brachte Russland Mehreinnahmen

Professor Marek Dabrowski verglich in einem vom Brüsseler Bruegel Institut veröffentlichten Artikel die Einnahmen im russischen Föderationshaushalt von März bis Juni mit denen der ersten beiden Monate des Jahres 2026, also in der Zeit vor dem Beginn des Iran-Krieges Ende Februar. Der Vergleich der russischen Einnahmen aus dem Kohlenwasserstoffsektor im Zeitraum März bis Juni mit den Durchschnittswerten von Januar und Februar zeigt laut den Berechnungen Dabrowskis bisherige Mehreinnahmen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt in Höhe von etwa 0,5 % des russischen nominalen BIP.

Gleichzeitig weist aber auch Dabrowski darauf hin, dass die Haushaltseinnahmen aus Kohlenwasserstoffen im ersten Halbjahr 2026 mit 3,66 Billionen Rubel um rund 23 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums (4,73 Billionen Rubel) lagen, obwohl der durchschnittliche Urals-Preis höher war.

Die Mehreinnahmen Russlands in Höhe von 0,5 % des BIP und andere makroökonomische Vorteile des Landes im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg hält Dabrowski zwar nicht für „bahnbrechend“. Sie würden den russischen Haushalt, der aufgrund der kriegsbedingten Ausgaben zunehmend unter Druck stehe, aber entlasten. Zumindest vorübergehend habe sich damit Russlands finanzieller Spielraum für die Fortsetzung des Angriffskrieges gegen die Ukraine vergrößert.


Lesetipps:

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