Steppe Ahead Kolumne von Thorsten Gutmann

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

Autor: Thorsten Gutmann

Thorsten Gutmann Zentralasien

Japan nutzt das geopolitische Vakuum in Zentralasien. Während Russland durch den Krieg in der Ukraine gebunden ist und China zwar dominiert, aber zugleich Misstrauen weckt, verstärkt Tokio seine Präsenz in der Region – nach Jahren relativer Zurückhaltung.

Dabei handelt es sich tatsächlich um eine Rückkehr. Bereits 2004 hatte Japan mit dem Format „Central Asia plus Japan“ als erstes Land alle fünf Republiken in einen gemeinsamen Dialog eingebunden. Doch das Interesse erlahmte, die Treffen fanden immer seltener statt, und die politische Aufmerksamkeit verlagerte sich nach Ostasien. Nun greift Tokio diesen Faden wieder auf und signalisiert, dass Zentralasien erneut strategische Bedeutung gewinnt.

Ende August reiste Außenminister Takeshi Iwaya nach Kasachstan und Usbekistan. Die Ergebnisse seiner Gespräche waren mehr als diplomatische Routine: eine gemeinsame Erklärung, medizinische Hilfen für Kasachstan, neue Stipendienprogramme für Usbekistan, die Verabredung eines zweijährlichen Dialogmechanismus, die Wiederaufnahme des Gipfels „Central Asia plus Japan“ sowie die Ankündigung eines Direktflugs Tokio–Almaty ab 2026.

Für Zentralasien ist das ein Gewinn. Tokio bringt Technologie, Know-how und Kapital, das in Bereichen wie Digitalisierung, Energie und Green Tech dringend gebraucht wird. Ausbildungs- und Arbeitsprogramme fördern Humankapital, das der Region fehlt, und bieten auch Japan selbst Entlastung bei Fachkräftemangel. Politisch bedeutet die Rückkehr eines verlässlichen, nicht-hegemonialen Partners zusätzlichen Spielraum in einer Umgebung, die bisher stark von Moskau und Peking geprägt war.

Doch die Grenzen sind klar. Japans Einfluss bleibt kleiner, die geografische Distanz erschwert Projekte, und die Zurückhaltung in geopolitischen Fragen wie der Haltung zu Russland schafft Vertrauen, limitiert aber die Reichweite.

Ob die Initiative trägt, wird sich daran zeigen, ob der angekündigte Gipfel tatsächlich zustande kommt und konkrete Projekte folgen. Für Investoren eröffnen sich Chancen in Energie, Infrastruktur und Logistik. Für Regierungen bedeutet Japans Engagement außenpolitische Handlungsfreiheit. Für Unternehmen entstehen Märkte mit verlässlicheren Rahmenbedingungen.

Tokio kehrt damit zurück auf eine Bühne, die es selbst einst mitgestaltet hat. Nach Jahren des Schweigens setzt Japan wieder Akzente – leise, pragmatisch und langfristig. Genau das könnte den Unterschied ausmachen.

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