Der in Istanbul börsennotierte Leasinganbieter Borlease Otomotiv hat erneut Zahlungen auf inländische Lira-Anleihen ausgesetzt. Wie das Unternehmen am 14. Januar in einer Börsenmitteilung erklärte, blieb die zweite Kuponzahlung eines 363-tägigen Schuldpapiers (ISIN: TRFBORL72617) aus.

Die Anleihe mit einem Volumen von 150 Millionen Türkischen Lira (rund 3,5 Millionen US-Dollar) wurde im Juli zu TLREF plus fünf Prozent begeben und sollte vier vierteljährliche Kupons zahlen. Nachdem Borlease im Oktober noch den ersten Kupon in Höhe von 18,5 Millionen Lira bedient hatte, geriet das Unternehmen nun mit der zweiten Zahlung von rund 17 Millionen Lira in Verzug.

Mehrere Papiere betroffen

Bereits am 9. Januar hatte Borlease die finale Kuponzahlung eines weiteren Papiers (TRFBORL12613) über 400 Millionen Lira nicht geleistet. Auch dieses Papier sollte am selben Tag zurückgezahlt werden. Die Anleihe war Anfang 2025 mit einem festen Zinssatz von 46,5 Prozent begeben worden; die ersten drei Kupons hatte das Unternehmen noch ordnungsgemäß bedient.

Am 13. Januar folgte die nächste Hiobsbotschaft: Borlease kündigte an, sowohl die dritte Kuponzahlung eines weiteren Wertpapiers (TRFBORL42610) als auch die Rückzahlung samt Schlusskupon eines vierten Papiers (TRFBORL12639) nicht fristgerecht leisten zu können. Letzteres wäre am 27. Januar fällig gewesen.

Für den 23. Januar ist ein Treffen mit Investoren eines der betroffenen Papiere angesetzt.

Mutterkonzern greift ein – begrenzt

Die Muttergesellschaft Bor Holding versuchte zuletzt, Liquiditätsengpässe abzufedern. Im November und Dezember investierte sie insgesamt rund 247 Millionen Lira in Borlease. Die Mittel stammten aus dem Verkauf eigener Borlease-Aktien.

So konnte das Unternehmen am 24. Dezember immerhin die dritte Kuponzahlung eines weiteren Schuldpapiers (TRFBORL32611) über 250 Millionen Lira bedienen. Die Endfälligkeit dieser Anleihe steht allerdings bereits Ende März an.

Angesichts der angespannten Lage beantragte Borlease Anfang Dezember bei der staatlichen Halkbank die Aufnahme in das türkische Programm zur finanziellen Restrukturierung. Das Rahmenwerk wurde 2018 von der Bankenaufsicht genehmigt und seither mehrfach verlängert.

Parallel dazu geriet auch der Aktienkurs massiv unter Druck. Nach dem Börsengang 2023, bei dem Borlease zu 25,29 Lira je Aktie bewertet wurde, fiel der Kurs bis zum 19. Januar auf nur noch 2,85 Lira.

Eigentümerstruktur im Wandel

Seit dem IPO hat Bor Holding ihre Beteiligung schrittweise reduziert. Anfang 2026 sank ihr Anteil unter die Mehrheit. Neu eingestiegen ist die Q Yatirim Bankasi, die inzwischen knapp acht Prozent hält. Der Streubesitz liegt bei rund 44 Prozent.

Borlease wurde 2013 gegründet und ist seit 2019 türkischer Franchisepartner von Sixt Rent a Car. Ende September 2025 verfügte das Unternehmen über mehr als 10.000 Fahrzeuge – eigene und geleaste. Trotz hoher Umsätze schrieb Borlease jedoch weiter Verluste: In den ersten neun Monaten 2025 belief sich das Minus auf rund 1,6 Milliarden Lira.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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