Fitch Ratings hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der Türkei nach einer turnusmäßigen Länderüberprüfung am 23. Januar von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Am selben Tag führte auch Moody’s eine planmäßige Überprüfung durch, beließ das Rating jedoch unverändert.

Die Türkei wird derzeit von Fitch mit BB-/positiv, von Moody’s mit Ba3/stabil und von S&P Global Ratings mit BB-/stabil eingestuft – jeweils drei Stufen unterhalb des Investment Grade. Moody’s hatte das Rating zuletzt im Juli 2025 angehoben und dürfte vorerst keine weiteren Schritte unternehmen.

Mit der Anhebung des Ausblicks durch Fitch wächst jedoch die Erwartung, dass auch die beiden anderen großen Agenturen nachziehen könnten – vorausgesetzt, Ankara hält an seinem Kurs positiver Realzinsen und einer restriktiven Geldpolitik fest. Der nächste Überprüfungstermin bei Moody’s ist für den 24. Juli angesetzt, Fitch prüft erneut am 17. Juli. S&P plant Überprüfungen für den 17. April und den 16. Oktober.

Devisenreserven steigen schneller als erwartet

Fitch begründete die Entscheidung vor allem mit einer weiteren Verringerung der externen Anfälligkeiten der Türkei. Ausschlaggebend sei der schneller als erwartete Anstieg der Devisenreserven seit der letzten Ratinganhebung im September 2024.

Hinzu kommen laut Fitch eine verbesserte Qualität der Reserven, ein Rückgang währungsbezogener Verbindlichkeiten, eine weiterhin restriktive makroökonomische Ausrichtung sowie ein geringeres Risiko einer abrupten geldpolitischen Lockerung. Stützend wirken zudem die Größe und Diversifizierung der türkischen Wirtschaft, die vergleichsweise niedrige Staatsverschuldung und der fortgesetzte Zugang zu externer Finanzierung.

Belastend bleiben dagegen die hohe Inflation, wiederholte politische Eingriffe in die Geldpolitik, frühere unorthodoxe Maßnahmen, externe Schocks sowie Defizite in der Regierungsführung.

Rekordniveau bei Reserven – Entdollarisierung setzt sich fort

Die Brutto-Devisenreserven der Türkei erreichten Mitte Januar rund 205 Milliarden US-Dollar, nach etwa 155 Milliarden US-Dollar Ende 2024. Die Nettoreserven ohne Swaps erholten sich noch deutlicher und stiegen auf 78 Milliarden US-Dollar, nachdem sie im März 2024 bei minus 66 Milliarden US-Dollar gelegen hatten.

Zu dieser Entwicklung trugen unter anderem der Abbau von Swap-Geschäften mit heimischen Banken, eine geringere Dollarisierung sowie steigende Goldpreise bei. Gleichwohl bleiben die in den kommenden zwölf Monaten fälligen Auslandsschulden mit 224 Milliarden US-Dollar hoch im Verhältnis zu den Reserven.

Der Anteil von Fremdwährungs- und währungsgesicherten Einlagen sank 2025 auf 39 Prozent der Gesamteinlagen, nach 73 Prozent Mitte 2023. Das staatliche Programm zur Absicherung von Deviseneinlagen wurde inzwischen vollständig abgewickelt.

Geldpolitik bleibt restriktiv – Wahlen als Risikofaktor

Fitch rechnet damit, dass die türkischen Behörden weiterhin am Devisenmarkt intervenieren werden, um eine kontrollierte nominale Abwertung der Lira zu ermöglichen und Dollarisierungsrisiken zu begrenzen. Für Ende 2026 erwartet die Ratingagentur einen realen Leitzins von rund 4,5 Prozent, bevor dieser bis Ende 2027 auf etwa 2 Prozent sinken dürfte.

Zugleich geht Fitch davon aus, dass die Präsidentschaftswahlen vor dem regulären Termin im Mai 2028 stattfinden könnten. Im Vorfeld erwartet die Agentur ein konjunkturstützendes Maßnahmenpaket, etwa durch höhere Transfers, Mindestlohnerhöhungen und eine Lockerung der Kreditbedingungen. Eine Rückkehr zur extrem lockeren Geldpolitik der Jahre 2022 und 2023 hält Fitch jedoch für unwahrscheinlich.

Dennoch bleiben Risiken bestehen. Die Unabhängigkeit der Zentralbank gilt weiterhin als eingeschränkt, und im Governance-Indikator der Weltbank liegt die Türkei mit einem Wert von 31 deutlich unter dem Median der BB-Ratinggruppe (44).

Fitch verweist zudem auf Anzeichen einer Entspannung in den Beziehungen zu den USA. Die fortgesetzten Bemühungen um eine Annäherung an die kurdische Bevölkerung könnten mittelfristig zur Reduzierung sicherheitspolitischer Risiken beitragen und das außenpolitische Umfeld stabilisieren. Das regionale Sicherheitsumfeld bleibt jedoch ein struktureller Unsicherheitsfaktor.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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