Die türkische Zentralbank hat ihre Inflationsprognose für Ende 2026 nach oben korrigiert. In ihrem vierteljährlichen Inflationsbericht vom 12. Februar erhöhte sie die erwartete Spanne auf 15 bis 21 Prozent. Im November hatte sie noch 13 bis 19 Prozent in Aussicht gestellt.
Am offiziellen Inflationsziel von fünf Prozent hält die Notenbank fest. Auch das sogenannte „Zwischenziel“ von 16 Prozent für Ende 2026 bleibt unverändert – obwohl die Prognosespanne nun darüber hinausreicht.
Kritik an „Zwischenzielen“
Die Einführung der „Zwischenziele“ im August 2025 stieß von Beginn an auf Skepsis. Kritiker bemängeln, dass die tatsächliche Inflationsentwicklung wiederholt außerhalb der veröffentlichten Prognosekorridore lag. Damit verliere das Instrument an Glaubwürdigkeit.
Marktbeobachter rechnen derzeit damit, dass die tatsächliche Inflationsrate Ende 2026 eher über 20 Prozent liegen dürfte. Weitere, wenn auch moderate Aufwärtskorrekturen in den kommenden Berichten im Mai und August gelten als wahrscheinlich.
Offizielle Rate bei rund 31 Prozent
Nach Angaben des türkischen Statistikamtes TÜİK lag die Verbraucherpreisinflation im Januar bei 30,65 Prozent im Jahresvergleich, nach 30,89 Prozent im Dezember. Ende 2024 hatte sie noch 44 Prozent betragen. Zwischen Juli und Oktober 2025 bewegte sie sich um die Marke von 33 Prozent.
Mit den Januar-Daten stellte TÜİK zudem die Berechnung des Verbraucherpreisindex um. Das Basisjahr wurde von 2003 auf 2025 geändert, außerdem passte die Behörde Methodik und Warenkorb an. Nach Angaben der Statistikbehörde erfolgte die Revision im Einklang mit Eurostat-Standards.
Beobachter sehen darin auch den Versuch, die seit Monaten stabile „über 30 Prozent“-Marke statistisch aufzubrechen.
Zinssenkungen trotz hoher Teuerung
Bereits im Januar senkte die Zentralbank den Leitzins um 100 Basispunkte auf 37 Prozent. Für die nächste Sitzung am 12. März gilt eine weitere Zinssenkung als wahrscheinlich. Marktteilnehmer erwarten einen Schritt von 100 bis 150 Basispunkten.
Sollte die Notenbank diesen Kurs beibehalten, könnte der Leitzins bis Ende 2026 auf etwa 28 Prozent sinken. Insgesamt sind in diesem Jahr acht Zinssitzungen geplant.
Märkte bleiben stabil
Trotz der anhaltend hohen Inflation zeigt sich das Finanzumfeld bislang stabil. Die Risikoprämien türkischer Staatsanleihen – gemessen an fünfjährigen Credit Default Swaps – bewegen sich um die Marke von 200 Basispunkten. Auch Eurobond-Emissionen stoßen weiterhin auf Nachfrage.
Der Wechselkurs von Dollar zu Lira bleibt bislang unter Kontrolle. Zudem hat sich der politische Druck auf die Finanzmärkte zuletzt abgeschwächt, nachdem ein Verfahren gegen die Führung der wichtigsten Oppositionspartei eingestellt wurde.
Ob die Inflationsdynamik nachhaltig gebrochen ist oder neue Preisimpulse folgen, dürfte sich in den kommenden Quartalen zeigen.
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