Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins erneut gesenkt, allerdings weniger stark als vom Markt prognostiziert. Der geldpolitische Ausschuss (MPC) reduzierte den einwöchigen Repo-Satz am 22. Januar, seiner ersten Zinssitzung des Jahres 2026, um 100 Basispunkte auf 37 %. Viele Marktteilnehmer hatten mit einer Senkung um 150 Basispunkte gerechnet.
In ihrer Erklärung verwies die Zentralbank auf Frühindikatoren, die für Januar wieder einen Anstieg der monatlichen Inflation nahelegen. Besonders die Lebensmittelpreise hätten zuletzt nach oben gedreht. Beobachter werten die vorsichtigere Gangart als Signal, dass der Disinflationsprozess kurzfristig ins Stocken geraten könnte.
„Die Entscheidung, den Lockerungszyklus zu verlangsamen, dürfte mit der erwarteten Inflationsstagnation im Januar zusammenhängen“, erklärte Capital Economics in einer Einschätzung für Investoren.
Weitere Zinsschritte im März erwartet
Die nächste Zinssitzung ist für den 12. März angesetzt. Eine weitere Senkung gilt als nahezu sicher, ihr Umfang bleibt jedoch offen. Derzeit rechnen Analysten mit einer Reduzierung um 100 bis 150 Basispunkte.
Insgesamt sind für 2026 acht Zinssitzungen geplant. Sollte die Zentralbank den Leitzins im Schnitt um 100 bis 150 Basispunkte pro Sitzung senken, könnte der Zinssatz bis zum Jahresende auf etwa 28 % fallen. Dieses Szenario gilt derzeit als wahrscheinlich.
An den Finanzmärkten blieb die Reaktion verhalten. Der Wechselkurs USD/TRY zeigte sich stabil, türkische Eurobond-Emissionen stoßen weiterhin auf rege Nachfrage. Die fünfjährigen Credit Default Swaps (CDS) der Türkei bewegen sich nahe der Marke von 200 Basispunkten – ein Indikator für gesunkenes Risikoempfinden.
Auch im Inland hat sich der politische Druck zuletzt abgeschwächt. Nach einer Gerichtsentscheidung im Oktober, mit der ein Verfahren gegen die Führung der größten Oppositionspartei eingestellt wurde, entspannte sich das Umfeld für den Finanzsektor.
Inflation über 30 % – vorerst
Die offizielle Inflationsrate lag Ende 2025 weiterhin über der 30-Prozent-Marke. Nach Angaben des türkischen Statistikamts TÜİK sank die Jahresinflation im Dezember leicht auf 30,89 %, nach 31,07 % im November.
Mit den Januar-Daten 2026 wird TÜİK jedoch das Basisjahr der Verbraucherpreisstatistik von 2003 auf 2025 umstellen und zugleich Methodik und Warenkorb überarbeiten. Die Anpassung erfolgt nach Eurostat-Standards und dürfte statistisch zu einem Bruch der bisherigen Inflationsserie führen.
Am 12. Februar veröffentlicht die Zentralbank ihren nächsten Inflationsbericht. Für Ende 2026 hält sie bislang an einer Zielspanne von 13 bis 19 % fest, mit einem Mittelwert von 16 %. Eine sofortige Anhebung der Prognose gilt als unwahrscheinlich. Viele Ökonomen erwarten jedoch, dass sich die Inflation im Verlauf des Jahres oberhalb von 20 % einpendeln könnte.
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