Der russische Energiekonzern Gazprom Neft hat einer vorläufigen Vereinbarung über den Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung am serbischen Ölkonzern NIS an den ungarischen Konzern MOL zugestimmt. Das teilte Serbiens Energieministerin Dubravka Djedovic Handanovic am 19. Januar mit. Der geplante Deal steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums.

Nach Angaben der Ministerin haben sich Gazprom Neft und MOL auf die wesentlichen Eckpunkte eines künftigen Kaufvertrags verständigt. Die Unterlagen seien zur Prüfung bei den US-Behörden eingereicht worden. Serbien habe seine Verhandlungsposition dabei verbessert, sagte Djedovic Handanovic.

Serbien stärkt Einfluss auf NIS

Im Zuge der Transaktion soll der serbische Staat seinen Anteil an NIS um fünf Prozentpunkte auf künftig 34,9 Prozent erhöhen. Damit würden die Mitspracherechte des Staates in der Hauptversammlung gestärkt und nationale Interessen besser abgesichert, erklärte die Ministerin.

Derzeit hält Gazprom insgesamt 56,2 Prozent an NIS. Davon entfallen 44,9 Prozent auf Gazprom Neft und 11,3 Prozent auf eine weitere Gazprom-Tochtergesellschaft. Die restlichen Anteile befinden sich im Besitz des serbischen Staates, von Kleinaktionären sowie von Mitarbeitern des Unternehmens.

NIS betreibt die einzige Ölraffinerie Serbiens im nordserbischen Pančevo und ist ein zentraler Akteur auf dem nationalen Energiemarkt. Das Unternehmen deckt rund 80 Prozent des Kraftstoffgroßhandels ab und verantwortet etwa die Hälfte des Einzelhandelsabsatzes von Benzin und Diesel.

MOL setzt auf Versorgungssicherheit in der Region

MOL habe zugesichert, die Raffinerie in Pančevo mindestens auf dem derzeitigen Produktionsniveau weiterzuführen und die Kapazitäten bei Bedarf auszubauen, sagte Djedovic Handanovic. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und den Marktanteil von NIS zu stabilisieren.

Zudem könnten sich Partner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an der Transaktion beteiligen. Serbische Regierungsvertreter hatten zuvor die staatliche Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) als möglichen Minderheitsinvestor genannt. Über Umfang und Struktur einer Beteiligung werde noch verhandelt.

MOL erklärte, die Transaktion könne den langfristig stabilen Betrieb der Raffinerie sowie die kontinuierliche Versorgung der regionalen Energiemärkte sichern. Die Unterzeichnung des Kaufvertrags sei bis spätestens 31. März geplant.

MOL-Chef Zsolt Hernadi bestätigte Gespräche mit ADNOC über einen möglichen Einstieg als Minderheitsaktionär. MOL wolle dabei die Mehrheit und operative Kontrolle behalten. Auch die ungarische Regierung unterstützt das Vorhaben. Außenminister Péter Szijjártó betonte, eine engere Abstimmung der Öl- und Kraftstoffmärkte in Ungarn, Serbien und der Slowakei könne die Energieversorgung Mitteleuropas deutlich stärken.

An der Börse reagierten Anleger positiv: Die MOL-Aktie legte um 0,4 Prozent auf 3.546 Forint (9,20 Euro) zu. Im Monatsvergleich stieg der Kurs um 25 Prozent, binnen zwölf Monaten um 34 Prozent.


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