Die ungarische Zentralbank (Magyar Nemzeti Bank, MNB) hat den Leitzins bei ihrer ersten Sitzung des Jahres unverändert bei 6,5 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel einstimmig und entsprach den Erwartungen der Finanzmärkte. Notenbankchef Mihály Varga betonte, dass insbesondere die Preisanpassungen zu Jahresbeginn entscheidend für den weiteren geldpolitischen Kurs seien.

Forint profitiert von Zinspause und Dollar-Schwäche

Nach der Zinsentscheidung legte der Forint deutlich zu. Gegenüber dem US-Dollar erreichte die Währung den höchsten Stand seit Februar 2022 und notierte zeitweise unter 317 Forint je Dollar. Das entsprach einem Tagesgewinn von rund 1,2 Prozent. Auch gegenüber dem Euro zeigte sich der Forint stark: Der Wechselkurs fiel erstmals seit Januar 2024 unter die Marke von 380.

Auf Jahressicht hat der Forint damit mehr als sechs Prozent an Wert gewonnen und viele andere Währungen der Region hinter sich gelassen. Marktbeobachter führen die Entwicklung auf die restriktive Geldpolitik der MNB sowie auf eine generelle Schwäche des US-Dollars zurück.

In ihrer Erklärung nach der Sitzung unterstrichen die Währungshüter, dass die Inflationsrisiken weiterhin erhöhte Vorsicht erforderten. Die Zentralbank bekräftigte ihre Forward Guidance und kündigte an, geldpolitische Entscheidungen strikt datenabhängig zu treffen.

Inflationsrisiken zwingen die Notenbank zu Geduld

Die MNB kündigte an, die Entwicklung der Inflation genau zu beobachten. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Preisentscheidungen zu Jahresbeginn sowie der Stabilität der Finanzmärkte. Die Inflationsdaten für Januar werden am 12. Februar veröffentlicht und gelten als wichtiger Gradmesser für die nächsten Schritte der Notenbank.

Nach Einschätzung des Finanzportals Portfolio.hu könnte ein Rückgang der Inflation unter die Marke von drei Prozent in den kommenden Monaten den Weg für erste Zinssenkungen ebnen. Die Märkte rechnen derzeit mit zwei Zinsschritten im laufenden Jahr. Analysten erwarten laut Umfragen, dass der Leitzins bis Ende 2025 auf rund 6,0 Prozent und bis Ende 2026 auf etwa 5,0 Prozent sinken könnte.

Die Notenbank verwies zugleich auf Faktoren, die zuletzt zur Disinflation beigetragen haben, darunter ein verbessertes externes Umfeld und die Stärke des Forint. Ein stabiler Wechselkurs sei entscheidend, um Inflationserwartungen zu verankern, hieß es.

Für Anfang 2026 rechnet die MNB damit, dass die Inflationsrate unter das Ziel von drei Prozent fällt, nachdem sie im Dezember noch bei 3,3 Prozent lag. Anschließend könnte die Teuerung wieder leicht anziehen und sich erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 nachhaltig im Zielkorridor stabilisieren.

Preistreiber bleiben vor allem Dienstleistungen, der haushaltsnahe Energieverbrauch sowie alkoholische Getränke und Tabakwaren. Lebensmittelpreise hingegen entwickeln sich nach Einschätzung der Zentralbank moderater, gestützt durch globale Markttrends.

Varga betonte abschließend, dass die MNB kein Wechselkursziel verfolge, sondern ausschließlich auf Preisstabilität ausgerichtet sei. Die geringe Volatilität des Forint komme der Wirtschaft zugute. Zwar wirke sich die Währungsstärke bereits auf die Importkosten aus, eine spürbare Entlastung für Verbraucher werde jedoch nur schrittweise erfolgen.

Zur Frage der Goldreserven erklärte Varga, dass derzeit keine Aufstockung des Bestands von 110 Tonnen geplant sei. Für die Zukunft schloss er diesen Schritt jedoch nicht grundsätzlich aus.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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