Der russische Staatskonzern Rosatom bemüht sich, Zweifel an seiner finanziellen und operativen Zuverlässigkeit zu zerstreuen – und legt in Usbekistan nach. Angesichts wachsender Skepsis gegenüber russischen Großprojekten bietet der Atomenergiekonzern nun weit mehr an als den Bau einzelner Reaktoren: einen umfassenden „Nuklearcluster“.

Rosatom-Chef Alexei Lichatschow unterbreitete den Vorschlag am 27. Januar bei einem Treffen mit dem usbekischen Präsidenten Schawkat Mirsijojew in Taschkent. Der geplante Komplex solle neben Atomstrom auch Nuklearmedizin, radiologische Anwendungen für Landwirtschaft und Gesundheitswesen sowie materialwissenschaftliche Forschung umfassen, erklärte Lichatschow.

In das Projekt eingebunden werden soll demnach auch das Kurtschatow-Institut, Russlands führende Einrichtung für nukleare Forschung und Entwicklung. Vorgesehen ist zudem der Aufbau einer umfangreichen sozialen Infrastruktur für rund 30.000 Menschen. Zu den zusätzlichen Kosten äußerte sich Rosatom nicht. Erst im September hatte der Konzern vereinbart, in Usbekistan zwei große und zwei kleinere Reaktoren mit einer Gesamtleistung von mehr als 2,1 Gigawatt zu errichten.

Zurückhaltende Signale aus Taschkent

In der offiziellen Mitteilung des Präsidialamts wurde das Angebot eines Nuklearclusters jedoch nicht erwähnt. Stattdessen blieb die Erklärung auffallend vage. Es sei über eine Ausweitung der Zusammenarbeit bei der Anwendung von Nukleartechnologien in Landwirtschaft und Medizin gesprochen worden, ebenso über Ausbildung, Forschung und soziale Projekte – Hinweise auf konkrete Fortschritte beim Kraftwerksbau fehlten.

Die Zurückhaltung deutet auf anhaltende Vorbehalte hin. So wurde der ursprünglich für Ende 2024 geplante Beginn der Betonarbeiten für den ersten kleineren Reaktor in der Region Dschissach verschoben. Die erforderlichen Genehmigungen der Aufsichtsbehörden stehen noch aus. Usbekische Medien berichten zudem, dass zentrale Finanzierungsfragen des Rosatom-Projekts weiterhin ungeklärt seien.

Gleichzeitig betonte die Präsidialverwaltung, die Planungsarbeiten am ersten Reaktor liefen weiter. Ursprünglich war vorgesehen, ihn im Jahr 2029 in Betrieb zu nehmen.

Regionale Zweifel an Rosatom

Usbekistan ist nicht das einzige Land in Zentralasien, das Rosatoms Zusagen zunehmend kritisch prüft. Auch in Kasachstan, wo der Konzern den Bau des ersten Kernkraftwerks des Landes übernehmen soll, wächst die Vorsicht. Ende 2025 schloss Astana ein Abkommen mit den USA über Sondierungsarbeiten für den Einsatz kleiner modularer Reaktoren (SMR) – ein Schritt, der als strategische Absicherung gilt.

Die Signale aus Taschkent und Astana zeigen: Rosatoms Versuche, seine Rolle als verlässlicher Partner in der internationalen Nuklearwirtschaft zu behaupten, stoßen zunehmend auf Zurückhaltung. Die geopolitischen und finanziellen Risiken wiegen schwerer – selbst dort, wo der Bedarf an neuer Energie groß ist.


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews

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