Kasachstan hat sich zum führenden Markt Zentralasiens für grüne und nachhaltige Anleihen entwickelt. In anderen Ländern der Region besteht jedoch ebenfalls großes Potenzial, sagte Manas Gizhduaniyev, Geschäftsführer des AIFC Green Finance Centre (GFC), am Rande des Regionalen Ökologiegipfels 2026 in Astana.
„Unsere Hauptaufgabe ist die Förderung grüner und nachhaltiger Finanzdienstleistungen in Kasachstan“, sagte Gizhduaniyev. Das Zentrum ist eine Tochtergesellschaft des Astana International Financial Centre, arbeitet aber auch mit anderen zentralasiatischen Ländern zusammen.
In den vergangenen fünf Jahren spielte das GFC eine wichtige Rolle beim Aufbau des Marktes. „Wir waren maßgeblich an der Entwicklung der grünen Taxonomie für Kasachstan beteiligt und unterstützten die Emission der ersten grünen Anleihe, Sozialanleihe und nachhaltigen Anleihe in Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Aserbaidschan“, sagte er.
Kasachstan dominiert den regionalen Markt
Das Zentrum fungiert vor allem als Prüfstelle für grüne Anleihen. Diese Arbeit folgt internationalen Standards, etwa der Climate Bonds Initiative und der International Capital Market Association. Nach Angaben Gizhduaniyevs ist das GFC die einzige Prüfstelle in Zentralasien mit doppelter Akkreditierung.
Der Markt begann zunächst klein. Die erste grüne Anleihe in Kasachstan und Zentralasien wurde 2020 vom staatlichen Damu Fund emittiert. „Der Betrag war sehr gering; es handelte sich um ein Pilotprojekt“, sagte Gizhduaniyev. Damals hätten viele Finanzinstitute noch wenig Erfahrung mit solchen Instrumenten gehabt.
Seitdem ist das Volumen deutlich gestiegen. Nationale Unternehmen, Tochtergesellschaften von Samruk-Kazyna und die Baiterek Holding haben inzwischen grüne, soziale und nachhaltige Anleihen ausgegeben.
In Zentralasien belaufen sich die ausstehenden nachhaltigen Anleihen laut Gizhduaniyev auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar. Davon entfallen etwa 2,9 Milliarden US-Dollar auf Kasachstan. Damit dominiert das Land den regionalen Markt.
Kasachstan und Usbekistan zählen zu den wichtigsten Emittenten, unterscheiden sich aber in ihrer Marktstruktur. „In Kasachstan werden thematische Anleihen hauptsächlich von Unternehmen, Banken und staatlichen Firmen genutzt“, sagte Gizhduaniyev. „In Usbekistan hingegen hat das Finanzministerium mehrere grüne Staatsanleihen und ESG-Anleihen emittiert.“ Dort werde der Markt stärker vom Staat getragen, während er in Kasachstan vor allem vom Privatsektor und staatsnahen Unternehmen geprägt sei.
Börsen schaffen zusätzliche Anreize
Auch die lokalen Börsen unterstützen die Entwicklung. In Kasachstan werden nachhaltige Anleihen vor allem an der Astana International Exchange und an der KASE platziert. Beide Börsen haben die Notierungsgebühren für grüne, soziale und nachhaltige Anleihen erlassen.
Diese Kombination aus Standards, Prüfung und finanziellen Anreizen erleichtert die Emission. „Wir haben jetzt eine gemeinsame Sprache dafür, was als umweltfreundlich gilt, einen globalen Verifizierer und Anreize von den Börsen“, sagte Gizhduaniyev. Dadurch könne die Ausgabe solcher Anleihen günstiger sein als die klassischer Anleihen.
Das Interesse in der Region dürfte weiter wachsen. Das GFC arbeitet nach eigenen Angaben mit Kirgisistan, Usbekistan, Aserbaidschan und Tadschikistan zusammen. Besonders bei Finanzunternehmen sieht Gizhduaniyev großes Potenzial. Viele Banken planten grüne Anleihen und entwickelten derzeit entsprechende Rahmenwerke.
Zuletzt gingen die Emissionsvolumina allerdings zurück. Nach einem Rekordjahr 2024 sank das Volumen grüner Anleihen in Zentralasien 2025 um etwa 25 Prozent. Gizhduaniyev führt dies auf Änderungen bei Förderprogrammen zurück. 2024 hatte es in Kasachstan ein Subventionsprogramm gegeben, das kleinen und mittleren Unternehmen staatliche Unterstützung bei Kuponzahlungen ermöglichte. Dadurch wurden Emissionen besonders attraktiv. Dieses Programm wurde inzwischen angepasst.
Trotzdem steht der Markt noch am Anfang. „Der Markt ist momentan klein, aber wir arbeiten an seiner Entwicklung. Er ist erst fünf Jahre alt“, sagte Gizhduaniyev.
Die Mittel aus grünen und nachhaltigen Anleihen fließen vor allem in erneuerbare Energien, Klimaanpassung, Energieeffizienz und Abfallwirtschaft. Besonders die Abfallwirtschaft gewinnt an Bedeutung. „Das ist ein großes Problem, nicht nur in Kasachstan, sondern in ganz Zentralasien“, sagte er.
Derzeit arbeitet das GFC an fünf Projekten, für die grüne Anleihen vorbereitet werden. Mit den beteiligten Unternehmen seien bereits Verträge unterzeichnet worden. Nun gehe es darum, Zweitmeinungen und Prüfungen für die geplanten Emissionen einzuholen.
