Autor: Jonas Prien
Usbekistan ist nach drei Niederlagen bei der Fußball-WM in Nordamerika als Gruppenletzter ausgeschieden. Trotz kämpferischer Leistung konnte das Team gegen die Auswahl der Demokratischen Republik Kongo erneut nicht gewinnen. Doch Usbekistan kann sich als Gewinner sehen: euphorische Fans, leidenschaftliche Spieler und überhaupt die Teilnahme am Mega-Event.
Schon Stunden vor dem Anpfiff des letzten Gruppenspiels der Usbeken ist das Fußballfieber in den schmalen Gassen der Altstadt von Chiwa spürbar. Selbst im tiefen Westen des wüstenreichen Landes in Zentralasien an der Grenze zu Turkmenistan gibt es kaum ein anderes Thema als Fußball. Zwischen den mächtigen Lehmziegelmauern von Itchan-Kala haben sich viele Fans versammelt. Manche tragen das weiße Nationalmannschaftstrikot, andere haben sich trotz der abendlichen Hitze mit Schals eingedeckt. Auf dem großen Platz vor der Zitadelle spielen Kinder Fußball, während die Mauern der umliegenden Gebäude angestrahlt werden.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
„Heute schaffen wir es“, sagt der 19-jährige Aziz und streicht sich nervös über den Schal in den Nationalfarben. „Wir müssen einfach gewinnen.“ Usbekistan spielt gegen den Kongo im letzten Gruppenspiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach zwei Niederlagen gegen Kolumbien und Portugal ist das Weiterkommen nur noch theoretisch möglich. Doch das interessiert hier kaum jemanden. Die Euphorie, die dieses Turnier ausgelöst hat, ist größer als jede Enttäuschung.
Denn erstmals überhaupt spielt Usbekistan bei einer Weltmeisterschaft. Schon die Qualifikation wurde im ganzen Land wie ein Titelgewinn gefeiert. Nun fiebert das ganze Land mit – auch hier in Chiwa, fernab der Großstädte Taschkent, Namangan und Samarkand.
Fulminanter Start
Die ersten Minuten nähren die Hoffnung. Usbekistan spielt mutig, sucht den Weg nach vorne, gewinnt Zweikämpfe. Jeder gelungene Pass wird gefeiert, jeder Schuss mit einem kollektiven Raunen begleitet. Für einen Moment scheint alles möglich. Schon nach wenigen Sekunden zappelt der Ball im Netz, doch der Linienrichter hebt die Fahne: Abseits.
Als nach zehn Minuten der Stürmer Shomurodov sehenswert mit einem Heber ins kongolesische Tor trifft, gibt es kein Halten mehr. Alle Zuschauer springen auf und liegen sich in den Armen.
Kongo schlägt zurück
Doch der Kongo verkraftet den Rückstand problemlos und kommt kurze Zeit später zum Ausgleich, der wegen eines vorausgegangenen Fouls aberkannt wird.Trotz einiger Chancender Usbeken ist zur Halbzeit klar, dass der Kongo noch nicht besiegt ist.
Ausgerechnet Verteidigerstar Khusanov von Manchester City foult einen Angreifer des Kongos im Strafraum. In kurzer Folge fallen drei Tore für den Kongo, die damit erstmals den Einzug in die K.-o.-Runde sichern und das Ausscheiden Usbekistans besiegeln.
Was bleibt?
Mit dem 1:3 verliert Usbekistan auch sein drittes Gruppenspiel. Die Bilanz liest sich ernüchternd: null Punkte, 2:11 Tore. Sportlich ist die Weltmeisterschaft damit schnell erzählt. Und doch wäre es ein Missverständnis, dieses Turnier allein an Zahlen festzumachen.
Die Teilnahme Usbekistans hat in der Heimat für Euphorie und Stolz gesorgt. Aziz ist trotz des bitteren Ausscheidens hoffnungsvoll: „Das ist erst der Anfang, nächstes Mal kommen wir stärker wieder.“
Auch international bleibt Usbekistan in guter Erinnerung. In den sozialen Medien gingen einige Videos usbekischer Fans viral. Darunter ist ein Video zu sehen, das usbekische Krieger in traditioneller Rüstung zeigt, die auf Pferden an der Spitze einer Fangruppe zum Stadion in Houston reiten. Die Fans haben einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen und ihr Land als Fußballnation präsentiert.

