Präsident Shavkat Mirziyoyev hat umfassende Maßnahmen zur Stärkung der usbekischen Baustoffindustrie angeordnet. Ziel ist es, den Einsatz lokal produzierter Baumaterialien in der wachsenden Zahl von Wohnungsbau-, Infrastruktur- und Tourismusprojekten des Landes deutlich zu erhöhen.
Mirziyoyev leitete am 25. Juni eine Regierungssitzung per Videokonferenz und stellte einen direkten Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Sektors und der Umsetzung der auf dem fünften Tashkent International Investment Forum (TIIF 2026) unterzeichneten Vereinbarungen her. Auf dem Forum schloss Usbekistan 177 Investitionsabkommen mit ausländischen Partnern im Gesamtwert von 43 Milliarden US-Dollar ab.
„Jede Vereinbarung muss in konkrete Projekte, neue Arbeitsplätze und wettbewerbsfähige Produkte umgesetzt werden“, erklärte der Präsident und wies die zuständigen Behörden an, die Umsetzung der Investitionszusagen zu beschleunigen und die Qualität der Projekte in allen Regionen des Landes zu verbessern.
Vertreter der Regierung räumten ein, dass die Investitionen bislang ungleich verteilt seien. Vier Regionen hätten in den vergangenen fünf Jahren rund die Hälfte aller Investitionen angezogen, während sich die Kapitalrendite zwischen den einzelnen Landesteilen deutlich unterscheide.
Um die Investitionsplanung zu verbessern, wurden 14 Denkfabriken sowie 37 Forschungsinstitute und Universitäten damit beauftragt, das wirtschaftliche Potenzial aller Bezirke zu analysieren und Investitionsvorschläge für zwölf strategische Wirtschaftszweige zu erarbeiten.
Baustoffproduktion wächst rasant
In den vergangenen zehn Jahren flossen rund 12 Milliarden US-Dollar in die Baustoffindustrie. Dadurch entstanden mehr als 4.000 neue Produktionsstätten.
Inzwischen decken heimische Hersteller rund 98% des Bedarfs an Baumaterialien für den Wohnungs- und Industriebau. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil lediglich bei 30 bis 40%, als sich die Produktion im Wesentlichen auf Zement, Ziegel, Glas und einfache Zuschlagstoffe beschränkte.
Der Produktionswert des Sektors stieg im gleichen Zeitraum von 7 Billionen UZS auf 53 Billionen UZS. Die Exporte erreichten im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden US-Dollar.
Nach Angaben der Regierung reichen die inländischen Produktionskapazitäten inzwischen aus, um die nationale Nachfrage nach mehr als 20 wichtigen Bauprodukten vollständig zu decken. Dazu zählen unter anderem Zement, Glas, Keramik, Basaltprodukte, Porenbetonsteine sowie zunehmend hochwertige Dämmstoffe, Verbundwerkstoffe und Materialien für den Innenausbau.
Großprojekte treiben die Nachfrage an
Im Rahmen des langfristigen Wohnungsbauprogramms soll die Zahl der jährlich errichteten Wohnungen bis 2040 auf 280.000 steigen und sich damit nahezu verdoppeln. Gleichzeitig soll sich die Zahl der Wohnbauprojekte im Programm „Yangi Uzbekistan“ von derzeit 61 auf 120 erhöhen.
Auch der gewerbliche Hochbau wächst dynamisch. Jährlich werden inzwischen 20 bis 25 Millionen Quadratmeter neuer Gebäudefläche fertiggestellt. Dadurch entsteht ein geschätzter jährlicher Bedarf an Baumaterialien im Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar.
Mit der Umsetzung der auf dem diesjährigen Investitionsforum angekündigten Großprojekte dürfte die Nachfrage weiter steigen.
Zu den wichtigsten Vorhaben zählen das Kernkraftwerk in der Region Jizzakh, eine vierte Kupferverarbeitungsanlage in der Region Taschkent, der neue internationale Flughafen Taschkent, ein Stadion mit 55.000 Plätzen in Neu-Taschkent sowie die 282 Kilometer lange Schnellstraße zwischen Taschkent und Samarkand.
Faire Wettbewerbsbedingungen für heimische Hersteller
Ein zentraler Diskussionspunkt der Sitzung war der Wettbewerb zwischen importierten und lokal produzierten Baumaterialien.
Ausländische Investoren, die an Großprojekten beteiligt sind, hatten Mehrwertsteuerbefreiungen für importierte Baumaterialien gefordert. Inländische Hersteller argumentieren dagegen, dass gleiche steuerliche Bedingungen notwendig seien, um einen fairen Wettbewerb sicherzustellen.
Mirziyoyev beauftragte die Regierung deshalb mit der Ausarbeitung einer Verordnung, die identische steuerliche Rahmenbedingungen für importierte und heimische Baustoffe bei großen Investitionsprojekten schaffen soll. Damit will die Regierung die heimische Industrie stärken, ohne die Attraktivität des Landes für ausländische Investoren zu beeinträchtigen.
Darüber hinaus wurden die regionalen Behörden angewiesen sicherzustellen, dass mindestens 95% der Baumaterialien für neu errichtete Hotels im Rahmen des zweijährigen Tourismusförderprogramms aus heimischer Produktion stammen.
Energieeffizienz als neuer Schwerpunkt
Ein weiterer Schwerpunkt der Beratungen war die Energieeffizienz. Nach Angaben des Präsidenten könnten moderne Wärmedämmstoffe und energieeffiziente Fenster den Heiz- und Stromverbrauch neuer Wohngebäude um bis zu 30% senken.
Als Beispiel verwiesen Regierungsvertreter auf ein Pilotprojekt im Bezirk Kamashi, das gemeinsam mit französischen und britischen Ingenieurbüros entwickelt wurde. Durch den ausschließlichen Einsatz energieeffizienter heimischer Baustoffe konnten die Baukosten um 20% sowie die Heiz- und Kühlkosten um bis zu 30% reduziert werden. Das Modell soll noch in diesem Jahr auf 33 Städte und Bezirke ausgeweitet werden.
Regierung setzt auf Exportoffensive
Mirziyoyev forderte zudem eine stärkere Exportoffensive. Die Nachbarstaaten importieren jährlich Baumaterialien im Wert von rund 13 Milliarden US-Dollar. Nach Schätzungen der Regierung könnten allein die zentralasiatischen Märkte zusätzliche Exporte aus Usbekistan im Umfang von rund 440 Millionen US-Dollar aufnehmen.
Der Präsident ordnete außerdem den Bau von Demonstrationsprojekten für energieeffizientes Wohnen sowie Investitions-Roadshows in Aserbaidschan, Georgien, Russland, Kasachstan und Kirgisistan an, um usbekische Baustoffe und Bautechnologien international bekannter zu machen.
Modernisierung statt Kapazitätsausbau
Obwohl die Produktionskapazitäten für Zement, Glas, Basaltprodukte und Keramikfliesen den Inlandsbedarf voraussichtlich bis mindestens 2035 decken werden, soll sich die Branche künftig stärker auf technologische Modernisierung und die Herstellung höherwertiger Produkte konzentrieren, anstatt lediglich die Produktionskapazitäten auszubauen.
Unternehmen, die in energieeffiziente Produktionsanlagen investieren, erhalten staatliche Zuschüsse in Höhe von 7% der Zinskosten für Kredite in usbekischen Sum sowie 4% für Fremdwährungskredite.
Darüber hinaus plant die Regierung die Einführung einer digitalen Plattform für nationale und internationale Qualitätszertifizierungen. Noch in diesem Jahr sollen mindestens 50 Unternehmen bei der Erlangung international anerkannter Zertifikate unterstützt werden.

