Die usbekische Regierung betrachtet den Tourismus zunehmend als einen der wichtigsten Treiber für Wirtschaftswachstum, Investitionen und Beschäftigung. Gestützt auf milliardenschwere Infrastrukturinvestitionen, umfassende Visareformen und den Ausbau Taschkents zu einem regionalen Luftfahrtdrehkreuz will sich das Land als führendes Reiseziel Zentralasiens etablieren.
Auf dem Tashkent International Investment Forum (TIIF 2026) machten Regierungsvertreter, Luftfahrtexperten und Investoren deutlich, dass Tourismus längst nicht mehr nur als kultureller Sektor betrachtet wird, sondern als strategischer Wirtschaftszweig mit erheblichem Potenzial für die Diversifizierung der Wirtschaft.
„Der Tourismus ist heute nicht nur einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige, sondern auch ein wichtiger Motor für Investitionen, neue Arbeitsplätze, regionale Entwicklung und internationale Zusammenarbeit“, sagte Abdullaziz Akkulov, Vorsitzender des usbekischen Tourismuskomitees.
Rekordwachstum bei Besucherzahlen und Einnahmen
Die Zahlen unterstreichen die Dynamik des Sektors. Im Jahr 2024 begrüßte Usbekistan rund 8,2 Millionen ausländische Besucher – nach 6,6 Millionen im Vorjahr. Das Wachstum setzte sich 2025 fort: In den ersten fünf Monaten stieg die Zahl der ausländischen Touristen um 48,2% auf 4,2 Millionen.
Akkulov erklärte auf dem TIIF, dass die Besucherzahlen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 erneut um 27% auf 5,5 Millionen gestiegen seien. Langfristig strebt die Regierung zwischen 15 und 20 Millionen internationale Touristen pro Jahr sowie Tourismuseinnahmen von bis zu 15 Milliarden US-Dollar an.
Der Tourismus trägt inzwischen rund 3% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Zwar liegt dieser Wert noch deutlich unter dem globalen Durchschnitt von etwa 10%, doch sehen die Behörden darin ein erhebliches Wachstumspotenzial.
Besonders stark wächst die Zahl der Besucher aus China, Indien, der Türkei und Südkorea, während Reisende aus den Nachbarstaaten Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan weiterhin den größten Anteil stellen.
Auch die Tourismusexporte legten kräftig zu: Laut Akkulov stiegen die Einnahmen aus touristischen Dienstleistungen von 531 Millionen US-Dollar im Jahr 2017 auf mittlerweile rund 8 Milliarden US-Dollar.
Reformen als Grundlage des Erfolgs
Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben die seit 2016 eingeleiteten Reformen von Präsident Shavkat Mirziyoyev.
„Was uns vor 2016 fehlte, war politischer Wille“, sagte Akkulov. „Dank der Politik der Offenheit hat das neue Usbekistan seine Türen weit für die internationale Gemeinschaft geöffnet.“
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen umfassende Visaliberalisierungen. Usbekistan gewährt inzwischen Bürgern aus mehr als 65 Staaten visafreie Einreise und hat die Einreiseverfahren für zahlreiche weitere Länder vereinfacht. Hinzu kommen neue Visafreiheitsabkommen, unter anderem mit China. Ab 2026 sollen auch US-Bürger für Aufenthalte von bis zu 30 Tagen visafrei einreisen können.
Parallel dazu hat die Regierung internationale Marketingkampagnen intensiviert und den Tourismussektor eng mit ihrer Strategie zur Anwerbung ausländischer Direktinvestitionen verknüpft.
Milliardeninvestitionen in Infrastruktur
Um das starke Besucherwachstum zu bewältigen, investierte Usbekistan in den vergangenen acht Jahren rund 6,5 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner touristischen Infrastruktur.
Mit den Mitteln wurden unter anderem rund 130.000 Hotelzimmer geschaffen, 20 Ferienanlagen errichtet und zahlreiche touristische Einrichtungen modernisiert. Zusätzlich erhielten Hotelentwickler staatliche Förderungen von mehr als 22 Millionen US-Dollar.
Gleichzeitig verfolgt die Regierung das Ziel, das touristische Angebot breiter aufzustellen. Neben den historischen Zentren Samarkand, Buchara und Chiwa werden gezielt Investitionen in den Öko-, Gesundheits-, Pilger- und Bergtourismus gefördert.
Auch die Digitalisierung spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Eine nationale Tourismusplattform soll künftig Dienstleistungen bündeln und das Management des Sektors modernisieren. Darüber hinaus ist die Einrichtung eines internationalen Büros für „Tourismus entlang der Seidenstraße“ in Samarkand geplant.
Luftfahrt als Schlüssel zur Tourismusstrategie
Eine zentrale Rolle in den Entwicklungsplänen spielt die Luftfahrt. Für die Regierung ist die bessere internationale Anbindung entscheidend, um die ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen.
„Das wichtigste Instrument ist die Luftfahrt“, sagte Mario Ebcim, Vertriebsdirektor für Eurasien und Indien bei Boeing Commercial Airplanes.
Im Mittelpunkt steht dabei der Ausbau Taschkents zu einem internationalen Drehkreuz zwischen Europa, Asien, dem Nahen Osten und Indien. Der neue Flughafen der Hauptstadt soll die Kapazitäten deutlich erhöhen und langfristig mit etablierten Hubs wie Istanbul konkurrieren.
Parallel dazu bereitet die Regierung den Börsengang der nationalen Fluggesellschaft Uzbekistan Airways vor. Zudem werden internationale Flugverbindungen kontinuierlich erweitert.
Nach Ansicht von Branchenvertretern könnte Taschkent künftig nicht nur ein bedeutendes Passagierdrehkreuz, sondern auch ein wichtiger Fracht- und Logistikstandort entlang des Mittleren Korridors zwischen Europa und Asien werden.
Die Marke Usbekistan international etablieren
Neben Infrastrukturinvestitionen sehen Experten auch die internationale Vermarktung als entscheidenden Erfolgsfaktor.
Die historischen Städte Samarkand und Buchara genießen weltweit einen außergewöhnlichen Ruf. Nun versucht die Regierung, dieses kulturelle Erbe in eine moderne Tourismusmarke zu überführen.
Dabei spielen digitale Technologien und künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle. Neue Marketingstrategien, soziale Medien und Filmtourismusprogramme sollen dazu beitragen, die internationale Wahrnehmung Usbekistans zu stärken und zusätzliche Besucher anzuziehen.
Tourismus als Symbol des wirtschaftlichen Wandels
Trotz aller Fortschritte bleibt die internationale Bekanntheit Usbekistans außerhalb der Region begrenzt. Viele potenzielle Reisende verbinden Zentralasien noch immer mit Abgeschiedenheit oder Unsicherheit.
Die Regierung sieht darin jedoch vor allem eine Chance. Mit vier UNESCO-Welterbestätten, einer strategischen Lage zwischen Europa und Asien sowie einer zunehmend offenen Wirtschaft verfügt das Land über attraktive Voraussetzungen für weiteres Wachstum.
Für die politischen Entscheidungsträger ist der Tourismus inzwischen weit mehr als nur ein Instrument zur Förderung des kulturellen Erbes. Er gilt als Schlüsselbranche für Exporterlöse, Investitionen, Beschäftigung und die langfristige Diversifizierung der Wirtschaft.

