9,3 Mrd. US-Dollar: Usbekistans Rücküberweisungen steigen, Russlands Anteil schrumpft
Rücküberweisungen nach Usbekistan steigen im ersten Halbjahr um 13 % auf 9,3 Mrd. US-Dollar: Russlands Anteil fällt auf 72,4 %, Transfers aus Großbritannien legen um 62 % zu.
Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“, Autor: Thomas Baier
9,3 Mrd. US-Dollar an Rücküberweisungen flossen im ersten Halbjahr 2026 nach Usbekistan, 13 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Das zeigt der aktuelle Devisenbericht der usbekischen Zentralbank. Russlands Anteil an den Zuflüssen sank binnen Jahresfrist von 77,6 % auf 72,4 %. Usbekistans Gastarbeiter verdienen ihr Geld zunehmend in Europa, Ostasien und den Nachbarstaaten, und sie schicken so viel nach Hause wie nie zuvor.
Transfers aus Großbritannien wachsen um 62 %
Die Zentralbank registrierte im ersten Halbjahr 2025 noch 8,21 Mrd. US-Dollar an Zuflüssen. Binnen zwei Jahren wuchsen die Überweisungen um 44 %, im ersten Halbjahr 2024 waren es 6,5 Mrd. US-Dollar. Die Dynamik nahm zuletzt Monat für Monat zu: Im Januar und Februar kamen je 1,2 Mrd. US-Dollar an, im März 1,3 Mrd., im April 1,6 Mrd., im Mai 1,7 Mrd. und im Juni bereits 2,2 Mrd. US-Dollar. In die Gegenrichtung überwiesen Privatpersonen 1,33 Mrd. US-Dollar ins Ausland, 8,1 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Netto blieben rund 8 Mrd. US-Dollar im Land. Das usbekische Nachrichtenportal Gazeta.uz schlüsselte die Länderdaten aus dem Zentralbankbericht am 17. August auf. Danach überwiesen Usbeken aus Kasachstan 469 Mio. US-Dollar (plus 28 % zum Vorjahr), aus den USA 372 Mio. (plus 19 %), aus der EU 319 Mio. (plus 27 %), aus Südkorea 314 Mio. (plus 11 %) und aus der Türkei 303 Mio. US-Dollar (plus 14 %). Am schnellsten wuchsen die Transfers aus Großbritannien: um 62 % auf 144 Mio. US-Dollar. Innerhalb der EU stachen Irland mit plus 86 % und Litauen mit plus 18 % heraus. Russland bleibt mit fast drei Vierteln der Zuflüsse die dominante Quelle, verliert aber Jahr für Jahr Gewicht. Im Gesamtjahr 2025 erhielt Usbekistan 18,9 Mrd. US-Dollar aus dem Ausland, 28 % mehr als 2024.
Weniger Migranten in Russland, mehr in Europa
Hinter den Geldströmen steht eine Verschiebung der Arbeitsmigration. Laut der usbekischen Migrationsbehörde arbeiten 1,4 Mio. Usbeken im Ausland. In Russland sind es 834.200 Personen, also 60 %. In Europa arbeiten 258.000 Usbeken, in Kasachstan 84.400, in der Türkei 72.100 und in Südkorea 46.400. Die Richtung ist eindeutig: Die Zahl der Migranten in den GUS-Staaten fiel binnen Jahresfrist um 29 %. In Europa stieg sie um 42 %, in Ostasien um 26 %. Frauen stellen mit 398.900 Personen 28,6 % der Arbeitsmigranten, junge Menschen mit 402.100 Personen 28,9 %. Die Regierung steuert nach: 48 Abkommen zur Arbeitsmigration mit 23 Ländern sind in Kraft. Seit Jahresbeginn vermittelte sie 124.500 Bürger in besser bezahlte Jobs im Ausland. Auch die Zahlungswege wandeln sich. Direktüberweisungen auf Bankkarten erreichten 4,8 Mrd. US-Dollar, das sind 51,7 % aller Zuflüsse und ein Plus von 32 %. Klassische Transferdienste stagnierten bei 4,3 Mrd. US-Dollar. SWIFT-Überweisungen brachen um 43 % auf 142 Mio. US-Dollar ein. Die Devisen stützen die Landeswährung: Privatpersonen verkauften den Banken im ersten Halbjahr 12,3 Mrd. US-Dollar, 40 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Sie kauften zugleich nur 6,8 Mrd. US-Dollar, der Nettoüberschuss lag bei 5,5 Mrd. US-Dollar. Der Soum wertete zuletzt gegenüber dem US-Dollar auf.
EU-Sanktionen treffen den wichtigsten Überweisungskanal
Der Aufschwung hat eine offene Flanke. Die EU sanktionierte im Juli die Abwicklungsbank des russischen Transferdienstes Korona Pay. Über dieses System fließen nach Angaben der kasachischen Wirtschaftszeitung Kursiv jährlich rund 2,4 Mrd. US-Dollar nach Usbekistan, auch aus Südkorea, der Türkei und der EU. Mehrere usbekische Banken setzten die Transfers daraufhin aus, darunter Kapitalbank, Asakabank und Agrobank. Die Zentralbank beschwichtigt. „Die Beschränkungen zielen auf die Bank, die die Abrechnungen abwickelt, nicht auf das Korona-Pay-System selbst“, sagte Otabek Tojiddinov, Leiter der Abteilung für Währungsregulierung und -aufsicht der Zentralbank. Die Transfers laufen laut Zentralbank vorerst über Sicherheitsleistungen weiter, die usbekische Banken hinterlegt haben. Zugleich verhandelt Taschkent über eine nicht sanktionierte Abwicklungsbank. Für Usbekistan steht viel auf dem Spiel. Die Rücküberweisungen finanzieren Konsum und Importe und federn das chronische Handelsdefizit ab. Die Diversifizierung der Herkunftsländer senkt die Abhängigkeit von russischer Konjunktur und Rubelkurs. Der Fall Korona Pay zeigt zugleich: Die Zahlungsinfrastruktur bleibt verwundbar, solange der Großteil der Transfers über russische Systeme läuft. Ob das Junitempo von 2,2 Mrd. US-Dollar im Monat trägt, hängt an zwei Fragen: an der russischen Nachfrage nach Arbeitskräften und an funktionierenden Überweisungswegen. Hält das Tempo, übertrifft das Gesamtjahr 2026 die Rekordmarke von 18,9 Mrd. US-Dollar aus dem Vorjahr deutlich. Die Antwort liefern die Zahlen der Zentralbank für das dritte Quartal.