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Wettbewerbsranking 2025: Warum Kasachstan aufholt und Osteuropa zurückfällt
Zentralasien · 29.06.2025

Wettbewerbsranking 2025: Warum Kasachstan aufholt und Osteuropa zurückfällt

Mit Platz 35 verbessert sich Kasachstan im IMD-Ranking seit 2022 um neun Plätze.


Autor: Jonas Prien

Jonas Prien Zentralasien

Die globale Wirtschaft steht im Zeichen struktureller Transformationen. Das IMD World Competitiveness Ranking 2025 liefert eine präzise Momentaufnahme: Welche Länder haben die richtigen wirtschaftspolitischen Hebel in Bewegung gesetzt und welche bleiben zurück? Für manchen Beobachter wirkt es überraschend, für Experten erwartbar: Kasachstan verbessert sich im internationalen Vergleich deutlich, während die untersuchten Länder Osteuropas stagnieren oder abrutschen.

Kasachstan: Der stille Aufsteiger in Zentralasien

Mit Platz 35 verbessert sich Kasachstan im IMD-Ranking seit 2022 um neun Plätze. Besonders stark schneidet das Land bei der Regierungseffizienz und Arbeitsmarktdynamik ab. In einzelnen Teilindikatoren, etwa Steuerpolitik und Beschäftigungsquote, liegt das rohstoffreiche Land bereits auf Augenhöhe mit mittelgroßen europäischen Volkswirtschaften. Zu den Ursachen des Aufstiegs gehören vor allem:

Diese Faktoren tragen dazu bei, dass sich Kasachstan von seiner Rolle als rohstofforientierte Exportnation emanzipiert und gezielt Diversifizierung, etwa durch den Ausbau des Finanz- und Technologiesektors, betreibt.

Osteuropa: Reformstaus und geopolitische Risiken bremsen die Dynamik

Im Kontrast dazu zeigt sich ein differenziertes, teils ernüchterndes Bild für viele mittel- und osteuropäische Länder. Staaten wie Ungarn, Polen oder Bulgarien verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Die Gründe liegen laut IMD in folgenden Bereichen:


Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Unsicherheit in Folge des Ukraine-Kriegs und die fragmentierte Handelspolitik innerhalb Europas. Während westeuropäische Staaten durch Marktgröße und Kapitalzugang kompensieren können, geraten kleinere Länder in strukturelle Abhängigkeiten. Die unterbrochenen Lieferketten nach Russland und die Ukraine haben auch für jene Staaten unmittelbare ökonomische Konsequenzen.

Der globale Kontext: Schwellenländer holen auf

Während viele etablierte Märkte, darunter Australien und Deutschland, leicht an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, rücken mehrere Schwellenländer auf:

Diese Länder zeigen, dass konsequente Strukturpolitik, technologische Investitionen und effiziente Verwaltung entscheidend sind, um Wettbewerbsfähigkeit auch in einem global volatilen Umfeld zu sichern.

Primus: Was kleine Staaten so erfolgreich macht

An der Spitze des Rankings stehen 2025 einmal mehr die Schweiz (Platz 1), Singapur (Platz 2) und Hongkong (Platz 3), drei kleine, aber extrem agile Volkswirtschaften mit globaler Strahlkraft. Die Schweiz überzeugt durch eine außergewöhnliche Kombination aus wirtschaftlicher Stabilität, starker Innovationskraft und hochqualifizierter Arbeitskräftebasis. Hinzu kommen eine verlässliche Rechtsordnung, solide Staatsfinanzen sowie ein exzellentes Bildungssystem. Singapur und Hongkong wiederum punkten mit seiner konsequent unternehmensfreundlichen Politik, effizientem Behördenapparat und strategischer Positionierung als regionales Finanz-, Technologie- und Logistikzentrum. Alle drei sind hochgradig exportorientiert, investieren konsequent in digitale Infrastruktur und setzen auf langfristige politische Ausgewogenheit. Mit diesen Eigenschaften zeigen sich die Staaten nicht nur wettbewerbsfähig, sondern auch resilient gegenüber globalen Krisen. Sie zeigen: Wettbewerbsfähigkeit ist nicht per se eine Frage der Größe, sondern der Qualität staatlicher Rahmenbedingungen und strategischer Weitsicht.

Wettbewerbsfähigkeit ist kein Selbstläufer

Das IMD-Ranking 2025 zeigt: Wettbewerbsfähigkeit ist das Resultat kluger Strukturpolitik, langfristiger Reformorientierung und institutioneller Belastbarkeit. Schwellenländer wie Kasachstan profitieren vom wirtschaftspolitischen Wandel und liefern ein Signal an andere Staaten in Zentralasien und Osteuropa: Wer in Bildung, Infrastruktur und institutionelle Effizienz investiert, kann im globalen Wettbewerb bestehen. Für osteuropäische Staaten ist das ein Weckruf. Ein bloßes Setzen auf kostengünstige Arbeitskräfte reicht im Jahr 2025 nicht mehr aus, entscheidend sind Digitalisierung, gute Governance und klare industriepolitische Visionen.


Link zum vollständigen Report: IMD Report

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    Jonas Prien

    Autor bei ostwirtschaft.de. Berichtet über wirtschaftliche und politische Entwicklungen im Kaukasus und in Zentralasien.

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