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Wildberries baut Geschäft in Zentralasien aus
Usbekistan · 22.06.2026

Wildberries baut Geschäft in Zentralasien aus

Russlands größter E-Commerce-Anbieter Wildberries treibt seine Expansion in Zentralasien voran und setzt dabei insbesondere auf den usbekischen Markt. Nachdem das Wachstum im russischen Onlinehandel zunehmend an Dynamik verliert, richtet das Unternehmen seinen Fokus auf neue Wachstumsmärkte in der Region.

Wildberries wurde 2019 zum größten Einzelhändler Russlands und überholte damit traditionelle Handelsketten. Gründerin Tatiana Kim (geb. Bakalchuk) stieg dadurch zur reichsten Frau des Landes auf.

Inzwischen befindet sich der russische E-Commerce-Markt jedoch in einer Phase der Reifung. Nach Einschätzung von Analysten werden Wildberries und Ozon bis Ende 2026 gemeinsam rund 77% des russischen Onlinehandels kontrollieren. Das Wachstum verlangsamt sich dabei deutlich, da der Markt zunehmend gesättigt ist.

Wildberries dürfte bis Jahresende einen Marktanteil von 45% erreichen, Ozon rund 32%. Der gemeinsame Marktanteil beider Plattformen soll 2026 um fünf Prozentpunkte wachsen – deutlich weniger als die elf Prozentpunkte Zuwachs im Jahr 2025, berichtete die russische Wirtschaftszeitung Kommersant unter Berufung auf eine Analyse des Beratungsunternehmens Euler.

Usbekistan als Wachstumsmarkt

„Wildberries ist 2022 in Usbekistan gestartet. Seitdem haben wir unser Geschäft kontinuierlich ausgebaut und in verschiedene Bereiche investiert. Dazu gehört auch der Bau eines der größten Logistikzentren der Region mit Investitionen von rund 200 Millionen US-Dollar und einer Kapazität von etwa 7.500 Artikeln“, sagte Akmal Primkulov, Landesmanager von Wildberries Usbekistan, in einem Exklusivinterview mit IntelliNews am Rande des Taschkenter Internationalen Investitionsforums (TIIF).

Der usbekische E-Commerce-Markt befindet sich derzeit in einer ähnlichen Entwicklungsphase wie Russland vor rund zehn Jahren. Dank eines Wirtschaftswachstums von 7,7% im vergangenen Jahr steigen die Einkommen, während sich gleichzeitig eine kaufkräftige Mittelschicht herausbildet.

Traditionell erledigten viele Usbeken ihre Einkäufe auf lokalen Basaren. Die Corona-Pandemie sowie die nahezu flächendeckende Verbreitung von Smartphones haben jedoch zu einem deutlichen Wandel des Konsumverhaltens geführt und den Onlinehandel stark beschleunigt.

„Die E-Commerce-Durchdringung liegt in Usbekistan derzeit bei etwa 5,5%, verglichen mit rund 14% in Kasachstan und mehr als 18 % in Russland. Das Wachstumspotenzial ist daher enorm. Wir helfen den Menschen gewissermaßen dabei, die Vorteile des Online-Shoppings zu entdecken und Zeit zu sparen“, erklärte Primkulov.

Nach Angaben des Managers wächst der usbekische E-Commerce-Markt jährlich um rund 40%. Das Marktvolumen lag zuletzt bei etwa 1,8 Milliarden US-Dollar und könnte bereits in diesem Jahr die Marke von 2,5 Milliarden US-Dollar überschreiten.

Logistik und Fintech als nächste Schritte

Um dieses Wachstum zu unterstützen, investiert Wildberries massiv in Logistik und Lagerkapazitäten. Das Unternehmen betreibt derzeit insgesamt 5,6 Millionen Quadratmeter Lagerfläche und erweitert seine Infrastruktur in Usbekistan, Kasachstan und Belarus.

Während Lagerflächen in Usbekistan bislang überwiegend angemietet werden, plant Wildberries nach der Fertigstellung seines ersten eigenen Logistikzentrums in Belarus den Bau eigener Lager in Kasachstan noch in diesem Jahr sowie in Usbekistan ab 2027.

Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil bleibt die schnelle Zustellung. Trotz der Größe des Landes kann Wildberries nach eigenen Angaben Bestellungen innerhalb von ein bis zwei Tagen nahezu landesweit liefern.

„Auch Menschen in kleineren Städten können heute auf das gleiche Angebot zugreifen wie Kunden in Taschkent. Dank der nahezu vollständigen Smartphone-Abdeckung und mehr als 140 Abholstationen verfügen wir bereits über ein dichtes Vertriebsnetz im ganzen Land“, sagte Primkulov.

Für die kommenden Jahre sieht Wildberries weiteres Potenzial über den klassischen Onlinehandel hinaus. Dazu zählen insbesondere Finanzdienstleistungen und Fintech-Angebote.

„Der nächste logische Schritt sind Finanz- und Bankdienstleistungen sowie weitere digitale Services. Das ist eine natürliche Entwicklung für einen reifenden E-Commerce-Markt“, erklärte Primkulov.

Besonders attraktiv sei dabei die demografische Entwicklung Usbekistans. Mit einem Durchschnittsalter von nur 28 Jahren, steigenden Einkommen und den wirtschaftlichen Reformen von Präsident Shavkat Mirziyoyev verfüge das Land über ausgezeichnete Voraussetzungen für weiteres Wachstum.

„Im internationalen Vergleich gehört Usbekistan derzeit zu den attraktivsten E-Commerce-Märkten überhaupt“, so Primkulov.

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