Der Rüstungs- und Maschinenbaukonzern Czechoslovak Group (CSG) hat Medienberichte über einen angeblichen geheimen „Geldkanal“ zwischen dem Finanz-Startup Fingood und der Anwaltskanzlei Kallan Legal zurückgewiesen. Die Kanzlei gehört mehrheitlich dem slowakischen Verteidigungsminister Robert Kaliňák.
„Weder die CSG-Gruppe noch ich persönlich waren jemals Vertragspartner zwischen Fingood und der Anwaltskanzlei Kallan Legal“, erklärte CSG-Chef und Eigentümer Michal Strnad in einer Stellungnahme gegenüber bne IntelliNews.
Strnad betonte zudem, CSG habe der Kanzlei niemals Rechtsdienstleistungen in Auftrag gegeben oder bezahlt. Auch gebe es keine finanziellen Beziehungen zwischen dem Unternehmen und Minister Kaliňák. Zudem stellte Strnad klar, dass er weder Eigentümer von Fingood sei noch an dessen Geschäftsführung beteiligt.
Medienberichte über Zahlungen
Die Stellungnahme reagiert auf Recherchen des tschechischen Onlineportals Seznam Zprávy. Demnach soll Fingood über mehrere Jahre Zahlungen an Kallan Legal geleistet haben.
Ein ehemaliger Manager des Start-ups erklärte gegenüber dem Medium, dass jährlich zwischen zwei und drei Millionen tschechische Kronen an die Kanzlei überwiesen worden seien. Für das kleine Unternehmen sei dies eine erhebliche Summe gewesen.
Auch frühere Führungskräfte bestätigten laut Bericht entsprechende Zahlungen. Der ehemalige CEO Vít Endler erklärte, dass Kallan Legal regelmäßig Rechnungen gestellt habe – teilweise im Umfang von mehreren Zehntausend oder sogar Hunderttausend Kronen pro Monat. FinGood plante ursprünglich einen Markteintritt in der Slowakei. Das Projekt wurde jedoch nach Angaben des Unternehmens im Jahr 2024 aufgegeben.
Zusammenhang mit Verteidigungsaufträgen
Journalisten vermuten, dass die Zahlungen im Zusammenhang mit den umfangreichen Verteidigungsaufträgen stehen könnten, die CSG seit 2023 vom slowakischen Verteidigungsministerium erhalten hat. Seit der Rückkehr der Partei Smer von Premierminister Robert Fico an die Macht soll CSG laut Investigativjournalisten Aufträge im Wert von rund 60,36 Milliarden Euro erhalten haben.
Kaliňák bestätigte gegenüber Seznam Zprávy, dass seine Kanzlei für Fingood gearbeitet habe. Aufgrund der anwaltlichen Schweigepflicht könne er jedoch keine weiteren Details nennen. Zudem erklärte er, nichts über eine mögliche Verbindung zwischen Fingood und Strnad gewusst zu haben.
CSG verweist auf Börsenerfolg
CSG gehört zu den wichtigsten Rüstungsauftragnehmern der Slowakei. Der Börsengang des Unternehmens an der Euronext in Amsterdam am 23. Januar wurde laut Euronext als größter Börsengang eines Verteidigungsunternehmens weltweit bezeichnet.
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 32 Milliarden Euro gilt CSG inzwischen als wertvollstes tschechisches Unternehmen und überholte damit den staatlich dominierten Energieversorger ČEZ. Bloomberg schätzt das Vermögen von CSG-Chef Michal Strnad auf rund 37 Milliarden US-Dollar. Damit zählt er zu den reichsten Unternehmern unter 40 Jahren weltweit.
Verteidigungsindustrie als politisches Streitthema
Strnad erklärte, die Verteidigungsindustrie gehöre zu den am stärksten regulierten Branchen. Er bestätigte zudem, Kaliňák persönlich zu kennen, betonte jedoch, dass die Zusammenarbeit ausschließlich im Rahmen der Entwicklung der slowakischen Rüstungsindustrie erfolgt sei.
„Dank dieser Strategie hat sich die Slowakei in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten europäischen Hersteller großkalibriger Munition entwickelt“, sagte Strnad. Dies habe Tausende Arbeitsplätze geschaffen und dem Staat erhebliche Steuereinnahmen eingebracht. Er kritisierte zudem, dass die Entwicklung der Verteidigungsindustrie zunehmend Teil politischer Auseinandersetzungen geworden sei.
CSG investiere derzeit weiter in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten in der Slowakei, erklärte Strnad. Die diskutierten Verteidigungsaufträge seien überwiegend Rahmenverträge, denen sich auch andere Staaten anschließen könnten.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews
