Aserbaidschans Wirtschaft dürfte 2026 moderat wachsen. Fitch Solutions prognostiziert ein Plus von 2,5 Prozent, nach geschätzten 1,4 Prozent im Jahr 2025. Getragen werden soll der Aufschwung vor allem von der Binnennachfrage – während der Ölsektor weiter unter Druck steht.
Nach Einschätzung der Analysten wird insbesondere der private Konsum das Wachstum antreiben. Sinkende Inflation und ein stabiler Arbeitsmarkt dürften die Kaufkraft stärken. Die Arbeitslosenquote soll bei rund 5,2 Prozent verharren, während steigende Reallöhne zusätzliche Impulse liefern.
Der Ölsektor hingegen bleibt verwundbar. Niedrigere Weltmarktpreise und eine rückläufige Förderung belasten die Branche. Im Dezember 2025 entfielen 47,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf den Ölsektor, während der Nicht-Öl-Bereich 52,7 Prozent ausmachte. Die Ölproduktion sank um 7,3 Prozent, die Gesamtproduktion um 2,6 Prozent. Zugleich wuchs der Nicht-Öl-Sektor um beachtliche 8,6 Prozent – ein Hinweis auf eine allmähliche Diversifizierung.
Neue Handels- und Investitionsabkommen mit China, Deutschland, der Türkei und weiteren europäischen Partnern könnten diese Entwicklung weiter stützen.
Vorsichtige Geldpolitik, stabiler Manat
Fitch erwartet, dass die Zentralbank an ihrer vorsichtigen Linie festhält. Die Inflation soll bis Ende 2026 auf 5,0 Prozent sinken – nach 5,6 Prozent im Jahr 2025 – und damit innerhalb des Zielkorridors von zwei bis sechs Prozent bleiben. Der Leitzins dürfte schrittweise von derzeit 6,50 auf 6,00 Prozent gesenkt werden.
Der Wechselkurs des Manat soll weiterhin eng bei 1,70 AZN je US-Dollar gehalten werden. Damit signalisiert die Regierung ihr anhaltendes Bekenntnis zur Wechselkursstabilität.
Risiken bleiben jedoch bestehen: Geopolitische Spannungen, mögliche neue Sanktionen gegen Russland und Störungen globaler Lieferketten könnten die Inflation erneut anheizen. Aserbaidschan importiert einen erheblichen Teil seiner Agrarprodukte aus Russland und ist daher anfällig für Preis- und Transportkostensteigerungen.
Konservative Haushaltspolitik
Auch fiskalisch rechnet Fitch mit Zurückhaltung. Die Regierung dürfte 2026 an einem konservativen Kurs festhalten und die Abhängigkeit von Öleinnahmen weiter reduzieren. Die Nicht-Öl-Einnahmen sollen zweistellig wachsen und mehr als 57 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen.
Die Transfers des staatlichen Ölfonds SOFAZ an den Haushalt sollen um elf Prozent sinken. Das Haushaltsdefizit wird mit 1,9 Prozent des BIP veranschlagt – in etwa auf dem Niveau von 2025. Angesichts der Unsicherheiten an den Energiemärkten dürfte das Wachstum von Einnahmen und Ausgaben auf rund 0,7 Prozent begrenzt bleiben. Verteidigungsausgaben werden voraussichtlich hoch bleiben.
Geostrategische Perspektiven
Zunehmendes Investoreninteresse gilt dem geplanten TRIPP-Korridor, der das aserbaidschanische Kernland über armenisches Gebiet mit Nachitschewan verbinden soll. Im Zuge des vorläufigen Friedensabkommens mit Armenien und eines stärkeren US-Engagements in der Region könnte das Projekt die Rolle Aserbaidschans als Transitdrehscheibe stärken.
Fitch sieht in parallelen Initiativen in den Bereichen Energie, Logistik und Verkehrsinfrastruktur die Chance, Bakus strategische Bedeutung weiter auszubauen – trotz struktureller Risiken im Ölsektor.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Partner bne intelliNews
