Die durchschnittliche Quote notleidender Kredite (NPLs) in Mittel-, Ost- und Südosteuropa ist 2025 auf einen historischen Tiefstand gesunken, obwohl das Gesamtvolumen problematischer Kredite erstmals seit mehreren Jahren wieder gestiegen ist. Dies zeigt eine zunehmende Differenzierung der Kreditrisiken in der Region, wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in ihrem aktuellen NPL-Monitor berichtet.
NPL-Quote sinkt trotz höherem Kreditvolumen
Nach Angaben der EBRD sank die durchschnittliche NPL-Quote in den von der Bank beobachteten Märkten Ende 2025 auf 1,86%. Grund dafür war, dass das Kreditwachstum schneller zunahm als die Zahl der neu entstandenen notleidenden Kredite.
Gleichzeitig erhöhte sich der Bestand an notleidenden Krediten im Jahresvergleich um 4,5% auf 28,6 Milliarden Euro. Damit wurde der mehrere Jahre anhaltende Rückgang bei den Problemkrediten beendet. Laut EBRD deutet dies auf eine „ungleichmäßigere Entwicklung der Kreditrisiken“ in der Region hin.
„Die NPL-Quoten in den von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung abgedeckten Märkten bleiben nahe historischer Tiefstände. Dies spiegelt die Widerstandsfähigkeit der Bankensysteme trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds wider“, erklärte die Bank in ihrem Bericht.
Gleichzeitig weist die EBRD auf zunehmende Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Wirtschaftssektoren hin. Die Kreditrisiken seien nicht mehr gleichmäßig verteilt, sondern konzentrierten sich zunehmend auf bestimmte Märkte und Branchen.
Unterschiede zwischen den Ländern nehmen zu
Laut dem Bericht verzeichneten Ungarn, Rumänien und Slowenien im Jahr 2025 einen deutlichen Anstieg des Volumens notleidender Kredite. In anderen Ländern setzte sich dagegen die Verbesserung der Vermögensqualität im Bankensektor fort.
In den EU-Staaten Mittel- und Osteuropas sank der Anteil der Kredite der Stufe 2 – also Kredite mit deutlich erhöhtem Ausfallrisiko, aber noch ohne tatsächlichen Zahlungsausfall – bis Ende 2025 auf 8,5%. Im Vorjahr hatte dieser Anteil noch bei 10,4% gelegen.
Der Anteil der Kredite der Stufe 3, die als tatsächlich notleidend gelten, blieb dagegen mit rund 2% weitgehend stabil.
Baugewerbe und Immobilien bleiben Risikosektoren
Die EBRD betonte, dass Gewerbeimmobilien und Bauwirtschaft weiterhin zu den besonders gefährdeten Bereichen zählen. Das Baugewerbe weist dem Bericht zufolge die höchste NPL-Quote in der Region auf.
Auch kleine und mittlere Unternehmen, insbesondere exportorientierte Firmen, bleiben aufgrund geopolitischer Spannungen und unsicherer Handelsbedingungen unter Druck. Die Entwicklung der Konsumkreditvergabe müsse ebenfalls weiterhin genau beobachtet werden.
Die Risikovorsorge der Banken hat sich leicht abgeschwächt. Die regionale Deckungsquote für notleidende Kredite sank bis Ende 2024 auf 62,7%.
Markt für Problemkredite verändert sich
Nach Einschätzung der EBRD befindet sich auch der Markt für den Handel mit notleidenden Krediten im Wandel.
Während in den vergangenen Jahren große Portfoliotransaktionen den Markt geprägt hatten, gewinnen nun kleinere und gezieltere Geschäfte, sogenannte Forward-Flow-Vereinbarungen sowie Verkäufe auf dem Sekundärmarkt zunehmend an Bedeutung.
Kreditrisiken bleiben bestehen
Trotz der positiven Entwicklung bei den NPL-Quoten warnt die EBRD davor, dass das Risiko einer erneuten Zunahme problematischer Kredite weiterhin besteht.
Anhaltende geopolitische Konflikte, die zunehmende Fragmentierung des Welthandels und schwächere Wachstumsaussichten könnten viele kleine und offene Volkswirtschaften der Region weiterhin belasten.
Die Bank betont daher die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung von Kreditproblemen sowie einer schnellen Restrukturierung und Verwertung notleidender Vermögenswerte.
Der NPL Monitor der EBRD umfasst 17 Länder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa und wird im Rahmen der Wiener Initiative veröffentlicht. Das Forum wurde während der Finanzkrise 2009 gegründet, um die Stabilität der Finanzsysteme in den aufstrebenden europäischen Märkten zu unterstützen.


