Die wirtschaftliche Erholung Polens gerät unter Druck: Ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten könnte die Nachfrage in der Eurozone schwächen – und damit ausgerechnet jene Branchen treffen, die auf Konsum und Export angewiesen sind. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Analyse der Bank Pekao.
Steigende Energie- und Rohstoffpreise wirken dabei wie ein doppelter Bremsklotz. Sie treiben die Inflation nach oben und schmälern zugleich die Kaufkraft. Besonders anfällig sind Sektoren wie die Möbel-, Textil- und Haushaltsgeräteindustrie, die stark vom europäischen Absatzmarkt abhängen. Für sie könnte sich die erhoffte Erholung weiter verzögern.
Andere Branchen profitieren zumindest kurzfristig von der Lage. Der Bergbau etwa dürfte von höheren Kohlepreisen Rückenwind erhalten. Auch Teile der Chemieindustrie könnten von steigenden Vorproduktpreisen und geringerer Konkurrenz aus dem Nahen Osten profitieren.
Robuster zeigen sich hingegen Dienstleistungen. Bereiche wie IT, Unternehmensservices und Abfallwirtschaft gelten laut Bericht als vergleichsweise krisenfest – mit stabilen Aussichten selbst in einem angespannten Umfeld.
Im günstigeren Szenario einer schnellen geopolitischen Entspannung würden vor allem dienstleistungsnahe Branchen profitieren. Industrie und Bau hingegen bleiben auch dann anfällig für steigende Kosten und schwankende Nachfrage.
Ein zentrales Risiko sind die Materialkosten: Neben den geopolitischen Verwerfungen treiben auch verstärkte Infrastrukturinvestitionen sowie die Einführung der CO₂-Grenzabgabe (CBAM) die Preise für importierte Metalle und chemische Vorprodukte nach oben.
Etwas Entlastung könnte vom Arbeitsmarkt kommen. Der Lohndruck lässt nach, doch die Kosten bleiben insbesondere für Industrie und Bau hoch.
Stabilisierend wirken dürfte hingegen der Staat: Öffentliche Investitionen, gestützt durch EU-Mittel, gewinnen an Dynamik und könnten 2026 einen wichtigen Beitrag zum Wachstum leisten – auch wenn die Unsicherheiten hoch bleiben.
