Die polnischen Einzelhandelsumsätze sind im Februar gestiegen – doch der Aufschwung fällt weniger überzeugend aus als erhofft. Trotz eines Plus von fünf Prozent im Jahresvergleich blieb die Entwicklung hinter den Erwartungen der Analysten zurück.
Ein Grund liegt im Wetter: Der ungewöhnlich kalte Februar bremste die Kauflust, nachdem viele Verbraucher bereits im Januar größere Anschaffungen getätigt hatten. Doch Ökonomen sehen darin nur einen Teil der Erklärung.
Die Zahlen gelten als letzter unverfälschter Blick auf die Stimmung der Verbraucher vor den jüngsten Verwerfungen auf den Energiemärkten. Für die kommenden Monate rechnen Analysten mit wachsendem Druck: steigende Preise bei gleichzeitig moderater Einkommensentwicklung könnten die Kaufkraft spürbar dämpfen.
Damit gerät eine zentrale Stütze der polnischen Wirtschaft ins Wanken. Der private Konsum war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Wachstumstreiber – eine Abschwächung hätte direkte Folgen für die Konjunktur.
Breite, aber ungleichmäßige Entwicklung
Zwar legten die Umsätze in den meisten Segmenten zu, doch die Dynamik ließ nach. Besonders deutlich zeigt sich das im Bekleidungssektor: Nach einem starken Januar fiel das Wachstum im Februar fast vollständig weg.
Andere Bereiche entwickelten sich stabiler. Der Kraftstoffabsatz zog deutlich an, auch Möbel und Haushaltsgeräte verzeichneten Zuwächse – allerdings schwächer als im Vormonat. Gleichzeitig gingen die Umsätze bei Presse und Büchern deutlich zurück.
Im Vergleich zum Januar sank der Einzelhandelsumsatz deutlich. Selbst bereinigt um saisonale Effekte zeigt sich ein Rückgang – ein Hinweis darauf, dass der Jahresanstieg vor allem auf Basiseffekten beruht. Für die polnische Zentralbank ändern die Zahlen zunächst wenig. Angesichts steigender Energiepreise und anhaltender Inflationsrisiken dürfte sie an ihrem vorsichtigen Kurs festhalten.
Zinssenkungen erscheinen derzeit unwahrscheinlich – im Gegenteil: Sollte der Preisdruck weiter zunehmen, könnte die Phase stabiler oder sogar höherer Zinsen länger anhalten als bislang erwartet.
