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Pavel wirbt erneut für den Euro in Tschechien
Mitteleuropa · 03.06.2026

Pavel wirbt erneut für den Euro in Tschechien

Tschechiens Präsident wirbt erneut für den Euro und betont die Bedeutung einer stärkeren wirtschaftlichen Integration in Europa.

Der tschechische Präsident Petr Pavel hat sich erneut für die Einführung des Euro ausgesprochen. Am 1. Juni erklärte er, Tschechien solle die Landeswährung Krone aufgeben und der Eurozone beitreten, falls die Beibehaltung der Krone die wirtschaftliche Entwicklung des Landes behindere.

Tschechien hatte sich mit dem EU-Beitritt im Jahr 2004 grundsätzlich zur Einführung des Euro verpflichtet. Dennoch haben mehrere Regierungen den Beitritt zur Eurozone bislang nicht aktiv vorangetrieben. Die aktuelle Regierung unter Premierminister Andrej Babiš steht einer Euro-Einführung weiterhin ablehnend gegenüber.

„Allein die Tatsache, dass unsere Wirtschaft eng mit der Eurozone verflochten ist, sollte uns zu der Erkenntnis führen, dass es besser ist, mit am Tisch zu sitzen, an dem Entscheidungen getroffen werden, als vor der Tür zu stehen und lediglich mit deren Folgen umzugehen“, sagte Pavel laut dem tschechischen Rundfunk ČRo auf der Konferenz „Revize Česka“ in Prag.

Euro als Teil einer stärkeren europäischen Integration

Pavel kritisierte zudem, dass viele Politiker in Tschechien zur negativen Wahrnehmung der europäischen Gemeinschaftswährung beitrügen.

„Ich denke, dass die Tschechische Republik nur in einem integrierten und starken Europa wirklich erfolgreich sein kann. Wir erfüllen grundsätzlich alle Voraussetzungen für die Einführung des Euro“, sagte der Präsident. Gleichzeitig räumte er ein, dass politische und gesellschaftliche Fragmentierung Fortschritte erschwere.

Seine Äußerungen erfolgen kurz nachdem die Regierung beschlossen hatte, die Arbeiten am jährlichen Bericht zur Euro-Beitrittsfähigkeit des Landes einzustellen.

Neben der Partei ANO von Premierminister Babiš gehören auch die Freiheit-und-Direkte-Demokratie-Partei (SPD) sowie die Partei Motorists for Themselves der Regierungskoalition an. Beide Parteien vertreten eine kritische Haltung gegenüber der Europäischen Union. Die SPD fordert sogar ein Referendum über einen möglichen EU-Austritt Tschechiens.

Debatte über wirtschaftliche Vorteile

Bereits während der Amtszeit der vorherigen Regierung unter Petr Fiala hatte Pavel mehrfach für die Einführung des Euro geworben. In seiner Neujahrsansprache argumentierte er, ein Euro-Beitritt könne dazu beitragen, die Einkommensunterschiede zu Deutschland schneller zu verringern.

Die Einführung der Gemeinschaftswährung bleibt jedoch umstritten. Zu den prominentesten Gegnern zählt Aleš Michl, Gouverneur der Tschechischen Nationalbank (CNB). Er erklärte bereits im vergangenen Jahr, der Euro sei „kein Allheilmittel“ für die vergleichsweise langsame wirtschaftliche Annäherung Tschechiens an Westeuropa.

Die CNB steht einer Euro-Einführung traditionell zurückhaltend gegenüber, da ein Beitritt zur Eurozone die eigenständige Geldpolitik des Landes beenden würde.

Mehrheit der Bevölkerung lehnt Euro weiterhin ab

Auch in der Bevölkerung stößt die Einführung des Euro bislang auf wenig Unterstützung. Laut einer Umfrage des Zentrums für Meinungsforschung (CVVM) vom August 2025 lehnen 66% der Tschechen die Einführung des Euro ab. Lediglich 30% sprechen sich dafür aus.

Gleichzeitig bewerten viele Bürger die EU-Mitgliedschaft grundsätzlich positiv. Derselben Umfrage zufolge äußerten sich 66% der Befragten zufrieden mit der Mitgliedschaft Tschechiens in der Europäischen Union, während 31% Unzufriedenheit angaben.

Die Debatte über den Euro dürfte damit auch in den kommenden Jahren ein zentrales wirtschafts- und europapolitisches Thema in Tschechien bleiben.

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