Die Verbraucherpreise in Tschechien sind im April im Jahresvergleich um 2,5 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vormonat legten sie um 0,5 Prozent zu, wie das tschechische Statistikamt CZSO mitteilte. Damit bestätigte die Behörde ihre vorläufige Schätzung von Anfang Mai.
Die Inflation beschleunigte sich gegenüber März, als sie noch bei 1,9 Prozent gelegen hatte, und erreichte den höchsten Stand seit einem halben Jahr. In den kommenden Monaten könnte der Preisdruck weiter zunehmen, da höhere Energie- und Transportkosten allmählich stärker auf die Verbraucherpreise durchschlagen dürften.
Kraftstoffpreise treiben die Teuerung
„Die Entwicklung der Verbraucherpreise im April wurde erneut maßgeblich von den Preisen für Kraftstoffe und Schmierstoffe beeinflusst“, erklärte Pavla Šedivá vom CZSO. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken fiel mit 1,3 Prozent im Jahresvergleich dagegen moderater aus und dämpfte den Gesamteffekt teilweise.
Diesel kostete im April im Durchschnitt 44,5 Kronen, umgerechnet etwa 1,8 Euro, pro Liter. Benzin Natural 95 wurde durchschnittlich für 41,1 Kronen pro Liter verkauft. Laut Šedivá waren das die höchsten Werte seit Oktober beziehungsweise November 2022.
Im Verkehrssektor stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 8,7 Prozent. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Kraftstoffen und Schmierstoffen aus: Sie verteuerten sich um fast 25 Prozent, nach einem Plus von 13 Prozent im März.
Auch alkoholische Getränke und Tabakwaren wurden teurer. Die Preise für Spirituosen und Liköre stiegen um 5,8 Prozent, ebenso die Weinpreise. Bier verteuerte sich um 2,7 Prozent, Tabakwaren um 5,6 Prozent.
Im Bereich Wohnen, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe stiegen die Mieten um 6,3 Prozent. Wasser verteuerte sich um 3,9 Prozent, Abwassergebühren um 3,8 Prozent sowie Heizung und Warmwasser um 1,9 Prozent. Strom wurde dagegen um 11,6 Prozent günstiger, Erdgas um 5,6 Prozent.
Insgesamt stiegen die Warenpreise im April um 1,1 Prozent, während Dienstleistungen um 4,8 Prozent teurer wurden.
Zentralbank bleibt vorsichtig
„Obwohl die Ölpreise weiter gestiegen sind, dürfte sich ihr direkter Einfluss auf die Gesamtinflation abschwächen, sofern es nicht zu einer weiteren Eskalation im Nahen Osten kommt“, sagte der Analyst Jan Slabý von Ecovis laut der Nachrichtenagentur CTK. Zugleich wies er darauf hin, dass sich höhere Kraftstoffpreise schrittweise in den Preisen für Waren und Dienstleistungen niederschlagen könnten, auch bei Lebensmitteln.
Analysten, die von CTK befragt wurden, erwarten zwar einen weiteren Inflationsanstieg in der zweiten Jahreshälfte. Für das Gesamtjahr rechnen sie jedoch weiterhin mit einer durchschnittlichen Teuerung von etwa 2,5 Prozent.
Die Tschechische Nationalbank hatte den Leitzins bei ihrer jüngsten Sitzung bei 3,5 Prozent belassen. Sie dürfte auch in den kommenden Monaten vorsichtig bleiben.
Der Bankrat erklärte, seine Entscheidung sei vor dem Hintergrund außergewöhnlicher Unsicherheit im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Nahen Osten getroffen worden. Man habe verschiedene Szenarien für Inflation und reale Wirtschaftsentwicklung geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Geldpolitik vorerst relativ straff bleiben müsse.


