Die Eskalation im Nahen Osten könnte die wirtschaftlichen Aussichten Polens deutlich verschlechtern. Analysten der mBank warnen, dass steigende Energiepreise und gestörte Handelsströme sowohl die Inflation anheizen als auch das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren dämpfen könnten.
In einer am 9. März veröffentlichten Analyse beschreibt die Bank ein Stressszenario, in dem geopolitische Spannungen länger anhalten und zentrale Energie- und Handelsrouten beeinträchtigt bleiben.
Ölpreise als zentraler Risikofaktor
Im Mittelpunkt der Risiken steht der globale Energiemarkt. Sollte es zu längeren Störungen im Persischen Golf kommen – etwa durch eine zeitweise Blockade der Straße von Hormuz oder Schäden an Ölinfrastruktur – könnten die Rohstoffpreise deutlich steigen.
Ein solcher Schock würde laut mBank zunächst über höhere Energiepreise wirken und anschließend die gesamte Wirtschaft bremsen. Besonders stark könnten die Treibstoffpreise reagieren: Bereits kurzfristig rechnen die Analysten mit möglichen Preissteigerungen von rund 16 bis 18 Prozent.
Auch Lieferketten könnten betroffen sein, was sich wiederum auf Lebensmittelpreise und andere Konsumgüter auswirken würde.
Wachstum verliert an Dynamik
Im Basisszenario der Bank bleibt die polnische Wirtschaft zunächst robust. Für das dritte Quartal 2026 erwarten die Analysten ein Wachstum von gut vier Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Unter einem Stressszenario würde sich die Dynamik jedoch abschwächen. Das Wachstum könnte bis Ende 2026 deutlich nachlassen und sich im Verlauf des Jahres 2027 weiter verlangsamen.
Besonders zu Beginn des Jahres 2026 sehen die Ökonomen Risiken für eine schwächere Konjunktur – unter anderem durch mögliche wetterbedingte Störungen in der Wirtschaft.
Inflation bleibt erhöht
Während das Wachstum schwächer ausfallen könnte, würde sich die Inflation in die entgegengesetzte Richtung entwickeln. Steigende Energiepreise würden die Verbraucherpreise deutlich stärker nach oben treiben als bislang erwartet.
Nach Einschätzung der Bank könnte die Inflationsrate bereits im Jahr 2026 über den bisherigen Prognosen liegen und sich Anfang 2027 weiter erhöhen.
Zinssenkungen rücken in weite Ferne
Die veränderten Inflationsaussichten haben auch Konsequenzen für die Geldpolitik. Noch vor Kurzem galt es als möglich, dass der Leitzins in Polen mittelfristig deutlich sinken könnte.
Die Analysten der mBank halten dieses Szenario inzwischen für unrealistisch. Statt weiterer Zinssenkungen rechnen sie damit, dass die Zinsen auf dem aktuellen Niveau stabil bleiben.
Dauerhafte geopolitische Risikoprämie
Selbst wenn sich die Lage im Nahen Osten wieder beruhigt, könnte der Effekt auf die Märkte länger anhalten. Die Bank geht davon aus, dass eine geopolitische Risikoprämie auf den Energiemärkten bestehen bleiben könnte.
Das würde bedeuten, dass Ölpreise über längere Zeit höher bleiben als vor der Eskalation – mit entsprechenden Folgen für Inflation und Wachstum in Europa.
