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Ungarn nimmt größten Batteriespeicher Mitteleuropas in Betrieb
Mitteleuropa · 28.07.2026

Ungarn nimmt größten Batteriespeicher Mitteleuropas in Betrieb

Mit 99,8 MW Leistung und 288,5 MWh Speicherkapazität geht in Ungarn der größte Batteriespeicher Mitteleuropas ans Netz.

Ungarn hat nach Angaben der Projektentwickler den größten Batteriespeicherkomplex (Battery Energy Storage System, BESS) Mitteleuropas in Betrieb genommen. Die Anlage ist ein weiterer Meilenstein beim raschen Ausbau der netzgebundenen Energiespeicherung und soll die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz verbessern, berichtet das Wirtschaftsportal VG.

Die neue Anlage im nordostungarischen Buj verfügt über eine installierte Leistung von 99,8 MW und eine Speicherkapazität von 288,5 MWh. Sie besteht aus zwei identischen Batteriesystemen mit jeweils 49,9 MW Leistung und 144,3 MWh Kapazität.

Projektentwickler ist das portugiesische Unternehmen Greenvolt Power, während der ungarische Ingenieurkonzern Forest-Vill den Bau übernahm. Das Unternehmen gewann die Ausschreibung im Dezember 2024 und schloss die Bauarbeiten im Mai 2026 ab.

Größter Batteriespeicher des Landes

Mit dem Projekt in Buj übertrifft Ungarn seine bislang größte Batteriespeicheranlage deutlich. Diese befindet sich in Százhalombatta, verfügt über eine Leistung von 40 MW und eine Speicherkapazität von 80 MWh, wurde 2025 von der MET Group ans Netz gebracht und ebenfalls von Forest-Vill errichtet.

Zum Einsatz kommt die Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) des chinesischen Herstellers BYD, der seine Präsenz auf dem europäischen Energiespeichermarkt kontinuierlich ausbaut. BYD betreibt bereits ein Werk für Elektrobusse in Ungarn und errichtet derzeit zudem sein erstes europäisches Pkw-Werk in Szeged.

Nach Angaben von Forest-Vill können die beiden Batteriesysteme während eines vollständigen Entladezyklus ausreichend Strom liefern, um den Bedarf von mehr als 40.000 Haushalten zu decken. Die containerbasierte, modulare Bauweise ermöglicht künftige Kapazitätserweiterungen. Darüber hinaus verfügt die Anlage über digitale Überwachungs- und vorausschauende Wartungssysteme, die die Betriebssicherheit erhöhen sollen.

Für das Projekt wurden Fördermittel in Höhe von 28 Millionen Euro aus der Recovery and Resilience Facility (RRF) bereitgestellt.

Energiespeicher gewinnen für Ungarn an Bedeutung

Mit dem starken Ausbau der Solarenergie haben Batteriespeicher in Ungarn erheblich an Bedeutung gewonnen. Das Land zählt inzwischen zu den Staaten mit dem höchsten Anteil von Solarstrom an der Stromerzeugung in Mitteleuropa. Gleichzeitig erschwert die hohe Einspeisung bei sonnigem Wetter und geringer Nachfrage die Netzstabilität. Hinzu kommt, dass das teilweise veraltete Stromnetz die Integration zusätzlicher Solar- und Windkapazitäten bislang begrenzt.

Ungarn installiert seit mehreren Jahren jährlich mehr als 1 GW neue Solarkapazität. Inzwischen verfügen über 300.000 Haushalte über Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern. Im Rahmen seiner Energiewendestrategie plant das Land, die installierte Solarkapazität bis 2030 von derzeit 8,3 GW auf 12 GW auszubauen.

Teil einer europäischen Speicherinitiative

Die Inbetriebnahme der Anlage erfolgt kurz nach Ungarns Beitritt zu einer europäischen Initiative zum beschleunigten Ausbau von Batteriespeichern.

Wirtschafts- und Energieminister István Kapitány gab im Juni bekannt, dass Ungarn einem politischen Abkommen beigetreten ist, das von 22 EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission, Finanzinstitutionen und Branchenvertretern getragen wird. Ziel der Initiative ist es, zwischen 2026 und 2028 europaweit 45 GW zusätzliche Speicherkapazität aufzubauen.

Ungarn hatte ursprünglich den Ausbau von 700 MW zugesagt, erhöhte dieses Ziel jedoch inzwischen auf 1.000 MW.

Netzstabilität rückt stärker in den Fokus

Der Ausbau der Batteriespeicher erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen für das ungarische Stromnetz. Zu Beginn des Sommers musste das Kernkraftwerk Paks seine Leistung zeitweise reduzieren, nachdem die Wassertemperatur der Donau – die zur Kühlung genutzt wird – die zulässigen Grenzwerte überschritten hatte. Der Vorfall verdeutlichte den Bedarf an flexibleren Speicher- und Ausgleichskapazitäten, um die Versorgungssicherheit auch bei extremen Wetterbedingungen zu gewährleisten.

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